|
Okay, Philosophen sind irgendwie
unbeliebt. Sie passen nicht so richtig in die Welt. Und philosophierende
Menschen hält man für etwas abgedreht. Doch dies zu Unrecht, oder besser aus
Selbstschutz. Natürlich werden alle Leute um einen herum alles tun, um dieses
Denken einzudämmen. Denn das Ziel dieser suchenden Gedanken ist nichts anderes, hatte ich ja
oben schon gesagt, als eine Neuordnung der Welt zu planen und ernsthaft
vorzunehmen, damit dann auch ihre Welt. Und dann passiert es, sie werden einen
nicht mehr verstehen.
"Warum nur musst du immer alles
bezweifeln? Warum willst du die Welt verändern? Es ist doch alles in bester
Ordnung, so wie es ist? Wir waren doch früher einmal so glücklich. (schluchs)".
oder eben die harte Nummer:
"Wenn du hier mitspielen willst, musst
du dich schon irgendwie unterordnen und die Regeln einhalten."
Aber, etwas ist
neu dazugekommen in diese scheinbar heile Welt. Etwas, womit niemand
gerechnet hat. Ein neues denkendes Wesen, also, du. Und das beginnt mit einem
Satz, den du den Leuten an den Kopf wirfst, an dessen Anfang das Zauberwort
steht:
"Ich ..." (Ich war nichts, jetzt bin ich da!)
"... bin keine Sache
mehr, nichts was man irgendwie irgendwo hinschieben kann wie man lustig ist. Ich
bin auch ein Mensch! Ich bin selbst meines Glückes Schmied."
Und auf einmal stehst du im
Mittelpunkt der Welt. Du bestimmst jetzt, was für dich wichtig ist und was
nicht, was du in deiner Nähe haben willst und was dir fern liegt. Du ordnest jetzt deine Welt, bis zum Ende deiner Tage. Du verlangst deine
Freiheit. Aber beachte, deine Freiheit ist nur so groß, wie die Freiheit all
derer, die um dich sind. Du bist ja kein Gott, sondern nur ein Mensch. Du bist
kein besonderer Mensch, nur einzigartig, und genau darin allen Menschen gleich.
Und wenn ihr euch um die Gesetze in der Welt streitet, müsst ihr euch irgendwie
einigen können. Den anderen aus der Welt zu werfen oder gar selbst zu gehen,
ist keine so schlaue Idee. Der Umgang miteinander schafft neue Regeln und Ideen,
die man Moral nennt und wenn man das etwas größer denkt, so hat man
schon die Ethik. Von ihr hängt es ab, wie viel Platz in deiner Welt für
alle Menschen ist. Wenn der einzige Mensch in deiner Welt du bist, ist das ja
ein bisschen wenig. So wirst du lernen, nicht das Gleiche an anderen Menschen
nur zu schätzen, sondern wahre Meister erkennt man daran, wie sie mit der
Verschiedenheit der Menschen zu leben verstehen. Jedenfalls kann die Welt nicht
schwarz-weiß sein, sondern sie ist bunt.
"Wir sind so verschieden" ist kein Problem, sondern nur der Anfang.
Das die Menschen nicht alle so sind wie du, das weißt du ja schon, denn du bist
ja einzigartig.
Lustig, genauso fängt das
Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland an: "Die Würde des Menschen ist
unantastbar. Sie zu achten und zu schützen, ist die Verpflichtung aller
staatlichen Gewalt." und das ist bestimmt kein Zufall. So meint dieses
Land, so nur, auf dieser Grundlage eben, kann man auch einen Staat bauen.
Ist das etwa der Grund, warum
die Jugend so rebellisch ist?
Der französische Philosoph, Albert
Camus, drückte es einmal so in etwa aus. Es geht nicht darum, eine Ordnung
zu stürzen, weil man sich das Chaos erwünscht. Der Kampf gegen eine Ordnung
erflogt nur, weil man meint, eine bessere Ordnung zu haben. Es ist keine
Rebellion, in der man eine verloren gegangene Ordnung der Dinge wieder zurück
erobern möchte. Der Mensch ist in der Revolte, er ordnet die Dinge neu. Nur das
macht ihn zum handelnden Wesen und nicht zum Gegenstand einer fremden Ordnung
anderer Menschen. Nun, die französischen Philosophen sind etwas fetziger, als
die deutschen Philosophen. Aber okay.
Nicht Wissen ist es, was
Philosophen ruhen lässt, sondern die Antworten auf das
"Warum ist es so, wie du sagst? Warum
ist es so, wie es angeblich ist? Warum soll man die Welt nicht ändern?".
