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Die Piraten-Seiten der Blinden Kuh
"Gottes Freund und aller Welt Feind" - Klaas Störtebeker und die Likedeelers
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Piraten in Norddeutschland

 
   
 
Ich erzähle euch nun die Geschichte, die man sich heute noch an den Küsten der Nordmeere erzählt. Jeder erzählt sie ein klein wenig anders, aber alle erzählen von einem Seemann, der vor 600 Jahren den reichen Städten an der Nord- und Ostsee das Fürchten lehrte und den viele als den Robin Hood der Meere bezeichnen. Gegen ihn und seine Leute zogen die Städte der Hanse in den Krieg. Aber so mancher kleine Ort im Nordwesten direkt an der Küste trägt immer noch stolz die Zeichen des Störtebekers im Wappen und mitten auf dem Marktplatz steht ein kleines Denkmal, das an den einstigen Piraten erinnern soll, so wie in Marienhafe.
 

Oh nein, dies ist kein Märchen und keine dieser Geschichten, die man kleinen Kindern erzählt, damit sie endlich schlafen gehen. Nein, dies ist die Geschichte des Piraten Klaas Störtebeker und den Likedeelers.

 
Störtebeker und Gödeke Micheel,
de roveden beiden to glieken Deel,
to Water un ok to Lande,
so lang, dat et Gott van Hemmel verdrot;
do mosten se lieden grote Schande.
Störtebeker sprok: Alltohand!
De Westsee is uns wohlbekannt
Dahin wöll'n wi nu fahren,
de rieken Kooplüd van Hamborg
Mögt jem ehr Schep nu wahren
 
Mitten im Hamburger Freihafen steht eine etwa 1.50 m große Bronzestatue eines nahezu schmächtig wirkenden Mannes aus dem Mittelalter. Kühl schaut er über die Schulter, direkt hinein in das von ihm so bitter bekämpfte Hamburg. Da fragt sich ein Spaziergänger: "Wer ist denn dieser komische Kauz da auf dem kleinen Felsen, der so neckisch in die Hansestadt Hamburg hinein schaut, als wenn er noch etwas im Schilde führt?" Fast würde man ihn übersehen. Tja, aber nur fast, wäre da nicht dieser Spruch auf dem Sockel: 
"Gottes Freund und aller Welt Feind!"
cs-statue-freihafen.gif (6524 Byte)
 
   
 

Im Oktober 1375 starb der dänische König Waldemar IV. Es begann ein Streit zwischen Herzog Albrecht II von Magdeburg und Königin Margarete I von Dänemark um die Macht in Schweden. In dieser Zeit gewannen die damaligen Ostsee-Piraten Klaus Störtebeker und Michael Gödeke so langsam an Seehoheit. Kein Schiff war mehr vor ihnen sicher. Im Schutze der Königin Margarete wurden die Hanse-Schiffe angegriffen und um ihre Ladung erleichtert.

Die Hanse, ein Bund aus mehreren Städten entlang der norddeutschen Küste, zu denen Hamburg, Bremen, Rostock und Wismar zählten, schickte Söldner aus, die die Piraten fangen sollten. Doch Königin Margarete konnte die Hanse und die Seeräuber noch einmal versöhnen. Im Jahre 1386 wurde ein Friedensvertrag zwischen der Hanse und Dänemark geschlossen, und auf den Meeren war erst einmal Frieden.

 
   
 

Anfang 1389 herrschte Dänemark fast schon über ganz Schweden, nur Stockholm, eine Stadt hanseatischer Kaufleute, leistete noch Widerstand. Die Dänen versuchten Stockholm zu gewinnen, in dem sie die Stadt belagerten und so die Bevölkerung immer weniger Lebensmittel erhielt. Die mecklenburgischen Städte Rostock und Wismar stellten Kaperbriefe für alle aus, die auf eigene Faust versuchten, dem dänischen Reich zu schaden, wann immer es ging, um Stockholm zu helfen. So riefen diese Hansestädte ihre alten Feinde um Hilfe. Und diese ließen nicht lange auf sich warten. Als Verbündete, genannt die Vitalienbrüder, weil sie Lebensmittel nach Stockholm durch die dänischen Linien brachten, gelang es den Piraten, die dänische Blockade zu brechen. Stockholm war wieder frei, Königin Margarete zog ihre Truppen zurück und ein Jahr später kam es wieder einmal zum Frieden.

Eigentlich sollten sich auch die Freibeuter wieder auflösen, da der Krieg ja nun zu Ende war, aber das taten sie nicht. Auf der Insel Gotland, in deren Hauptstadt Visby, schlugen sie ihr Hauptquartier auf. In dieser Zeit waren Störtebeker und Michael Gödeke noch keine Kommandanten bei den Freibeutern, dies waren vorwiegend Adlige aus Mecklenburg.

 
   
 

Ab 1395 schienen die Seeräuber dann wieder so aktiv zu sein, dass sie nicht nur wieder Dänemark gegen sich hatten, sondern auch die Hanse und den Deutschen Ritterorden, die die preußischen Hansestädte verwalteten und der sich so langsam das Land ganz im Osten an der Ostsee einverleibte. Letztere wiederum schickten nun eine mächtige Flotte in Richtung Visby, wo die Piraten lebten. Angesichts der Übermacht flüchteten oder ergaben sich die Piraten. Störtebeker und Gödecke zogen an die Nordsee, während andere sich nach Finnland aufmachten.

