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Kollateralschaden oder Verkehrte Welt ?
Mit
dem Inkrafttreten des neuen Jugendschutzgesetzes (April 2003) wurde
zwar grob ein Rahmen gesetzt, auf den sich alle Bundesländer einigen
konnten, aber dieser selbst macht allein keinen Kinder- und Jugendschutz.
Es wurde aber deutlich, dass es zwar 6 Jahre oder gern auch
länger Internet in Deutschland gibt, und dass auch viel über
Jugendschutz geredet und gemacht, dennoch genau dieses Problem
eigentlich nicht wirklich gelöst wurde. Im Gegenteil, bis zu diesem
Zeitpunkt kam noch dazu, dass die
deutschen Kinderseiten von den Filterherstellern im Namen eines
Jugendschutzes teilweise schon seit Jahren geblockt wurden, den es
eigentlich so ja gar nicht gab.
Ob nicht-kommerzielle
Seiten zu unrecht blockiert wurden, interessierte niemanden und so ist
es eigentlich auch heute noch. Allerdings wurden auch kommerzielle
Angebote versehentlich blockiert, denn die Lieblosigkeit bei diesen
Filtern macht zwischen kommerziell und nicht-kommerziell ja nicht Halt.
Nicht der Staat
also verursachte dieses
Problem, sondern zum einen eine auf Marketing setzende, aber zum anderen durchaus
auch eine von ehrenhaften Motiven geleitete Initiative in diversen
Häusern, die jedoch selten in Koexistenzbemühungen mit den
vorhandenen Kinderseiten abgestimmt wurde.
Wir haben nun die Situation,
dass eine Reihe an Kinderseiten mehrfach für ihr Engagement und ihren
Dienst als aktive Komponenten eines alltäglich stattfindenden
Jugendschutzes durch eben ihr Positiv-Angebot ausgezeichnet wurden,
gleichzeitig aber durch diverse Kindersicherungen massiv blockiert werden. Diesen Kollateralschaden sehen viele als tragbar an, andere
hingegen fragen sich, wie das kommt, und warum das eigentlich sein
muss. Ebenso stellt sich die Frage, warum Unternehmen von sich
aus keinen Kontakt herstellen, um die vorhandene Kinderseitenlandschaft
einzubeziehen und um z.B. auch deren Knowhow zu nutzen. Ein Grund mag
sein, dass es bisher reichte, irgendeine Blackbox zu basteln, darauf dann
"Jugendschutz" und "Sicheres Internet für Kinder" zu
schreiben, um ordentlich Geld vom Endverbraucher über Abos bei
derartigen Zugängen zu erhalten.
Doch man muss hier ein wenig trennen.
Es gibt Unternehmen, die tatsächlich versuchen, etwas sinnvolles zu
bauen, weil eben dies durchaus für die Zukunft wirtschaftlich nicht
uninteressant sein muss, und es gibt Unternehmen, die den mangelnden
Kenntnisstand der Verbraucher und der Multiplikatoren nutzen, um
schnell abzuräumen. Manche Unternehmen nahmen von sich aus mit
der Blinden Kuh Kontakt auf, um eine gemeinsame
Lösung wenigstens einmal zu besprechen. Schnell wurde dann im
Gespräch klar, dass die Sache viel verzwickter ist, als alle
anfangs glaubten.
