Die Blinde Kuh - Suchmaschine für Kinder
Die Suchmaschine für Kinder - ©1997 Birgit Bachmann und Stefan R. Müller
Informationen zur Blinden Kuh : Förderung der Blinden Kuh
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Hamburg, 6.12.2002 
Ein Internet-Weihnachtsmärchen
Alles wird wieder gut

 

 

Förderung der Blinden Kuh durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Seit 1996 tuckert die Blinde Kuh mit eigentlich Nichts in den Händen durch das Internet und wurde europaweit zu einer der größten Anlaufstellen und Navigationshilfen für die Kinder im Internet.

Das hatte ein kleines Problem erzeugt. Jedes Kind ist ja lieb und nett, gar keine Frage und die Blinde Kuh freut sich, wenn sie jedes dieser Kinder ein klein wenig weiterhelfen konnte in seinem Internet-Alltag. Doch jedes Kind erhält eine Webseite auf Anfrage durch den Mäuseklick oder die Eingabe eines Suchwortes in der Suchmaschine. Jede dieser Webseiten muss über das Netz von Computer zu Computer transportiert werden, irgendwie und irgendwo auf der Datenautobahn. Dieser Transfer kostet Geld. Bei einer normalen Homepage holt man sich dann bei einem Provider ein Service-Paket und darin sind auch die Kosten des sogenannten Traffics enthalten. Aber, das Problem ist, was ist eigentlich, wenn eine Homepage erfolgreich ist, also zig Tausend Besuchern pro Tag Webseiten ausliefern soll? Dann kostet ein solches Paket schon schnell recht viel Geld, im Falle der Blinden Kuh waren das im Jahr 2002 monatlich um die 3000 Euros. (Die Zugriffe allein im Monat November lagen bei über 4 Millionen, damit kam die Blinde Kuh an ein monatliches Transfervolumen von nahezu 200 GigaByte).

Es gab nur eine Möglichkeit. Werbung als Gegenfinanzierung, was irgendwie nicht Sinn der Sache sein kann, da die Werbung, die sich anbot alles andere als für Kinder sinnvoll erschien, oder Sponsoring durch größere oder gern auch kleinere Unternehmen. Das klappte ja auch meist. Zu nennen sind da zum Beispiel die damalige große Suchmaschine Infoseek in Hamburg. Als sie Ende 2001 aufgelöst wurde, nicht weil sie insolvent war, sie hatte ja schwarze Zahlen, hatte sie der Blinden Kuh als Ausgleich einen ganzen Server geschenkt, und was für einen. Aber, ein Server allein, ist ja kein Internet. Ein Netz musste her. Der Hamburger Netzanbieter Ision hörte von der Problematik der kleinen Blinden Kuh und sagte: "Ja wenn wir eines haben, dann sind es Netze." Ohne irgendetwas zu verlangen, übernahm die Ision alle Traffic- und Housing-Kosten (Housing bedeutet, dass der Server dort stehen kann und regelmäßig auch nach dem rechten geschaut wird). Und ganz ehrlich, der Server der Blinden Kuh (kuh-dorf) fühlte sich da auch ganz wohl, sind doch dort auch die Server größerer Unternehmen untergebracht, die natürlich eine supergute Netzanbindung brauchen, sonst schimpfen deren Kunden. Doch, auch der Ision ging es mit der Online-Krise eigentlich nicht so gut. Sie hatte nie über die Blinde Kuh geklagt, sondern sich immer lieb um sie gekümmert, aber gegen Ende 2002 lief nun mal das Sponsoring so langsam aus.

Für die Blinde Kuh kam nun der Zeitpunkt der Entscheidung, weiterhin ehrenamtlich und mit solchen Schwierigkeiten wie die Grundversorgung des Betriebes zu arbeiten, während nicht wenige millionenschwere KidsPortale völlig ignorant zu Wasser gelassen wurden und auch elendig absoffen, oder mal laut zu fragen, ja Leute, wollt ihr nun eine Blinde Kuh, oder wollt ihr sie nicht. Wenn ja, dann lasst uns mal zusammen etwas einfallen, wie wir die eigentlich bezahlen wollen. So versuchten viele Leute auf politischen aber auch auf unternehmerischen Ebenen, irgendwelche Lösungen aus den Ärmeln zu zaubern. Doch, es sah eher böse aus. Viele wollten, kaum einer konnte wirklich helfen. Immerhin haben wir ja auch eine kleine Wirtschaftskrise. Und die deadline rückte erbarmungslos näher.

