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Es war einmal ein Mädchen, das Lisa hieß. Lisas Eltern waren vor ein paar
Monaten gestorben, weil sie einen schrecklichen Autounfall hatten. Auf der
Autobahn hatte sie ein Lastwagen von der Fahrbahn abgedrängt und hatte noch
nicht einmal gehalten. Lisa war sehr unglücklich, weil ihre Eltern gestorben
waren und sie nun bei ihrer Tante wohnen musste. Aber das war immer noch
viel besser, als wenn Lisa in ein Kinderheim hätte gehen müssen.
Die Tante war böse zu Lisa.
Die arme Lisa musste schon von morgens um halb sieben bis abends um sechs
für die böse Tante arbeiten. Lisa musste kochen, jeden Tag das Haus aufräumen und die Betten machen.
Irgendwie kam sie sich vor, wie das Aschenputtel, von dem sie mal in einem
Märchen gehört hatte, das ihre Mutter ihr am Abend immer vorlas, wenn sie
ins Bett ging. Sie hatte das immer unheimlich gern gehabt, im Bett liegen,
langsam müde werden und die Stimme ihrer geliebten Mutter beim Vorlesen zu
hören.
Sie hatte einmal ihre Tante
gefragt: "Kannst du mir auch mal ein Geschichte vorlesen?"
"Nein", war ihre ablehnende Antwort, "du verstehst mich nicht.
Ich gehe jetzt lieber mit meinem Freund zum Abendessen, als dass ich dir
hier so eine Geschichte vorlese, und du bleibst zu Hause, klar?"
Die Lisa durfte nicht mit ihrer Tante zum Abendessen gehen, sondern sie
musste aufräumen, lesen, schreiben und rechnen.
Ihre Tante war schon weg, die Lisa war alleine zu Hause und auf einmal
klingelte das Telefon. Lisa nahm den Hörer ab. "Hallo, ist mein Tante da?"
fragte eine junge Frau. Die kleine Lisa fragte erstaunt: "Nein, aber wer
bist du denn ?"
"Ich heiße Susanne Kleinmann, und wie heißt du?" "Ich heiße Lisa
Kleinmann. Mensch, wir haben ja den gleichen Nachnamen." "Ja, tatsächlich! Kannst du meiner Tante sagen, dass ich angerufen habe ?" "Ja
klar", meinte Lisa, "dann Tschüss."
Als die kleine Lisa das Telefon aufgelegt hatte, dachte sie noch lange über
den gleichen Nachnamen der jungen Frau nach. Ihr fiel ein, dass ihre Mutter
einmal gesagt hatte, dass sie noch eine größere Schwester hätte. "Ob das
wohl ihre große Schwester war?"
Am nächsten Morgen fragte sie ihre Tante. "Habe ich noch eine größere
Schwester?" "Ja, Lisa, du hast noch ein größere Schwester. Aber woher weißt du das ?"
"Gestern Abend rief mich eine junge Frau an, die hatte den gleichen Namen.
Warum hast du mir das nicht früher gesagt?"
"Ich hatte keine
Zeit", war die freche Antwort der Tante. "Aber du hattest
Zeit für Disco und viele Freunde, nur für mich nicht!" "Ja, Lisa, aber wenn es
dir lieber ist, dann geh doch zu deiner Schwester. Lebe doch glücklich bei
deiner Schwester!"
Lisa strahlte. Sie wäre so glücklich, wenn sie nur von der frechen Tante
wegkommen würde. "Ruf doch meine Schwester an, ich gehe sofort, wenn du mich
lässt."
Es war früh am Morgen, als das Auto der Schwester von Lisa vor der Türe
hielt. Sie wurde abgeholt und war unheimlich glücklich, nun wieder in eine
richtige Familie zu kommen.
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