 
   
 

Störtebekerdenkmal in MarienhafeAn der Nordsee leb(t)en die Friesen und die waren auch mit der Hanse auf Kriegsfuß, so dass die Friesen die Piraten mit offenen Armen begrüßten. Zumal die Friesen sich auch untereinander bekämpften und so jeder Friesenstamm für sich seine Piraten dann zur Hilfe gegen den anderen Stamm hatte. In der kleinen "Hafenstadt" Marienhafe ließ sich ein Großteil der Piraten nieder. Marienhafe ist ein wenig putzig, denn heutzutage ist da gar kein Meer mehr. Eine Sturmflut machte Marienhafe damals zur Nordseestadt. Marienhafe war eine der wichtigsten Städte der Friesen. Das Land selbst heißt Brookmerland ("Von der See abgebrochen") und der damalige Friesenhäuptling hieß Witzel tom Brook. Übrigens, kein Ort in Norddeutschland ist so stolz auf seinen Störtebeker wie dieses Marienhafe. Dort steht das größte Denkmal und dort gibt es ein echtes Störtebekermuseum.

Die Piraten nannten sich Likedeelers, was so viel heißt wie zu gleichen Teilen teilen. Geteilt wurde natürlich die Briese, also das, was beim Kapern der Schiffe den Piraten so in die Hände fiel. Und das wiederum wurde auf dem Markt von Marienhafe verscherbelt oder einfach so mit den Friesen geteilt. Die Friesen sahen in den Piraten keine Seeräuber, sondern Verbündete gegen die Hanse, mit der sie so manche kriegerische Streiterei ausfochten.

 
   
 

Anfang 1400 holte die Hanse zum großen Schlag gegen die Küstenhäuptlinge der Friesen und die Piraten aus. Michael Gödeke floh mit seinen Leuten nach Norwegen und Störtebeker konnte Zuflucht bei Albrecht von Holland finden. Die Hanse erzwang mit den Friesen einen Frieden und diese mussten versprechen, nie wieder die Piraten aufzunehmen.

Schiffe der HanseDas ließ Klaus Störtebeker nicht auf sich sitzen. König Albrecht schrieb ihm einen neuen Kaperbrief aus, und nun war Störtebeker wieder unterwegs gegen die Hanse, diesmal für Holland. Doch es war ein Holländer, der Störtebeker einen Strich durch die Rechnung machte. Simon van Utrecht stiftete der Hanse die beiden modernsten Kriegsschiffe der damaligen Zeit. Das eine hieß übrigens "Bunte Kuh". Das Schiff von Störtebeker hieß "Roter Teufel".

Bei dem Kampf vor Helgoland gelang es dann der Hanse, Klaus Störtebeker gefangen zu nehmen. Natürlich wollen echte Störtebeker-Fans nicht so ganz glauben, dass das damals  ehrenhaft vonstatten ging. So soll ein Gefolgsmann der Hanse, als Blankeneser Fischer verkleidet, flüssiges Blei in das Ruder des Roten Teufels gegossen haben. Wie dem auch sei, Störtebeker war gefangen.

 
   
 

Soll das etwas Störtebeker sein???Am 20. Oktober 1401 sollten 70 Mannen in Hamburg geköpft werden, darunter Störtebeker. Doch, so die Legende, Störtebeker wurde gestattet, dass alle die Männer überleben durften, an denen er nach seiner Enthauptung noch vorbeigehen kann. An elf seiner Männer schritt Störtebeker dann vorbei, bis ihm der Henker seinen Richtblock vor die Beine warf.

Einige Monate später erwischten die hanseatischen Soldaten auch Michael Gödeke. Ihn und seine Leute brachte man ebenfalls nach Hamburg und auch sie wurden hingerichtet.

Doch die Likedeelers lebten weiter. Zusammen mit den Friesen machten sie den Hamburgern und der Hanse noch ordentlich zu schaffen. Erst 1433 wird Emden, die friesische Stadt und Hauptquartier der Piraten, von der Hanse eingenommen.

Im Museum für Hamburgische Geschichte sind einige Schädel der Piraten ausgestellt. Fraglich ist, ob da auch der von Störtebeker dabei ist.

 
   
 

Na ja, aber so ganz sind sie nun doch nicht ausgestorben. Im Stadion des FC St. Pauli wehen heute die Piratenflaggen der Fans und so mancher friesische Rocker schreibt immer noch "LIKEDEELER" auf seine Lederjacke. Überhaupt, der Mythos um Störtebeker lebt weiter, während die Namen der Hanse schon längst vergessen sind. Zwar nennt sich alles mögliche heute zwar noch "Hansa", aber es nennt sich eben auch einiges "Störtebeker".

So, das war die Geschichte, die ich euch erzählen wollte. Und nun wisst ihr auch, warum der kleine Bronzemann da oben so neckisch auf die Stadt Hamburg schaut. 

Gegen die war er nämlich schon mal gesegelt.

 
   
 

Und nicht vergessen: Immer mal wieder ein Auge zudrücken:

weren Godes vrende
unde al der werlt vyande
Diese Fahnen kamen aber erst später auf ;o)
 
   
 
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