Die Welt - Schreiben, Malen
und Gewinnen
Gleich
drei Dinge auf einmal: Geschichte, Gedicht und noch eine Geschichte
Sonntag,
17. Dezember 2000 - 21:12
Beitrag von Isabella Schwerer (13) aus Wien
Eine
Tannengeschichte
Schwach lag ich, die Tanne Mathilde, neben
meiner Freundin in der Biotonne. Ich war von den bösartigen Menschen
in zwei Hälften zersägt worden. Die Nadeln, die ich noch hatte,
waren total ausgetrocknet. Aber wie mir das passieren konnte erzähle
ich jetzt:
"Es war am 19.Dezember 1998, als ich zum
letzten Mal an einem ruhigen Platz im Wald stand. Umgeben von meinen
Onkeln und Tanten und Schwestern und Brüdern. Doch wie ich mein Leben
weiterleben sollte, wusste ich noch nicht. Ich sah, wie schon oft
zuvor, zwei Wanderer vorbeikommen. Einen Mann und eine Frau. Dann
zeigte die Frau freudig auf mich. Ich freute mich mit ihr, dass sie
mich ausgewählt hatte. Doch für welchen Zweck? Dann bemerkte ich,
dass der Mann eine Säge auspackte. Ein eiskalter Schauer fuhr mir
durch die Wurzeln. Wollte der Mann mich umbringen? Ich war doch noch
so jung. Aber ich konnte mich natürlich nicht wehren. Nach einer
halben Stunde luden mich diese Menschen dann in ihren Kleinbus. Es war
ziemlich heiß da drinnen! Wir fuhren einige Zeit. Dann holten sie
mich aus dem Auto und beförderten mich in ein Haus. Sie stellten mich
in einen sogenannten Blumentopf. Dann bekam ich etwas zu trinken. Kurz
darauf holten sie viele bunte Kugeln hervor und hängten diese auf
meine Äste. Als ob ich nicht schön genug wäre!! Als sie fertig
waren, ließen sie mich allein und schlossen die Türen zu. Tage
vergingen. Kein Wort bekam ich zu hören. Doch nach ungefähr fünf
Nächten kam der Mann wieder herein, verteilte einige Pakete unter mir
und klingelte dann mit einem Glöckchen. Drei Kinder stürmten herein
und bestaunten mich. Als sie ein paar Lieder gesungen hatten,
öffneten sie die Pakete und freuten sich über die Dinge, die zum
Vorschein kamen. Mir gaben sie den Namen "Mathilde-Tanne" .
Doch mit der Vermutung, immer bei ihnen bleiben zu dürfen, lag ich
falsch. Ich wurde immer durstiger. Schon nach einer Woche fielen mir
die Nadeln ab. Fast hätte ich geweint. Doch als der Mann mit einer
Säge auf mich zukam, stockte mir der Atem. Er nahm mir den Schmuck
ab, zog mich aus dem Topf, legte mich auf den Boden und sägte mich
mittendurch. Zuletzt kehrte er meine Nadeln auf und steckte sie in
einen Papiersack. Ich glaube, "Weihnachten" nennen die
Menschen dieses Bäumeumbringen. Oder war es das Paketeöffnen, das
diesen Namen trägt? Ich weiß es nicht mehr. Der Mann brachte mich
hier in diese Biotonne zu dir, meine Tannenfreundin. Den Rest kennst
du ja. Wie ist es denn dir zu Weihnachten ergangen?

Weihnachtszeit
Ich wünsche dir
Zeit.
Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freu'n und zu lachen.
Und wenn du sie nützt, kannst du etwas d'raus machen.
Ich wünsche dir Zeit
für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum verschenken.
Ich wünsche dir Zeit, nicht nur zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedensein- können.
Ich wünsche dir Zeit
nicht nur zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrigbleiben.
Als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertrauen,
anstatt auf die Uhr zu schauen.
Ich wünsche dir
Zeit, nach den Sternen zu greifen.
Und Zeit um zu wachsen, das heißt um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen und lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu
verschieben!
Ich wünsche dir
Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben.

Bei uns daheim
Ich hatte mal einen Kater. Er hieß Felix und ich glaube, er war ziemlich
zufrieden bei uns. Zu Weihnachten haben ich und meine Mutter oft einen
Kuchen gebacken. Dieses Jahr haben wir einen Apfelkuchen gemacht. Er war
noch heiß, drum haben wir ihn zum Abkühlen ins Wohnzimmer gestellt und die
Tür zugemacht, damit Felix nicht hingeht und ihn womöglich frisst.
Felix war währenddessen auf dem Dach unseres
Hauses spazieren. Als ich nach ca. zwei Stunden wieder zum Kuchen
schau'n kam, blieb mir der Mund offen steh'n: Felix saß, nicht weit vom offenen(!) Fenster, und leckte sich die
Pfoten. Inmitten des Kuchens war ...ein großes rundes Loch.
Felix sah mich an und ich hatte das Gefühl, als entdeckte ich ein kleines
bisschen Schadenfreude in seinen blitzend grünen Augen. Nachdem wir einen neuen Kuchen gebacken hatten, Felix wieder vergnügt in
seinem weichen Körbchen saß, und aller Ärger verflogen war, konnten wir ein
schönes, unvergessliches Weihnachten feiern.
Aber was Felix mit dem Weihnachtsbaum gemacht hat, ist eine andere
Geschichte.
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