und
jetzt noch eine kleine Leseprobe aus: No
Jungs! - Zwei allerbeste Feindinnen
...Lissi und Tinka gingen dicht nebeneinander. Ihre Schultern berührten sich, aber
es schien sie diesmal nicht zu stören. Tinka hatte den Kopf eingezogen, Lissi
hingegen hatte sich aufgeplustert wie ein Vogel, der einen Gegner abschrecken
wollte.
Die Blicke der Mädchen wanderten ständig nach allen Seiten. War da etwas?
Beobachtete sie jemand? Lauerte eine Gefahr? Unter ihren Schuhen knirschte der Kies. Raschelte ein Blatt, drehten sie sofort
die Köpfe in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Meter für Meter legten sie zurück.
Sie schienen sich in einem ganz normalen Garten zu befinden. Es gab keine
starrenden Blicke. Keine unsichtbaren Tiere. Keine Frau Schicketanz, die mit
Leuten oder Wesen sprach, die nirgendwo zu sehen waren. Auch das Haus wirkte verlassen und still. Kein Rauch aus dem Schornstein, die
Fensterläden im oberen Stockwerk geschlossen. Ebenso die mächtige Tür.
"Was ist ein Folfonia-Schlüssel?", fragte Tinka flüsternd.
"Woher soll ich das wissen?", brummte Lissi ungehalten. Tinka biss sich auf die
Zunge. Wozu nur hatte sie gefragt? "Ins Haus kommen wir nie hinein", entschlüpfte es Lissi.
"Alte Schwarzseherin", schimpfte Tinka. Sie trat an die schwere rote Holztür
und betrachtete sie prüfend. Es gab weder Klinke noch Schloss, nur einen dicken
schwarzen Eisenring, der in Augenhöhe in der Mitte der Tür angebracht war.
"Aufmachen!", rief Lissi und trommelte mit den Fäusten gegen das Holz. Ihre
Schläge hallten im Haus, als läge hinter der Tür eine riesige Halle.
"Aufmachen!" Die Tür bewegte sich keinen Millimeter. Lissi legte eine kurze Pause ein, sammelte neue Kräfte und setzte das Trommeln
dann fort. Als es nichts nützte, versuchte sie mit den Fingern die Eisenbänder
zu greifen und daran zu ziehen. Es brachte nichts.
Schließlich fiel ihr noch der Eisenring auf. Er war beweglich in einer Schlinge
befestigt und ließ sich anheben. Heftig ließ sie ihn auf das Holz niederfallen.
Aber auch dieses Klopfen nützte nichts.
"Da kommen wir nicht rein", wiederholte Lissi.
Tinka strich sich das Haar hinters Ohr. "Irgendwie muss es funktionieren."
Lissi machte mit der Hand eine lässige, einladende Bewegung auf die Tür. "Na,
dann probier es doch du!"
In Tinka erwachte der Ehrgeiz es zu schaffen. Sie erinnerte sich an die Tafel
am Gartentor. Statt zu klingeln, genügte es, Frau Schicketanz freundliche
Gedanken zu schicken. Also stellte sie sich vor die Tür und dachte: "Könntest du
bitte aufgehen, wir sollen hier einen Schlüssel finden und dazu müssten wir ins
Haus."
Mit einem lang gezogenen, seufzenden Knarren schwenkte die Tür auf. Aus der
Diele kam das Funkeln der Kristalle.
Lissi blieb der Mund vor Staunen offen. "Wie hast du das gemacht?", wollte sie
wissen. Ein triumphierendes Lächeln huschte über Tinkas Gesicht. Sie zuckte mit den
Schultern und sagte locker: "War nicht schwierig. Ich habe die Tür einfach
gebeten, uns reinzulassen."
Es war für Lissi unmöglich, ihre Überraschung zu verbergen. Seite an Seite
betraten sie das Haus und blieben knapp hinter der Tür stehen. Beiden ging die
gleiche Frage durch den Kopf: "Wo sollte sich dieser Schlüssel befinden? Und wie
sah er wohl aus?"
Die Tür zu dem Zimmer mit den Bücherstapeln stand halb offen. Tinka ging
vorsichtig näher und öffnete sie bis zum Anschlag. Lissi warf einen Blick in den
Raum und lächelte: "Gefällt mir", sagte sie, als sie das Durcheinander sah.
"Frau Schicketanz hat mir einiges gesagt", erinnerte sich Tinka. "Dass es so
vieles gibt, was man irgendwann wissen muss." In der Atmosphäre des Hauses
kehrte ihre Erinnerung zurück. Die alte Frau hatte ihr angekündigt, bald nicht
mehr da zu sein. Außerdem hatte sie schon damals gesagt, dass sie die beiden
Mädchen "herbeigehext" hatte. Und noch etwas war da gewesen, das mit Stolpern zu
tun hatte. Tinka würde alles bekommen, was sie brauchte, ja geradezu darüber
stolpern.
Was hatte sie damit gemeint?... |