Blinde Kuh - Säbelzahntiger

 

Der Tiger, der gar keiner war und fürchterliche Zähne hatte 

So in etwa könnte die Rekonstruktion dieses wilden und äußerst gefährlichen Tieres aus der Eiszeit aussehen. Dass es reichlich gefährlich gewesen sein könnte, ergibt sich aus dem, was wir über die heutigen großen Raubkatzen wissen und - na ja - ich sag nur, sieh dir doch einfach mal diese Zähne an. Das sind keine Spieldinger mehr, das sind richtige Zähne.

Wozu aber brauchte das Tier überhaupt so lange Zähne?

Etwas unklar ist nämlich, wie man damit eigentlich beißen konnte. Denn ein Happs in was auch immer, und der arme Tiger steckte erst einmal in seiner Beute mit den Zähnen fest. Kürzere Zähne hätten es ja auch getan, wie die heutigen Raubkatzen zeigen. Die langen Zähne schienen zudem auch reichlich zerbrechlich zu sein. Allerdings konnte ein Säbelzahntiger mit diesen Zähnen auch größere Beutetiere erlegen als die heutigen Raubkatzen. Doch vielleicht waren die Zähne aber nicht nur zum Beutereißen gedacht, sondern dienten mehr dazu, bei den Säbelzahntigerinnen Eindruck zu machen. Und vielleicht musste man damals unter Säbelzahntigern ordentlich angeben können. Wer den längsten Zähne hatte, mit dem ging die Tigerin und der war der Boss im Rudel. Noch ein ordentliches und schauderliches Brüllen durch die Tundra der Eiszeit und fertig war der Bräutigam. So einfach war das. Oder vielleicht doch nicht?

Doch irgendwann war die Angeberei mit den Zähnen bei den Säbelzahntigerinnen wohl nicht mehr so angesagt oder die langen Zähne behinderten nur den Säbelzahntiger, so dass andere Zeitgenossen die Herrschaft in der Tundra übernommen haben, gegen die der Säbelzahntiger machtlos war. Als die Eiszeit vorbei war, war auch die Zeit der Säbelzahntiger vorbei. Die uns heute bekannten Raubkatzen entstanden relativ spät. Verdrängten die den Säbelzahntiger? 

Und es war kein Tiger! 

Man nimmt z.B. auch an, dass die Zähne bei der Jagd mehr im Wege waren, als dass sie dem Tier nützten. So konnte der Tiger auch nicht recht schnell und flink hinter seine Beute herjagen, da eine falsche Bewegung dazu führen konnte, dass er mit seinen Zähnen irgendwo hängen blieb. Um das Maul so richtig ordentlich aufzubekommen, hatte er einen größeren Unterkiefer. Zudem waren diese Tiere auch nicht so schön geschmeidig in ihrem Knochenbau wie es etwa die heutigen Löwen und Tiger sind. Man nimmt auch an, dass die Säbelzahntiger in Rudeln lebten und nicht allein durch die Tundra wanderten. Dabei war deren soziales Zusammenleben eher so wie bei Löwen und nicht wie bei Tigern. So ist die Bezeichnung "Tiger" für die Säbelzahntiger auch eher irreführend, da sie eigentlich mit Tigern gar nicht viel Ähnlichkeiten haben. Eine weitere Annahme ergibt sich aus den Funden der Knochen. So zeigten viele Knochen Wunden, die wohl dadurch entstanden sind, dass sich die Tiere untereinander ordentlich um die Beute zu streiten pflegten. Wahrscheinlich konnten da wiederum die Zähne ganz nützlich sein, mit denen man richtig ordentlich Angst machen konnte, ohne seinen Gegner gleich zu beißen.

 

Das Skelett (Smilodon)
Das ganze Tier von der Seite Der Schädel von der Seite Der Schädel von vorn

Wie gesagt, diese Tiere hatten ordentliche Zähne und einen mächtigen Unterkiefer.

