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Die Kelten-Seiten der Blinden Kuh
Die Geschichte der Kelten schrieben die Griechen und Römer aus ihrer Sicht.
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 Allgemeines 
 
Geschichte(n) rund um die Kelten

Bevor sich die Römer um das Mittelmeer herum ausbreiteten, besiedelten die Kelten vor allem den Norden Europas bis runter in den Westen nach Spanien und in den Osten nach Anatolien. Zum ersten Mal erwähnt werden die Kelten im 6. Jh. v. Chr. Den Namen "Kelten", genauer eigentlich "keltoi", gaben ihnen die Griechen. Das bedeutet so viel wie "Die Erhabenen" und "Die Tapferen". Die Römer nannten sie später "celtae" und "galli", das uns ja bestens aus den Asterix-Heften bekannt sein dürfte - Die Gallier. Ihr Stammland muss so in Westfrankreich und Südwestdeutschland gelegen haben, von dem aus sie sich seit dem 5. Jh. v. Chr. ausdehnten.

So ganz genau kann man aber nicht sagen, wer sie waren. Sie hatten zwar nahezu die gleiche Sprache und viele kulturelle Gemeinsamkeiten, aber das war es dann schon. Es gab nie ein keltisches Reich oder einen keltischen Staat. Dafür gab es aber Stämme mit Fürsten bzw. Häuptlingen und in ihren Sagen ist auch von Königen die Rede. Diese Stämme waren untereinander nicht gerade selten zerstritten. So dienten Kelten im Heer der Römer und im Heer der Karthager, als Hannibal mit den Elefanten die Alpen überschritt. Sie waren gern Söldner für jeden, der sie anständig bezahlte. Und darin verstanden die keinen Spaß. So verloren die Karthager gegen die Römer, weil es den Römern gelang, den keltischen Söldnern mehr Gold anzubieten als die Karthager. Wer nicht ordentlich zahlte, hatte eben keine keltischen Söldner mehr. Allgemein galten sie als ein sehr trinkfreudiges und wohl auch kriegerisches Völkchen, das bei jeder Rauferei in der Antike gern dabei war, wenn dabei etwas Gold zu holen war. So jedenfalls steht es in den Überlieferungen der Griechen und Römer oft geschrieben. 

 
Im heutigen Italien 
 
Wehe dem Besiegten! Die Zerstörung Roms

Ja, so ähnlich muss das gewesen sein, als ein paar keltische Jugendliche 387 v. Chr. sich sagten, warum gehen wir denn nicht mal dahin, wo das Leben tobt, also dahin, wo auch die Schätze sind? Warum ziehen wir nicht in den reichen Süden Italiens und besuchen einfach mal die Römer? Schließlich hatten die Römer kurz vorher in einer Schlacht die Kelten besiegt und das konnte man ja nicht auf sich sitzen lassen. Es kam, wie es kommen musste. Der Hand voll entschlossener Krieger schlossen sich weitere Krieger an, es wurden immer mehr. Und dann standen sie bald auch vor den Toren Roms. Die Römer sind natürlich schlauerweise schon mal auf den Berg geflüchtet. Nur ein paar Alte blieben. Die Kelten bestaunten die Marmorstatuen der römischen Götter. Brennus, der Anführer, fragte dann gleich die römischen Alten: "Was sind denn das für Leute?" "Unsere Götter!", antwortete einer von den Alten. "Das sollen eure Götter sein?" Brennus nahm sein Schwert und zerschlug kurzerhand die römischen Statuen. Er lachte sich eins. Götter aus Stein, tze. So etwas kannten die Kelten nicht. Sie hatten viel Erfurcht vor ihren Göttern. Ihre Götter waren echt und daher nicht aus Stein. Die Kelten belagerten Rom. Die Römer gaben mit der Zeit auf und wollten nur noch, dass die Kelten wieder verschwinden. Diese aber forderten Lösegeld für die Stadt. Brennus soll mit falschen Gewichten das Lösegeld abgewogen haben. Als die Römer dagegen protestierten, warf er noch sein Schwert mit in die Waagschale und rief "Vae victis!", was auf Deutsch so viel heißt wie "Wehe dem Besiegten!". An den Spruch sollten die Römer sich noch lange erinnern. Wären die Kelten in Rom geblieben, hätte es das Römische Reich wahrscheinlich gar nicht gegeben, so wie auch schon die Etrusker im Norden Italiens aufhörten zu existieren. Die Römer nahmen sich vor, sich nie wieder von den Kelten erobern zu lassen, was ihnen auch gelang. Allerdings wurden sie von anderen barbarischen Stämmen dann doch wieder erobert, knapp 700 Jahre später von den Germanen.

