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Mein
Name ist Matthias. Ich bin 10 Jahre alt und gehe in die 4. Klasse
der Grundschule. In den Herbstferien war ich mit meinem Vater 10
Tage in der Türkei, genauer gesagt in Anatolien und Kappadokien.
Wir
waren mit einer Gruppe Erwachsener unterwegs. Zu Beginn der Reise
war ich sehr unsicher, weil ich außer meinem Vater niemanden
kannte. Aber die meisten Mitreisenden haben sich von Anfang an mit
mir unterhalten, das fand ich nett. Während der Reise habe ich
mich sogar mit einigen angefreundet.
Zuerst
landeten wir in Istanbul. Dort hatten wir volle fünf Stunden
Aufenthalt. Drei Stunden davon waren wir in einem großen
Kaufhaus, das unseren Kaufhäusern hier sehr ähnlich war, aber es
gab viel mehr Imbissbuden und Schmuckläden. Die Besucher schienen
gern zu essen und Schmuck zu kaufen. Typisch für unsere Reise war
dieser Ausflug nicht.
Während
Istanbul eine moderne europäische Großstadt ist, erschienen mir
die Leute in Anatolien und Kappadokien ärmer als in Deutschland,
denn sie hatten oft ältere Fahrzeuge. Ihre Häuser waren in den Dörfern
häufig aus einfachen Steinen oder sogar aus Lehmziegeln gebaut.
Anders als bei uns waren immer viele Leute auf den Straßen. Ich
fand das gut, weil überall mehr los war. Die Männer saßen auf
Mauern oder Bänken und spielten mit ihren Perlenketten, die
Frauen gingen einkaufen oder unterhielten sich. Einige Kinder
versuchten, uns Glücksbringer zu verkaufen. Ich finde es
ungerecht, dass Kinder arbeiten müssen, stattdessen sollten sie
in ihrer Freizeit spielen.
Weil
es so viele Kinder gibt, werden die Schüler in der Türkei
abwechselnd vormittags und nachmittags unterrichtet. Es fehlen
noch Schulen und Lehrer. Jeder Schüler trägt eine Schuluniform,
es soll keine Unterschiede zwischen Schülern reicher und armer
Eltern geben. Aber trotzdem unterscheiden sich die Uniformen der
staatlichen und privaten Schulen, wobei reiche Leute ihre Kinder
in die Privatschulen schicken.
Besonders
aufgefallen sind mir in der Türkei die Kirchen, die man Moscheen
nennt. Sie bestehen aus einem großen Gebäude mit einer schönen
Kuppel, meistens aus Mosaiksteinen. Daneben steht mindestens ein
schlanker Turm mit einem kuppelförmigen Dach, an dem Lautsprecher
hängen, durch die zum Gebet aufgerufen wird. Zuerst hat mich das
erschrocken, weil es sehr laut war, fast schon wie Geschrei. Gestört
haben mich nachts die Trommler, die an das Fasten erinnern
sollten, denn unsere Reise fand
im Ramadan statt,
dem Fastenmonat, in dem die Erwachsenen tagsüber nichts essen und
trinken dürfen. Fast genauso wie bei uns in der Fastenzeit vor
Ostern, wobei die Moslems sich aber an das Fasten halten.
Kompliziert
war das Bezahlen in türkischer Lira, denn für einen Euro habe
ich 1.800.000 Lira bekommen. Ich musste alles mal sechs minus
sieben Nullen rechnen.
Zurück
zu meiner Reise: Am späten Abend des ersten Tages ging unser Flug
weiter nach Ankara, der Hauptstadt der Türkei, und wir waren
froh, im Hotel zu sein. In den folgenden Tagen fuhr unser Fahrer
Mehmet uns mit einem kleinen Reisebus genau 3.750 km durch eine
schöne aber karge und bergige Landschaft. Jeden Abend übernachteten
wir in einem anderen Hotel. Die Leute, die im Hotel arbeiteten,
waren sehr freundlich zu mir, oft habe ich Saft oder Aprikosen
geschenkt bekommen.
Am
zweiten Reisetag entdeckte ich in Hattusa, der ehemaligen
Hauptstadt der Hethiter, einen großen, würfelförmigen grünen
Stein, der sehr seltsam war, weil er überhaupt nicht zu den
Ruinen passte. Niemand wusste, woher er war. Leider durfte ich
keine größeren Steine mitnehmen, weil es verboten war.
Im Götterpantheon
Yazilikaya und in der königlichen Sommerresidenz Karatepe
beeindruckten mich die großen Götterbilder an den Wänden, die
ich vorher noch nie gesehen hatte. Sie waren sehr schön und ich
konnte mir nicht vorstellen, wie die Menschen sie vor einigen
tausend Jahren in den Stein gehauen hatten.
Auch sehr
gut gefallen haben mir die drei riesigen Türen der Moschee in
Divrigi, die mit Sternen und quadratischen Mustern verziert waren
und gar nicht zu dem schlichten Gebäude passten. Das erinnerte
mich an die Geschichten aus Tausend-und-einer-Nacht.
In
Kappadokien erforschten wir die unterirdische Stadt Kaymakli, in
der sich zur Zeit der Christenverfolgung bis zu 30.000 Menschen
verstecken konnten. Sie lebten in sieben Etagen unter der Erde. Für
mich war die Stadterkundung sehr aufregend und spannend, da ich
immer ein Stück vor meiner Gruppe ging. Was müssen die Christen
für große Angst vor den Römern und den arabischen Stämmen
gehabt haben! Sie hatten geheime Ausgänge gebaut, eine
Steinrutsche, mit der man schnell mehrere Etagen überwinden
konnte, ja sogar ein Warnsystem mit Lehmrohren, durch die man
rufen konnte, hatten sie erfunden. Ich fühlte mich wie in einer
anderen Welt.
Wortwörtlich
ein Höhepunkt unserer Studienreise war die Besteigung des Berges
Nemrut mit dem größten Grabhügel unserer Erde. Mit einem
Minibus sind wir 40 km über schmale und kurvige Strassen und Wege
bergauf und bergab gefahren und ich durfte vorne sitzen. Es war
abenteuerlich! Oben, auf über 2000 Meter Höhe mussten wir noch
eine halbe Stunde höher steigen. Schon von weitem sah ich riesige
Menschen aus Felsen gehauen und ich fühlte mich ganz, ganz klein.
Am
Ende der Reise besuchte ich noch eine Edelsteinschleiferei. Hier
wurden die wertvollsten Steine verarbeitet. Ich kam mir wie ein
Sultan vor, als mir zur Erinnerung vom Besitzer noch ein großen
Onyx, ein Halbedelstein, geschenkt wurde. Noch oft möchte ich in
dieses schöne Land reisen!
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