In letzter Sekunde kam dann ein Zeichen aus dem Bundesministerium für Frauen, Senioren, Familie und Jugend. Zum erstenmal eigentlich in der Geschichte der deutschsprachigen Kinderseitenlandschaft "griff" der Staat, wenn man so will, ein. Die Blinde Kuh sollte gerettet werden, bildet sie doch einen der großen Standpfeiler des Jugendschutzes im deutschsprachigen Internet. Darauf machte unter anderem Jugendschutz.net schon seit Jahren aufmerksam, gerade im Hinblick darauf, dass sogenannte Filtersoftware nun mal weniger halten, als deren Manager versprechen und wenn, dann auch allein niemals ein attraktives Internet für Kinder bieten können. Die Hauptenergie im deutschsprachigen Internet im Bereich Kinderseiten geht nun mal eher von privat engagierten Leuten aus, die man auf keinen fall im Stich lassen sollte. Die trügerisch kunterbunten blinkenden Seiten einiger Anbieter aus dem Industrie-Bereich täuschen ein Wohlstand im Internet der Kinder vor, der so gar nicht wirklich existiert. So wurde die Blinde Kuh bereits vor Jahren schon mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als erstes Internet-Projekt überhaupt mit dem Deutschen Kinderkulturpreis. Aber, die Blinde Kuh hatte eigentlich schon sämtliche Empfehlungen und Auszeichnungen, dennoch schwebte sie permanent in der Gefahr, unter der Last ihres eigenen Erfolges zusammenzubrechen, während bei teuren Webprojekten eher das Problem bestand, dass dort die Kinder wegliefen oder diese Seiten nie erreichten. Die Situation war paradox. In den Aufklärungskampagnen "Internet und Kinder" wurden Eltern, Lehrer und Erzieher immer wieder die Blinde Kuh als die Startadresse schlechthin empfohlen. Immer mehr Grundschulen wählten die Blinde Kuh für den aktiven Unterricht. Doch kaum einer ahnte, dass es sich hier eben nicht um einen großen Fernsehsender oder um ein staatliches Projekt handelte.

Die Lage hatte sich zugespitzt. Auf der einen Seite wurde dazu angeraten, Eigeninitiative zu zeigen, auf der anderen Seite aber schien sich Arbeit für die Kinder im Netz nicht zu lohnen. Eher im Gegenteil. Für viele ehrenamtliche Betreiber von Kinderseiten machte das wenig Hoffnung, was kein gutes Zeichen sein kann, ist doch das Internet gerade auf deren Engagement und Liebe zum Detail für die Kinder im Netz angewiesen.

Es wurde von der EU bereits, aber auch von Bund und Ländern in Deutschland sowie eigentlich auch in der Schweiz und in Österreich immer wieder gefordert, Initiativen zu bewegen, das Angebot für Kinder attraktiv zu gestalten und zu mehren um so einen Ausgleich zu der Welt der Erwachsenen zu erzeugen, damit die Kinder sich ihre Sachen eben nicht von Seiten holen, die einfach für sie nicht gedacht und auch nicht geeignet sind. Gleichzeitig drohte eins der Schlachtschiffe der deutschsprachigen Kinderseitenlandschaft zu kentern.

Fast 6 Jahre lang zeigte die Blinde Kuh, dass sie durchaus hätte kommerziell werden können, aber darauf komplett verzichtet. Sie wollte nur ein Modell sein und auch bleiben, andere sollten es besser machen als sie und dann würde sie auch ihre Segel streichen und die Gewässer verlassen. So etwas macht man einfach auch nicht als eine Hand voll privat engagierter Leute, so etwas macht man eher professionell. Mit der Abgabe ihres Knowhows an die damalige Suchmaschine Infoseek, sowie vorher schon an anderen großen Suchmaschinen, zeigte die Blinde Kuh, dass sie durchaus auch bereit ist, mit großen und kleinen Unternehmen zu kooperieren, aber nur unter der Bedingung, dass die Kinder nicht mit Tricks der Unterhaltungsindustrie wie leider auf anderen Seiten und im Fernsehen getäuscht werden. In diesem Sinne entstand nach dem Vorbild der Blinden Kuh die Suchmaschine milkmoon.de (Noch immer lebt hier eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen beiden Teams). Anfang 2002 versuchte eine Hand voll Leute, Milkmoon zu retten. Aber es schien aussichtslos. Mittelständische Unternehmen begrüßten die Initiative ebenso wie privat betriebene Angebote. Milkmoon, das nicht mehr die Erblasten beinhaltete, hätte die Blinde Kuh professionell ablösen können.

Doch, jetzt war Online-Krise. Innovative Unternehmen mussten ebenso ihre Flagge streichen wie all die Online-Betrüger, die emens viel Geld versenkten und in vielen Ländern eher die Wirtschaft ruinierten. Jetzt waren nicht mehr nur Blinde Kühe kaum noch zu retten, jetzt war kaum noch irgendetwas zu retten. Arbeitsplätze gingen verloren, ja sogar der Optimismus für die Zukunft ging verloren. Ein denkbar ungünstiger Ausgangspunkt, wird doch auch in Guten Zeiten nicht gerade viel für Kinder investiert.