Er will die Welt nicht nur begreifen,
sondern sie auch notfalls ändern. So hat jede Revolution in der
Menschheitsgeschichte ihre Philosophen. Meist können diese aber nichts für die
Revolution und manchmal passen die auch nicht so richtig zu der Revolution, die
sie zu "Denkern" auf den Marmor-Sockel hebt.
Aber nicht nur
Revolutionen haben ihre Philosophen.
Das Problemchen mit der Ordnung der
Dinge kannst du
schon im nächstbesten Liebeskummer haben. Sei dann lieber froh, wenn es dich
dann ereilt, besser als wenn es dich als alter Mensch erst erwischt. Denn dann
ist dein Leben ja so gut wie vorbei. Das ist nämlich die philosophischste
Zeit der Menschen. Zu keiner anderen Zeit wie in der Pupertät müssen
Jugendliche soviel neu die Welt bedenken. Alles werden sie hinterfragen, alles
werden sie neu erdenken, vieles davon genauso wie die Jugendlichen zu Zeiten der
Pharonen im alten Ägypten und schon zu Zeiten deren Großeltern. Philosophieren
ist somit ein Teil der Menschwerdung, damals, heute und auch morgen. Man kann
alles neu machen, wenn man Spaß daran hat, oder man kann aus dem lernen, was
sich andere schon zusammengesponnen haben. Entweder von seinen Freunden, seinen
Eltern, anderen Leuten oder von den uralt verstaubten Philosophen. Das ist ja
das Schöne. Philosophie ist das Gut der gesamten Menschheit, wie man in meinem
kleinen Philosophie-Aufsatz ja auch sehen kann, egal von wem, von wann und von
wo.
Es geht ja nicht um nur eine
neue Ordnung der Dinge, sondern es geht darum, überhaupt irgendeine Ordnung zu
haben, in
der man leben kann. Und weil die Menschheit eben nichts, oder sagen wir mal nicht
alles weiß, weil ihre neuen Annahmen von der Welt schon morgen verworfen werden
können, nicht selten in der Menschheitsgeschichte sogar von ihren eigenen
Kindern, wird irgendwer aus ihrem Kreis auch immer philosophieren.
Ob du, ich oder jemand ganz
anderes.
Das ist Philosophie! Oder
ist sie es doch nicht?
Und wenn du dich fragst: Wieso?
Das kann doch gar nicht alles sein. Also, Philosophie ist doch ... Dann sage ich
dir: Genau, du hast mich verstanden, dann
bist du selbst mitten drin im Philosophieren.
"Ich denke, also bin ich." - René Descartes
Der deutsche Philosoph, Immanuel
Kant, meinte, man kann Philosophie nicht lernen:
"..
denn wo ist sie, wer hat sie im Besitze, und woran lässt sie sich erkennen?
Man kann nur philosophieren lernen."
Am einfachsten kannst du das
Philosophieren lernen, indem du über die Dinge und Leute nachdenkst, die dich
umgeben. Kleiner Tipp, über manches, sicherlich nicht alles, hat eben auch
schon mal wer anderes nachgedacht. Vielleicht sogar schon vor über 2000 Jahren.
Plato meint dazu noch
"Wartest du auf
eine Gelegenheit zum Philosophieren, so hast du sie schon verpasst." - Na ja. Kommt ja mal wieder eine
;o)
Und zum Schluss eben noch ein
voll fetter Tipp von Johann Wolfgang Goethe:
"Nichts ist gefährlicher für die
neue Wahrheit als der alte Irrtum."
von einem unbekannten Autor
stammte ein weiterer Lösungsansatz:
"Und
wer des Lebens Unverstand mit Wehmut will genießen,
der lehne sich an eine Wand und strample mit den Füßen"
Hamburg, 14.10.2002 - Stefan
R. Müller
Vita: Stefan R. Mueller
studierte an der Universität von Hamburg Philosophie. Er wurde aber von Beruf
Softwareentwickler, arbeitete beim Norddeutschen Rundfunk und bei verschiedenen
großen Suchmaschinen. Zusammen mit Birgit Bachmann baute er die erste
deutschsprachige Suchmaschine für Kinder, die Blinde Kuh. Eigentlich war es
vorher eine Suchmaschine für Philosophie-Seiten. So war die Blinde Kuh als
erstes dann im Philosophien Institut der Universität Wien im Februar 1997
gestartet. Unseren Dank heute noch einem echten Philosophen: Prof. Dr. Herbert
Hrachovec. Die Kinder-Post, das Forum der Blinden Kuh startete Mitte 1996 am
Philosophischen Seminar der Universität Hamburg, auf dem Server Minerva der
Gruppe PhilNet.
|