Aber wozu nun die langen Zähne wirklich gut waren, darüber streiten sich noch die Wissenschaftler. Problem ist nämlich, dass es keine Säbelzahntiger mehr gibt, die man dabei beobachten könnte, was sie mit den Zähnen machen. Man kann also nur raten, oder aus den Biss-Spuren in den Knochen der Beutetiere erahnen, wozu diese Tiere in der Lage waren und wozu nicht. Dass zum Beispiel die Länge der Zähne gleich ein Zeichen dafür sein muss, dass solche Tiere auch fürchterliche Räuber sein könnten, ist fraglich, denn bekannterweise hatten Mammuts und die heutigen Elefanten eindeutig längere Zähne und zwar 10x so lang. Vielleicht hinkt auch der Vergleich mit den heutigen Raubkatzen und man muss das eher mit Hirschen und deren Geweihen vergleichen.

Die verschiedenen Säbelzahntiger-Arten

Die Säbelzahntiger lebten bereits schon vor 20-30 Millionen Jahren in Nordamerika und Europa, zumindest wurden dort Skelette und Knochen von den Tieren gefunden. Einen besonders großen Fund an Knochen gab es in Rancho La Brea in Los Angeles (USA/Kalifornien). Die Säbelzahntiger starben in Europa vor ca. 40.000 Jahren und in Amerika vor ca. 10.000 Jahren dann aus. Die ersten Menschen mussten diesen Tieren daher bereits begegnet sein und haben wahrscheinlich schnell das Weite gesucht, wenn sie das Gebrüll des Säbelzahntigers hörten. Jedenfalls waren es offenbar keine lieben Hauskatzen.

Es gab natürlich verschiedene Arten von Säbelzahntiger, die z. B. alle ein anderes Gebiss hatten. Die ersten Tiere hatten noch relativ kurze Zähne, während die Tiere mit den richtig langen Zähne erst viel später kamen. Die am meisten bekannteste Art in den USA ist der Smilodon, in Europa der Megantereon und der Homotherion, wie sie auf latienisch-griechisch immer so schön heißen. Der Smilodon war so groß wie die heutigen afrikanischen Löwen und hatte die längsten Zähne der Säbelzahntiger.

Aber etwas ist noch bezeichnend. Die Säbelzahntiger sind nicht die Vorfahren der heutigen Katzen, sondern bilden eine eigene Artenfamilie. Die heutigen Katzen und Raubkatzen hatten mit dem Säbelzahntiger lediglich einen gemeinsamen Vorfahren. Die Säbelzahntiger waren recht unterschiedlich, manche Arten sahen eher aus wie Bären mit einem robusten Körper und kurzen Beinen und andere wiederum waren etwas schlanker und hatten lange Beine. In Florida fand man eine weitere Art, den Xenosmilus, der ebenfalls robust gebaut war, aber dennoch längere Beine hatte. Man nimmt an, dass diese Art vor den bisher bekannten Säbelzahntigern wie die amerikanischen Smilodons gelebt hatte, doch das weiß man aber auch nicht so genau. Auf dem Foto siehst du den Entdecker des Xenosmilus samt Schädel von dem Tier, Dr. Larry Dean Martin von der University in Kansas/USA.

Du siehst, vieles weiß man noch gar nicht über diesen König der Eiszeit-Tundra und deshalb läuft die Forschung in Sachen "Säbelzahntiger"  immer noch auf vollen Touren. Falls du mal Säbelzahntiger-Forscher werden willst, hier ist noch viel Arbeit zu leisten.

Ja, so weit nun meine kleine Einführung über die Säbelzahntiger. Ich habe natürlich noch ein paar schicke Säbelzahntiger-Links ins Internet für dich, die dir bei deiner Forschung weiterhelfen können:

Bilder und Texte im Internet

Bei der berüchtigten Fundstelle Rancho La Brea in Kalifornien / USA gibt es natürlich auch ein Museum, nämlich das George C. Page Museum. Dort gibt es allerhand Bilder und Texte über die Smilodons und auch über andere Urtiere der Gegend.

Im Paläontologischem Museum in München gibt es noch ein ganzes Smilodon-Skelett und ein paar Skelette anderer Tiere wie etwa von einem Mammut.

Ein recht großes Bild vom Schädel eines Smilodon zeigt die Universität in Berkeley / USA. Dort gibt es auch noch einen Text in Englisch über das Tier.

 

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