Es war Samstag und schon ziemlich
spät, ich war allein zu Haus. Meine Eltern waren ausgegangen und wollten erst gegen
Mitternach wieder da sein. Ich saß auf dem Sofa und las ein Buch über Hexen. In dem Buch
waren viele Bilder, doch mich interessierten die Zauberformeln viel mehr. Schließlich
fand ich einen Spruch, der den, der ihn aussprach, zu einer Hexe machen sollte. Ich sagte
die Formel auf, weil ich wissen wollte, was nun geschehen würde:
EXEH RENIE UZ CHIM CHAM.
Dreimal sagte ich die Worte, die ich zwar nicht verstand, aber trotzdem irgendwie cool
fand. Doch es passierte nichts. Aber auf einmal hatte ich so ein Gefühl, eines, das ich
noch nie zuvor hatte. Vielleicht hatte ich mich ja doch in eine Hexe verwandelt.
Nun wollte ich ausprobieren, ob ich zaubern kann. Ich versuchte, ein Brot aus dem
Kühlschrank zu nehmen, ohne es anzufassen. Es klappte nicht. Ich beschloss, mit etwas
leichterem anzufangen. Meine Katze Minki sollte zu mir kommen, und wirklich, Minki stand
im nächsten Augenblick vor mir. Nun sollte es schwerer werden: Ich wollte, dass ein Buch
aus dem großen Bücherregal fiel. Da kippte eines der Lexika aus dem Regal. Jetzt war ich
müde, schnell ging ich zu Bett.
Als ich aufwachte, wollte ich wissen, ob ich immer noch zaubern kann. Ich wünschte mir
die tollen Schuhe, die ich im Schaufenster des Schuhverkäufers gesehen hatte. Ich hatte
gar nicht gemerkt, wie meine Mutter das Zimmer betreten hatte. Sie fragte, ob ich die
Sportschuhe immer noch wollte. Ich sagte: "Ja!" "Gut."sagte sie. Sie
ging aus dem Zimmer und holte einen Karton. Darin waren die Schuhe.
In den nächsten Tagen verwandelte ich mein Zimmer in eine Art Hexenhäuschen. Mein
Blick wurde immer gemeiner, was wahrscheinlich von meinen immer böser werdenden Wünschen
kam. Mit der Zeit wurde ich sehr selbstsüchtig und vergaß meine Mitmenschen vollkommen.
Ich hatte nur noch mich im Kopf. Sonst nichts.
Da sah ich eines abends eine Katze auf der Straße umher irren. Sie sah mich mit ihren
glitzernden, grünen Augen an, dann verschwand sie. Ich hatte nur noch das funkelnde Grün
in den Augen. Es schien, als würde mich die Katze kennen und nicht sehr mögen. Ich bekam
Angst, große Angst. So eine Angst hatte ich noch nie vorher gehabt.
Um mich abzulenken, machte ich den Fernseher, den ich mir gewünscht hatte, an. Doch zu
meinem Entsetzen sah ich eine gemein aussehende Hexe auf dem Bildschirm. Sie lachte
gackernd und man konnte ihre ekelhaften gelben Zähne sehen. Ich schaltete schnell um,
doch die Katze und die Hexe gingen mir nicht aus dem Kopf. Ich beschloss, mich hinzulegen,
ja, das würde das Beste sein, schlafen.
Doch ich konnte nicht schlafen, immerzu musste ich an die Katze und die Hexe denken.
Dann schlief ich doch ein, aber ich hatte einen seltsamen Traum. Ich träumte, ich wäre
ein altes Weib mit Hexenhut und Zauberkessel. Und ich hatte eine Katze, die genau so
aussah, wie die auf der Straße, die, die mich so angeschaut hatte.
Schweißgebadet wachte ich auf, denn ich wollte kein altes, hässliches Weib sein. Da
spürte ich wieder etwas. Es war wieder dieses Gefühl, das ich hatte, als ich meine
Zauberkraft erlangt hatte.
Seit diesem Tage ist alles wieder normal. Ich kann zwar nicht mehr zaubern, aber wenn
ich ehrlich bin, will ich das auch gar nicht mehr. Und wenn ich etwas haben will, dann
warte ich auf Weihnachten und auf meinen Geburtstag.
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Ach so, ich bin Lea und 12 Jahre alt. Ich wohne in Düsseldorf.
Wenn die Geschichte zu kurz war, kann ich sie noch verlängern.