Es
gibt ein Problem, dass man lösen muss. Wenn man ein ABO-System für
Kinder bauen möchte, also eine Art Online-Magazin gegen Geld, was kein
Internet, sonder eher Extranet ist, dann muss der Internet Zugang
dieses ABO-Systemes natürlich "kindersicher" sein. Da gibt
es die Mini-Lösung, man schaltet nur die Seiten frei, die zu dem
ABO-System gehören. Es gibt die MIDI-Lösung, man schaltet eine Art walled
garden frei, der die typischen aus Film und Fernsehen bekannten
"Helden" der Kinder frei schaltet, also was immer eben stark
Werbung macht, oder eben ARD und ZDF mäßig gesendet wird. Und dann
gibt es die Internet-Lösung, also die Kinder sollen frei surfen
können, und eben kein Schund und Schmuddel finden. Doch diese letzte
Lösung ist eben keine Lösung, sondern heißt nur so. Eine
Mini-Lösung ist kein Internet, da werden die Eltern schlicht weg
betrogen. Die Midi-Variante könnte für kleinere Kinder allerdings
ausreichend sein. Doch hier stellt sich die Frage, wie viel Demokratie
(also Meinungsfreiheit) erlaubt ein Unternehmen, das eben schon im
Verkauf und in der Vermarktung schummelt. "Demokratie" ist
ein lapidares Pseudonym für die Summe und Vielfalt der frei
geschalteten Kindersites. Die Midi-Variante ist für Kinder ab 9 Jahren
dann schon eher eine Zumutung. Und hier sitzt auch schon das nächste
Problem "Kinder". Wie alt sind eigentlich die Kinder im
Internet? 4 Jahre? Oder schon etwas älter. Hier geht es gar nicht
darum, wenn man "Meinungsfreiheit" sagt, ob eine
Erotik-Industrie nun seine Meinung frei äußern kann, sondern hier
geht es darum, kann ein Internetangebot für Kinder überhaupt noch mit
dieser Sicherung erreicht werden, und wenn nein, warum das denn nicht?
Da sagen dann Unternehmen, man könne sich ja nicht um alles kümmern.
Schön, dann lasst das doch endlich sein. Und so haben wir eine
"Zensur" in Deutschland, nicht eben durch den Staat, sondern
durch Lieblosigkeit aufgrund unternehmerischer und oft eben
eigenartiger Betriebsphilosophie, die sicher kein Demokratie-Ersatz
ist, und vor allem aus Mangel an der Liebe zum Detail. Keine Ahnung, ob
der Staat das alles besser kann, er macht ja so etwas nicht. Und wozu
auch? Der Staat will ja keine Geschäftsidee ausbrüten, um eine neue
Möglichkeit in die Taschen der Bürger hin zu zaubern. Er hat aber die
Hoheit und damit die Aufgabe, allen Scharlatanen zu sagen, was auch
immer das sein soll, bedenke Kinder surfen mit im Internet. Nicht
überall, okay, aber lass dir was einfallen, wenn du Kinder als
Klickmasse anlockst.
Vielleicht
ist dieses Problem auch ein typisches Deutsches Problem. In kaum einem
anderen Land ist die Kinderseitenlandschaft so stark, was auch ein
wenig eben Engagement voraussetzt. Und in einem Land wir die USA ist
vor allem der Staat stark mit Kinderseiten präsent. Was immer man da
macht, die jedenfalls sollte man nicht im Namen des Jugendschutzes
blocken. Zudem in Deutschland gibt es auch öffentlich-rechtliche
Kinderseiten, die sich ebenfalls sehen lassen können. Ein
Over-Blocking ist buchstäblich vorprogrammiert. Je mehr
Eigen-Initiative der einzelne Bürger ergreift, und selbst ein Angebot
für Kinder ins Netz stellt, um so unüberschaubarer wird das Ganze und
um so mehr Liebe zum Detail ist angesagt. Allein die Recherche, also
das Erfassen des Bestandes an Kinderseiten ist ja schon ein ernsthaftes
Problem, insbesondere bei einem solch flüchtigem Medium wie das
Internet.
Einen Filter zu basteln, der einfach technisch irgend
etwas blockt, weil auf den Seiten eindeutig ein bestimmtes Schema
vorhanden ist, ist gar nicht mal so einfach, wie meist daher geredet.
