Mitten in der Nacht
Es war Nacht. Sie schlief. Der Vorhang am Fenster wedelte wie durch einen Windhauch, obwohl alle Fenster im Schlafzimmer zu waren. Doch sie bemerkte es nicht, nach einem anstrengenden Tag war sie kaputt ins Bett gefallen. Plötzlich wachte sie doch auf. Was war das? Schlurfende Schritte. Ob sie noch träumte? Nein, sie war auf einmal hellwach und die unheimlichen Schritte waren immer noch deutlich zu hören. Ihr Herz fing an zu klopfen wie wild, doch sie wollte nicht feige sein, stand aus ihrem Bett auf und ging zum Fenster.
Draußen schlug die Rathausuhr 12. Sie lugte zwischen den Vorhängen nach draußen. Da stand eine Gestalt! Ihre Beine zitterten sofort heftig, doch sie zwang sich, genauer hinzusehen. Das Wesen trug einen schwarzen Kapuzenumhang, von seinem Gesicht konnte sie nicht viel erkennen. Doch das war nicht das, was sie fesselte... Irgendetwas war verkehrt. Jetzt fiel es ihr auf: Obwohl der Vollmond den Platz vor dem Haus hell erleuchtete, warf die Gestalt keinen Schatten! Sie atmete erschrocken ein, sie wollte schreien, aber ihre Stimme wollte ihr nicht gehorchen. Plötzlich begann die Gestalt, leise ihren Namen zu flüstern, doch sie hörte es durch das geschlossene Fenster, als wäre die Stimme in ihrem Kopf. Jetzt wurde die Stimme laut und lauter. Die Kapuzengestalt bewegte sich Richtung Haustür, als würde sie schweben und nicht laufen.
Jetzt klopfte es. Immer wieder klopfte es, dabei hörte sie eine Stimme ihren Namen rufen. Sie kroch schnell zurück ins Bett und zog sich die Decke über den Kopf. Doch das Klopfen und das Rufen wollte einfach nicht aufhören... Als sie die Augen wieder öffnete, war es heller Tag. Es klopfte immer noch, eine Stimme rief: "Guten Morgen. Ihr Tee ist fertig!" Ihr fiel ein Stein vom Herzen, es war also doch alles nur ein schlimmer Traum. Sie war so erleichtert, dass sie nicht bemerkte, wie ihre Haushälterin noch schnell einen Kapuzenumhang im Schrank versteckte...