Ein
Nachwort der Blinden Kuh:
Aus der privaten Homepage von Birgit Bachmann wurde die erste
deutschsprachige Suchmaschine für Kinder nach dem Vorbild der
amerikanischen Maschine Yahooligans.
Was am Anfang
(1997) etwas belächelt wurde, schien dann im Jahre 2000 kein
Problem mehr zu sein. Nebst billigen Kopien entstanden ansehnliche
allgemeine
Suchmaschinen speziell für Kinder. Doch die wirtschaftliche und teils
auch hauspolitische Lage der
Betreiber führte dazu, dass diese Maschinen eingestellt wurden.
Zu
nennen sind vor allem die hoffnungsvollen Anfänge von Milkmoon
und
Zlash, an denen die Blinde Kuh
teils konzeptionell und teils auch weiter beratend
beteiligt war. Beide waren spezielle Suchmaschinen, die
von großen Suchmaschinen ins Netz gestellt wurden. Während Zlash (Grunar+Jahr)
die Besucher über 15 Jahre ansprach, hielt sich Milkmoon (zu den
Gesellschaftern zählten T-Online, Axel Springer Verlag, Disney und
Holzbrinck) an die
Besucher unter 14 Jahren, was eine schöne Ergänzung ergab.
Zusammen mit der Blinden Kuh war dies das größte
Suchmaschinenaufkommen für Kinder innerhalb eines Landes außerhalb
der USA.
Mit der Abschaltung von
Zlash und Milkmoon verlor das deutschsprachige Netz der Kinder
wertvolle Teile seiner Infrastruktur auch wenn die Zugriffe wie bei
Milkmoon noch weit unter denen der Blinden Kuh lagen. Für die
Blinde Kuh, die nach wie vor privat betrieben wird, stellten sie keine
Konkurrenz dar, zumal Milkmoon auch Partner der Blinden Kuh als
kommerziell betriebene Variante war und bei Zlash genoss Stefans Sohn
wie andere Schüler ein cooles Schülerpraktikum. Insbesondere den
Kollegen von Milkmoon, die uns sehr ans Herz gewachsen waren, möchten
wir an dieser Stelle sagen, dass wir euch nie vergessen werden.
Die
Existenz der Blinden Kuh soll auch ein Zeichen sein, dass dieser Gedanke
selbst in schwierigen Zeiten keinesfalls aufgegeben wird. Seit 2000
fordern staatliche Einrichtungen wie Jugendschutz.net, dass hier auch
der Staat mehr zugreifen sollte und ähnlich dem Kinderkanal im
Fernsehen für öffentlich-rechtliche Strukturen auch im Internet
sorgen sollte. Denn eines ist ja klar, Suchmaschinen für Kinder sind
kein unmittelbares Gewinn-Geschäft, wenn sie seriös betrieben werden
sollen. Vielleicht bewegt sich ja was, nach dem Ende von Zlash und
Milkmoon, aber vielleicht merkt es auch wieder keiner, was wirklich so
im Netz der Kinder geschieht. In der schönen bunten Welt von Seiten
wie etwa SuperRTL aber leider auch staatlichen Initiativen fällt das ja zum Glück nicht weiter auf ;o) Das
hat wohl auch seinen Grund, der aber noch einmal die Wichtigkeit
unabhängiger Suchmaschinen für Kinder unterstreicht. Das Geld ist
eindeutig da, der Wille aber offenbar nicht. Schade! Die Kiddies
hätten sich riesig gefreut und das sicher auch viel mehr als über
eine Filtersoftware, die die deutschen Kinderseiten gar nicht
freischaltet. Zudem ist die deutsche Online-Industrie auch nicht
selten richtungsweisend für ganz Europa. In vielen Ländern gibt es
kaum brauchbare Strukturen für Kinder im Netz.
Eines
noch,
Milkmoon.de ist nun in den Händen der ehemaligen Mitarbeiter.
Der Kollege Egon Huschitt, ex-Business-Development bei Infoseek und
früher bei Axel Springer fasste sich ein Herz, damit Milkmoon nicht
vor die Hunde gerät, und kaufte das ganze Paket den ehemaligen
Gesellschaftern (A. Springer Verlag, T-Online, u.a.) ab. Das teils
immer noch arbeitslose Milkmoon-Team hilft ehrenamtlich hinter den
Kulissen beim Umbau der Blinden Kuh und bereitet gleichzeitig die
Wiedergeburt von Milkmoon vor.