Dies sieht man bei den großen Suchmaschinen, die professionell
Monsteralgorithmen tagtäglich neu erfinden, um ihre Suchmaschine vor
Betrügern (auch und gerade im Erotikbereich) zu schützen. Wenn Sie in einer großen Suchmaschine bei eher harmlosen Suchworten sehen,
was da alles rauskommt, wissen Sie, was der Stand der
Technik ist. Also, muss man für einen Kinderfilter hier noch härter
herangehen. Doch je härter der Filter wird (eigentlich sind es mehrere
Filter), desto größer wird der Kollateralschaden. Wie gesagt,
eigentlich gar nicht so schlimm, könnte man denken, wenn dann für die
Kinder wenigstens die meisten "bedenklichen" Seiten geblockt
werden. Doch diese werden eben nicht präzise getroffen, dagegen
leider recht viele Seiten, die für Kinder gemacht wurden, oder auch
für Schüler von einer Grundschule ins Netz gestellt werden, oder
es sind Seiten, die völlig unbedenklich und sehr wichtig im Surfraum
der Kinder sind. Stellt sich nun die Frage, was genau ist eigentlich
die Kinderseitenlandschaft, welche Seiten gibt es da, um wirklich zu
verstehen, wie groß hier ein Schaden sein kann, der durch eher
unprofessionelle Technik zu Stande kommt.
Ein
weiteres Problem, es gibt gar keine unabhängige Prüfinstanz. Also ein
TÜV für solche Dinge. Auch der Verbraucherschutz packt dieses heiße
Eisen ungern an. Solange dem so ist, kann jeder behaupten, dass seine
Filtersoftware sicher und präzise ist. Das Gegenteil kann man nicht
punktuell zeigen. Zwar ist es ein Leichtes Seiten zu finden, die nicht
von den Filtern geblockt werden, aber dann werden sie geblockt (nicht
immer allerdings). Man müsste einen test mit ca. 1 Mio Urls und mehr
machen, was sehr aufwendig ist, um wirklich herauszufinden, ob der
Filter sicher ist. Und das jeden Tag. Das Problem stellen aber gar
nicht mal die eindeutig "verbotenen" Seiten dar. Allein schon
um Kriterien zu finden, was für Kinder geeignet sein könnte und was
eher nicht, wird es einfach Schwammig. Und selbst wenn, steht noch aus,
warum eigentlich alles geblockt werden muss, was bedenklich erscheint.
Nehmen wir das Beispiel der Girli-Gruppe t.a.T.u. . In den Foren geht
es heiß her. Das soll es ja auch, da diese Gruppe mit dem
Lolita-Lesben-Image wirbt, ohne offenbar selbst lesbisch zu sein. Das
Problem ist nicht, dass über "schwul und lesbisch" geredet
wird, sondern eher, wie da geredet wird. Für die 12-Jährigen sind
t.a.T.u. allerdings die Stars und für Russland ist das die
erfolgreichste Band über die Grenzen Russlands hinaus. Immerhin 2.
beim Grand Prix 2003. Relativ schnell kommt man in ein
Entscheidungsproblem, das damals bei den Beatles-Thema vorherrschte. Wo
eigentlich ist die Grenze? Und sind Verbote hier sinnvoll oder eher
gegenwirkend? Sicher, je jünger die Zielgruppe ist, desto
rudimentärer lässt sich entscheiden und für die 14 Jährigen gelten
dann Kriterien, die vielleicht eher nur bei 8 Jährigen sinnvoll waren,
wenn überhaupt. Ein Grund, warum der Staat ja auch fordert, wenn schon
Filtern, dann aber auch altersgerecht.
Wir
wollen hier einmal völlig außer Acht lassen, dass auch nicht
automatisch etwas wie Moral, Bildung und andere Worte, einfach mal eben
so mit Zauberscripten entstehen oder gar beachtet werden könnten. Die
Frage ist dennoch sinnig, wer in diesem Land macht eigentlich die
Werte, nach denen wir alle sagen, da aber muss Jugendschutz ran. Man
muss sich mal das Internet genauer ansehen, dann wird man sehen, dass
der Graubereich eigentlich eher das Problem ist. Das Subtile gar nicht
mal das Eindeutige. Klar wird ein Kind sich wundern, wenn es nach
Tiersex sucht in den großen Suchmaschinen. Aber, es wird sich genauso
wundern wenn es eigentlich nur nach Tierbildern suchte oder gar
Tierfilmen. Es trifft das Kind eigentlich eher unvorbereitet bei ganz
harmlosen Übungen. Und, wer sagt eigentlich, dass Betrug nicht
auch moralisch verwerflich ist? Es gehört auch zum Jugendschutz, eben nicht
die Kinder aufzuheizen, ihre Eurocents überall rein zu stecken. Es
geht eben nicht nur um Pornographie und Nazis im Internet, es geht um
mehr. Auch Erwachsene wünschten sich, es gäbe ein wirklich effektiven
Schutz gegen Spam-Mails. Nun ja, es gibt Firmen, die verkaufen da was.