Vor diesem Hintergrund muss das Ganze gesehen werden. Natürlich hätte man aus der Industrie zu und zu gern der Blinden Kuh geholfen, gerade bei der Sympathie, die sie vielerorts geniest, aber man musste auch die Arbeitsplätze der eigenen Leute retten. Redaktionen wie Was-Ist-Was, GEOlino, Terzio oder Redaktionen aus dem öffentlich-rechtlichen Bereich hielten zur Blinden Kuh, konnten aber auch nichts tun, außer ihr all das zu geben was sie haben und was sie ihr geben konnten. Auch sind Leute zu nennen, die in Einrichtungen wie Schulen-Ans-Netz / Lehrer-Online, in der FWU, oder an vielen anderen Stellen sich bemühten.

Dann, Anfang Dezember 2002, wurde der Antrag auf Zuwendung für die durch den Betrieb entstehenden Traffic-Kosten vom Bundesministerium bewilligt. Damit ist der ganze Druck aus den Kesseln. Und nicht nur der Bund, auch die Länder überlegten, wie sie der Blinden Kuh helfen können, wie sie wenigstens den Betrieb sichern könnten.

Natürlich sind die Mittel zweckgebunden. Den Löwenanteil, nämlich die Personalkosten, berechnet wurden für den Durchschnitt 2002 ca. 160 Wochenstunden echte geleistete Arbeit der Mitglieder des Teams Blinde Kuh, diesen Anteil trägt die Blinde Kuh selbst. Die Ision übernimmt aus Sympathie zur Blinden Kuh und als Zeichen aus der Online-Industrie weiterhin die Housing-Kosten.

Der Großteil der Mitarbeiter bei der Blinden Kuh ist berufstätig, einige sind allerdings weiterhin arbeitslos.

Die Förderung gibt natürlich nicht nur Auftrieb, sondern bietet der Blinden Kuh auch eine neue Rolle, die über die derzeitigen Bemühungen der Vernetzung der Kinderseitenlandschaft hinaus gehen. Schon seit geraumer zeit kooperierte die Blinde Kuh mit Einrichtungen wie Jugendschutz.net, um als echte Content-Anbieter im Kids-Bereich Kriterien für einen sinnvollen Jugendschutz im Internet einzubringen, ohne dass dabei eben die Kinder immer gleich weggesperrt oder in irgendwelchen separaten Ecken ruhig gestellt  werden müssen. Natürlich sollen Kinder und junge Jugendliche auch ein großes Internet haben, dies ergibt sich zwangsläufig aus der UN-Kinderrechtskonvention, nach der Kinder das Recht auf Informationen haben. Und natürlich sollen sie auch mit dem Internet was sie dann erobern ordentlich vor ihren Eltern und Lehrern angeben können. Natürlich sollen sie auch weiterhin mit allen Kinderseitenanbietern herummeckern können. Sie sollen vor allem selbst am Internet mit wirken, an ihrem Internet. Solange, bis sie damit endlich zufrieden sind, was sicherlich nie der Fall sein wird. Internet ist im Werden und kein Zustand. Internet wird niemals fertig sein und wenn, dann wird es zurecht so langweilig, dass man es eh abschalten kann.

Diese Aufgabe können Blinde Kühe natürlich nicht allein machen, das wäre ja Pippifax. Darum schließt sich die Blinde Kuh mit allen zusammen, die wie sie für ein großes und wirklich Klasse Internet arbeiten wollen, und in diesem Sinne die Vernetzung vorantreiben, damit die Kinder eben nicht zwischen den Seiten verloren gehen. Und, damit die Kinder wieder von den Seiten zurückkommen, die nur für Erwachsene sind, müssen wir sie eben überzeugen. Denn eines muss man immer sehen, Kinder sind freiwillig im Internet und besuchen freiwillig diese Angebote. Dies ist eher eine Form der klassischen Jugendarbeit, weniger eine Form der klassischen Schule. Besonders cool ist eben, dass wir sie nicht nur mit immer besseren Spielen überzeugen können, die dennoch nicht fehlen dürfen. Und genau das zeigen die stetig wachsenden Zugriffe auf die Blinde Kuh.

(siehe: seitenstark.de - Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten)

Wir setzen dem sogar noch einen drauf, und behaupten, dass dies nicht nur blanker Idealismus ist, sondern zeigen, dass dies rein wirtschaftlich gesehen, gar keine so doofe Idee ist. Immer mehr Unternehmen können wir damit überzeugen. Damit die Unternehmen in Ruhe ihre Häuser bauen können, muss nämlich irgendwer die Straßen bauen. Nur so können wir zusammen verhindern, dass Insellösungen den Jugendschutz destabilisieren und enorme Ressourcen wegfressen, wenn jeder das Ganze Internet noch mal baut. 

Es gibt nämlich nur ein einziges Internet. Ehrlich, ist nicht gelogen ;o)

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