Das
Milkmoon-Team jedenfalls gibt nicht auf! Und ihre alten Partner
neben der Blinden Kuh stehen weiterhin geschlossen hinter ihnen. Die ersten Tests
laufen schon, vorübergehend mit der Suchmaschine der Blinden Kuh. Es
wird versucht, Staat und Industrie für diese Idee zu begeistern und
Milkmoon endlich wieder zu beleben.
Vielleicht wird
es nach Fireball,
AltaVista (hier gab es auch Versuche mit der Blinden Kuh, die aber nie
so richtig in die Gänge kamen, dafür kam Catrin Jaross von AltaVista zur
Blinden Kuh) und Infoseek wieder gelingen, eine wunderschöne
Suchmaschine für die Kinder im Netz zu bauen. An Übung kann es jedenfalls nicht mangeln ;o)
Zeitgleich
bot das Hamburger Netz-Unternehmen Energis-Ision
seine
Hilfe der Blinden Kuh an, und übernahm das komplette Hosting bis Ende
2002. Mit derzeit über 2 Mio PageImpressions monatlich hat die Blinde
Kuh mittlerweile auch einen kaum noch privat bezahlbaren Traffic. Ohne
die Unterstützung solcher Unternehmen sind echte Blinde Kühe nicht
mehr finanziell zu schaffen. Auch andere Unternehmen und sogar
staatliche Einrichtungen boten ihre Hilfe an, denen wir allesamt
dafür noch einmal ausdrücklich danken wollen. Besonderen Dank auch
für den persönlichen Einsatz verschiedenster Einzelpersonen,
darunter die Geschäftsführung des CMS-Unternehmens Xeebion.com
.
Dennoch,
Suchmaschinen wie Milkmoon sind auch für das Team der Blinden Kuh
lebensnotwendig, denn derzeit fängt die Blinde Kuh ehrenamtlich den
Großteil der deutschsprachigen Kinder im Netz auf und hat damit eine
Funktion, die eigentlich eher der Staat und vielleicht noch die
Industrie leisten müssten. Verlage wollen sich engagieren, würden
sich aber übernehmen, solche Maschinen glaubhaft allein zu betreiben.
Es ist somit auch ein wirtschaftliches Versäumnis, wenn sich hier
bald nichts tut. Das Argument, eine abwechslungsreiche, vielfältige
und nahezu sinnvolle Welt für Kinder im Internet zu bieten, neben dem
ganzen Schrott, den es so gibt, hatte jedenfalls bisher allein nicht
ausgereicht. Dennoch denken wir, dass wir das Bild einer romantisch
träumenden Blinden Kuh aus allen Köpfen beseitigt haben, die hier
Entscheidungen fällen könnten. Denn auch wirtschaftlich stünde die
Blinde Kuh gar nicht mal so schlecht dar, wie diejenigen bestätigen
können, die unmittelbar an der Medienleistung der Blinden Kuh
profitieren und auch diejenigen, deren Übernahmeversuche wir
vereitelt haben, und auch diejenigen, die die Blinde Kuh als
Konkurrenz fürchten und auf ihren Seiten alles tun, um sie zu
verschweigen.
Als
Team der Blinden Kuh,
laden wir alle ein, sich für solche Idee wie die des Milkmoon-Teams
zu engagieren. Machen Sie sich stark für die Zukunft eines
redaktionell und technisch professionellen Internets für die Kinder.
Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Blinde Kuh ewig diesen
Anforderungen standhalten kann und nicht irgendwann einmal
zusammenbricht. Es geht hier nicht mehr um ein paar hübsche niedliche
Webseiten, sondern um eine notwendige dezentrale Infrastruktur, damit
den Kindern eine sinnvolle Alternative zu dem für sie meist
unbrauchbaren und auch unsicheren Internet geschaffen ist. Diese
werden lapidar gemachte Filterprogramme nicht einfach so aus dem
Ärmel zaubern.
Es
kann doch nicht angehen, dass Staat und Industrie zusammen in dieser
Sache schwächer sind, als das Team der Blinden Kuh. Ebenso kann es
nicht angehen, das beide zusammen weniger Mittel haben als die winzig
kleine Blinde Kuh.
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