Aber, Computerviren und Spam-Mails zeigen doch nun wirklich, wie eng
die Möglichkeiten einer technischen Erkennung sind. Es wird sicherlich
denen nicht gezeigt, die eine Sekretärin dazwischen schalten, aber all
denen, die mehr als 10 Mails am Tag erhalten. Hier geht es ja schon gar
nicht mehr um Jugendschutz, sondern auch darum, um einen Schaden von der
Wirtschaft abzuwenden. Doch, nicht einmal das gelingt wirklich. Wie soll
dann über technische Wege Jugendschutz herauskommen? Die Technik jedenfalls dafür
gibt es nicht, die das könnte. Aber es gibt Internet-Würmer, die
weltweit kaum zu stoppen sind, und fragwürdige Spammer, die auch die
Mail-Boxen der Kinder zuschütten sowie massenhaft Seiten, die nicht
von der Spam-Protection der großen Suchmaschinen aufgehalten werden
können. Und selbst wenn, dann gibt es noch die Leute, die es nun mal
nicht gut meinen, mit dem Kind, dass sie anschreiben oder umwerben.
Wenn selbst Erwachsene auf all das reinfallen, wie will man dann die
Kinder davor schützen und eine Frage, die sich in all den Jahren
aufbaute, warum tut man das nicht, was man bereits tun könnte und
viele Leute auch Erwachsenen empfehlen, sich selbst im Internet zu
schützen. Nein, eine Software soll das tun, die zaubert das schon. Die
kann das, was Hunderttausende von professionellen Administratoren nicht
leisten können, einen Computer vor Angriffen aller Art abzuschirmen.
Das ist schlichtweg gelogen, auch wenn viele Hersteller mit Software
werben, die angeblich zuvor in Unternehmen eingesetzt wurde, um Hacker
abzubremsen oder Mitarbeiter zu kontrollieren.
Die
Voraussetzung bei diesen Gedanken ist zudem, dass es überhaupt eine
Kinderseitenlandschaft gibt, die so in sich vernetzt ist und so
vielseitig für die Kinder interessant sein kann, dass sie als ein
"Internet für Kinder" angesehen werden kann. Die
Schwierigkeit in einer demokratischen Gesellschaft liegt dann in der
Dezentralität dieser Kinderseitenlandschaft. Viele werden einfach nur
Häuser und Gärten, Spielplätze, oder - ja warum nicht - auch Bücherhallen
und Läden basteln. Andere müssen dann zusehen, dass es immer Wege
zwischen diesen Häusern gibt, die nicht zu große Schlaglöcher haben,
die nicht zu dunkel beleuchtet sind und die nicht zu fremd für die
Kinder sind. Diese Vernetzungsinstanzen, davon kann es ja ruhig
Tausende geben, so dass man sich je nach Geschmack als Kind die eine
oder andere auswählen kann, sind wiederum miteinander vernetzt und blenden sich
nicht gegenseitig aus. Damit wir uns hier nicht missverstehen, das ist
nur ein Gedankenkonstrukt und leider noch keine Realität. Dennoch
einige echte Kinderseitenanbieter sind hier auf dem Weg, genau das zu
bauen.