 
Im heutigen Griechenland und der Türkei 
 
Die Galater, Delphi und Ankyra

Um 278 v. Chr. griffen die Kelten im Osten Europas an. Diesmal ging es gegen Griechenland. Anfangs wurden sie von den Griechen ins Land gerufen. Nun aber war das hellenische Reich zerfallen. Die Kelten fühlten sich offenbar von einigen griechischen Fürsten betrogen. Es kam mal wieder zur typisch keltischen Keilerei und schon wieder hieß der Heerführer der Kelten "Brennus". Fast wäre Delphi, die alte griechische Stadt des Orakels, in die Hände der Kelten gefallen. Obwohl die Griechen den Kelten schwer zusetzten, konnten sie die Kelten nicht besiegen, nur verdrängen. Statt dass die Kelten dann wieder zurück in das keltische Gebiet gingen, zogen sie einfach weiter nach Süden ins heutige Anatolien. Dort sind die natürlich auch mehrmals durch ihre Raubzüge unangenehm aufgefallen. Aber anders als die westlichen Kelten waren die Galater weitaus organisierter. Als Galatien zur römischen Provinz 25 v. Chr. wurde, war es bereits ein eigener Staat. Die heutige Hauptstadt der Türkei, Ankara (Ankyra), wurde seinerzeit von den Kelten gegründet. Die Galater waren übrigens auch die ersten nicht-jüdischen Christen, lange bevor das Christentum nach Rom kam. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

 
Im heutigen Frankreich 
 
Vercingetorix und der gallische Krieg 

Julius Cäsar führte die Römer 300 Jahre nach der Zerstörung Roms durch Brennus, 58-52 v. Chr., noch einmal gegen die Kelten. Er schrieb sogar ein Buch darüber, das die Latein-Schüler im Unterricht noch heute durchnehmen: "Bellum Gallicum" oder auf Deutsch: "Der Gallische Krieg". 

In der letzten Schlacht bei Alesia konnte er dann die Gallier unter der Führung des Vercingetorix nach langer Belagerung schließlich besiegen. Vercingetorix war schon bei den Galliern ein Volksheld, da er den Römern ordentlich Widerstand leistete und der ihnen auch das Fürchten lehrte. Er blieb es auch für die heutigen Franzosen und ist das Vorbild von der berühmten Comic-Figur Asterix, dem Gallier. Mit der Niederlage der Gallier erstarkte Rom und sollte zu einer Weltmacht anwachsen, die später den gesamten Mittelmeerraum beherrschte.


Lionel-Noël Royer (1899) : Vercingetorix wirft seine Waffen Cäsar zu Füßen

 
Im heutigen Großbritannien
 
Boudicca und die letzte keltische Revolte

Caligula, der 4. Cäsar in Rom, behauptete, dass er Britannien erobert hätte. Doch das war unter uns gesagt nur Prahlerei. Als er die römischen Legionen zum Einschiffen für die Überfahrt nach Britannien befahl, sind die meisten aus Angst gar nicht erst erschienen. Wovor hatten sie eigentlich Angst? Dies beschrieb einmal ein römischer Feldherr anlässlich der Eroberung der britischen Insel Isle of Man. Es waren die keltischen Frauen, die die Römer am meisten fürchteten. 

Eine davon sollte um 60 n. Chr. noch einmal die Kelten gegen Rom anführen, die Kriegerkönigin Boudicca. Sie rief alle Budecca und ihre beiden Töchter barbarischen Völker, die Picten im Norden Britanniens, die Scoten in Irland und sogar die Germanen im Osten auf, die Römer wieder zurück in ihr Rom zu schicken und das römische Weltreich zu zerstören. Fast gelang ihr das auch. Sie konnte die Römer tatsächlich aus Britannien zurückdrängen.

Doch das mit den Germanen war keine gute Idee, denn nebst Römern und Griechen waren auch die Germanen nicht gerade Freunde der Kelten, obwohl die eigentlich ja auch irgendwie ein wenig keltische Kultur hatten. Aber die Germanen waren eben nie selbst Kelten. 

 
      
 
Das Ende der Kelten

Die Ausdehnung der Germanen vom Nordosten Europas her nach Westen und die Ausbreitung des römischen Reiches vom Süden her ließen das keltische Gebiet immer kleiner werden. Bis es ganz aufhörte zu existieren. Nur in Irland und Wales konnten die Kelten sich noch etwas behaupten, aber nach den Römern kamen die Germanen und mit ihnen kam das Christentum, und da zum Kelte-Sein eben auch keltische Lebensgewohnheiten gehörten, die aber gar nicht mit dem Christentum zusammenpassten, war es nur noch eine Frage der Zeit.

Es ist viel geblieben von den Kelten. In Irland und Wales spricht man noch Gälisch. In Frankreich kräht stolz das nationale Symbol, der gallische Hahn. Und von den keltischen Schiffen übernahm man die Galionsfiguren, die bei den Kelten eigentlich keine Figuren waren, sondern Druiden, die die Geister des Meeres und Windes beschworen. Auch der Wein wird immer noch gekeltert und vieles, was man im Mittelalter unter Hexenkult verstand, war eigentlich nichts anderes als keltische Bräuche, wie z.B. die Sache mit den Heilkräutern. 

Und so barbarisch waren die Kelten eigentlich auch nicht, wie sie die Römer und Griechen beschrieben. Die Griechen meinten mit "barbarisch" ursprünglich auch nichts anderes als "nicht griechisch sprechen". Immerhin lernten die Kelten von den anderen Völkern, wo sie nur konnten, z.B. wie man mit Eisen und Bronze umgeht. Und viele dieser alten keltischen Siedlungen gibt es noch heute, wie etwa Paris oder Ankara.

Doch die Kelten waren in dem Sinne eigentlich kein Volk, sondern Mitglieder einer Kultur. Wer sich dieser Kultur anschloss, war ebenso Kelte.

Aber davon erzähle ich dir im nächsten Kapitel: Die keltische Kultur

 

 
      
 
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Rechtschreibung korrigiert von Mina Tümer Berger