Bei
Unternehmen, die dann neben ihrer Filtersoftware auch noch ein
sogenanntes Kinderportal anbieten, das da eben mal im
wunderbaren Design aus dem Ärmel gezaubert wird, ist an dem, was sie nun
alles in diesen Seiten ausgrenzen, deutlich, worum es ihnen geht. Ganz sicher
eben nicht um Jugendschutz, sondern um die Klickmasse
"Kinder". Die Frage ist eben nicht, kann ich da auf der Seite
eines der unzähligen Memories spielen, sondern erreiche ich
als Kind meine eigene Homepage oder auch die der Schule oder gar die
meiner Mama. Ein Memory habe ich ja schon aus Pappe und außerdem gibt
es so viele freie Software, dass ich ein viel cooleres Online-Memory
auf meine eigene Homepage setzen kann, und gut ist. Und, wenn es denn
Jugendschutz sein soll, warum finde ich dann kommerzielle, werbefreudige
Unternehmen ohne Probleme, aber ausgerechnet die staatlichen Seiten, die
sich an Kinder richten, dort weniger. Warum finde ich bei Toggo.de keine
einzige ARD-Seite und warum finde ich außerhalb von Toggo kaum einen
Toggo-Filmheld? Diese Häuser machen dann eben ihren Laden flott, nicht
aber das Internet für Kinder, was sie ein wenig mit Ausdrücken wie
"Kinderportal" zu verdecken suchen. Doch das Jugendschutz-Problem ist
ja nicht unbedingt nur auf den Seiten Einzelner, sondern vor allem
zwischen den Seiten vorhanden. Niemand baut daher ein Internet für Kinder, wenn
er dieses Problem zwischen den Seiten in seiner vollen Dezentralität
gar nicht lösen kann. Aber das klingt natürlich ganz schön in der
Werbung. Firma X baut das Internet für Kinder ganz alleine (mit
3 Praktikanten und 10 Managern ;o)
Die
freie Meinungsbildung ist für Kinder eingeschränkt zum Wohle ihrer
Entfaltung. Ist es aber zum Wohle ihrer Entfaltung, wenn ein RBB
Sandmännchen geblockt wird? Nun, das wird man natürlich tunlichst
vermeiden, denn das Sandmännchen zu blocken, ist wohl völlig daneben gegriffen. Aber, warum blockt man dann eine
Seite aus Israel? Wäre es nicht sinniger, die deutschen Kinder und die
israelischen Kinder im selben Forum schwatzen zu lassen, von uns aus
über Dragon Ball Z oder über Lego-Bauten, die man mit dem Computer
steuern kann? Es gibt in Israel auch Kinderseiten, und sogar klasse
Spiele, da muss man nicht Hebräisch können, auch wenn es nicht
unbedingt schadet, die Spiele sind auch so spielbar. Dass natürlich
dann alle Seiten es etwas schwer haben, die eben nicht so bekannt sind,
das ist der Kollateralschaden, den die Online-Industrie in Kauf nimmt,
aber ganz sicher nicht die Kinderseitenlandschaft. Dass damit
eigentlich eben nicht gerade die Völkerverständigung unterstützt
wird, die nun eigentlich durch das Internet begünstigt wurde, ist ein
weiteres Problem. Man kann halt nicht Dinge auf das Internet
übertragen, die für Bücher, PC-Spiele, Fernsehsender und andere
Einheiten gelten. Sicher kann man Werte prägen, die als Messlatte für
die einzelnen Dinge gelten, den Rest aber dann einfach zu filtern, ist
eine Katastrophe für den Kinder- und Jugendschutz im Internet.
Der
Ausgangspunkt ist daher nicht, da sei ein Internet und da
schwirren bedenkliche Inhalte herum, sondern, da sei ein Internet, da
müssen Inhalte für Kinder rein. Und diese Inhalte dürfen auf keinen fall so
ignorant zerschlagen werden, wenn man schon nicht bereit ist, das
notwendige Geld beizusteuern, das für eine solche Kultur, vor allem
kinderfreundliche Kultur, nun mal gebraucht wird. Nicht eine einfache
Filtersoftware ist daher DIE Lösung, sondern die Arbeit und der Wille
zur Vernetzung und zur Attraktivitätssteigerung. Jedes Kind, das
lieber in einer solchen Surfwelt herumklickt, ist ein Kind raus aus der
Gefahrenzone.
Auf
keinen Fall ist die Schließung und Abschirmung eines Surfraumes
Kinder- und Jugendschutz, nur um damit Geld zu verdienen und um darin
ungestört Produkterziehung zu betreiben. Es ist und bleibt
Etikettenschwindel. Messen wir doch einfach die Ernsthaftigkeit eines
"Kinderportales" an seiner Vernetzung und nicht an seinem
Design. Natürlich wäre es schön, wenn man jeder Hausfrau im Internet
einen Webdesigner finanzieren würde, klar, das macht vielleicht auch
didaktisch sinnvolle Surfwelten. Aber, es ist nicht bezahlbar offenbar
und auch nicht gewollt. Also werden wir Seiten daran messen, ob sie
eine Sache eines anderen einfach nur abgeguckt haben, oder ob sie diese
andere Kinderseite aus ihrer Misere gerettet haben, was nicht nur
billiger wäre, sondern eben auch zeigt, dass es um das Internet geht
und nicht nur um die Präsenz eines Unternehmens.
Es kann ja nicht
sein, dass ein Unternehmen sich nach vorn schiebt und alle anderen
Kinderseiten in den Schatten drängt, die dann elendig zu Grunde gehen.
Jede Kinderseite, die aufgegeben wird, ist ein Verlust der Gesellschaft
an Kinder- und Jugendschutz im Internet. Noch schlimmer wird das ganze,
wenn zwar die Redaktion aufgegeben wird, aber die Seiten jahrelang
ungepflegt im Internet als Tretminen umher dümpeln. Das wird man ganz
sicher nicht mit einem Kinderfilter kurieren können. Es werden immer
mehr tote Seiten. Also kam man auf
die Idee, eben nur die zu unterstützen, die noch ackern. Was ja nicht
doof ist, aber auch das Problem nicht so ganz löst. Es ist natürlich
viel zu viel, was da alles gerettet werden muss, aber da sehen Sie mal,
was schon alles geschaffen wurde. Vieles wurde im Internet gemacht im
Glauben, dass dies ein Stückchen Internet für Kinder sein möge.
Vieles aus anderen Gründen, sei es um da Banner einzusetzen, oder weil
man halt ein wenig HTML üben wollte. Doch das genau wird eine
Filtersoftware kaum lösen können, die ohne Sinn und Verstand die
Guten von den anderen trennt, wenn sie bereits die Guten ausblendet.
Damit
sind zwei Dogmen einfach nicht mehr zu halten
Diese
drücken sich in den Formeln
Internet
+
Filtersoftware
=
Jugendschutz
und
Internet + Filtersoftware
= Angebot für Kinder
aus.
irgendwo muss da der Faktor Arbeit rein. Sonst kann man das
einfach nicht ernst nehmen und es muss der Faktor Vernetzung
rein, denn es geht ja nicht darum, den vorhandenen Jugendschutz nun
noch mehr mit isolierten Tretminen zu durchlöchern. Also, wenn
überhaupt dann:
Filtersoftware als flankierende Maßnahme um
die Kinderseitenlandschaft herum
also:
Filtersoftware nicht
gegen
die Kinderseitenlandschaft,
sondern mit der Kinderseitenlandschaft
Das
bedeutet, wer gegen die Kinderseitenlandschaft arbeitet, muss eine gute
Erklärung haben. Erst im nachhinein sehen, dass man aber da was
übersehen hatte, ist nicht wirklich überzeugend.
Und
die Frage muss man schon beantworten können, was ist daran
Jugendschutz, die ehrenamtliche Arbeit der Blinden Kuh behindern zu
wollen? Wenn man sagt, wir wollen deren Position brechen, okay, damit
kann man wenigstens etwas anfangen. Aber, wenn man sagt, Nein, man
blockiere sie nicht, ist das eine Lüge oder man hat illegal ihre Urls
ausgelutscht. Und das gilt für alle Kinderseiten, die massenhaft Links
auf ihren Seiten haben.
Mittlerweile
geht es nicht nur um Marktvorteile, sondern auch um Medienpolitik und
Verbandsinteressen. Wer also die Kinderseitenlandschaft hier
übersieht, wird ebenfalls erklären müssen, warum diese welchen
Interessen geopfert werden muss. Sicher wird das aber die Kinderseiten
nicht überzeugen und es wird auch ganz sicher nichts mit Jugendschutz
zu tun haben.
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