| Mein Name ist Tim und ich bin 11 Jahre alt. Mutig bin ich wirklich nicht, aber wenn es darauf ankommt, kann man sich auf mich verlassen. Ich bin in einer richtig coolen
Clique. Sie besteht aus Flo, Daniel, Mario, Mona, Steffie und natürlich mir. Wir haben immer viel
Spaß mit einander. Bis... ja, bis Eric bei uns mit machen wollte. Er ist
eigentlich recht nett und verträglich. Aber in unsere Gruppe sollte er nun doch nicht. Allerdings hatte Flo eine Idee. Eric sollte eine Mutprobe bestehen und würde, wenn er
bestand, zu uns aufgenommen werden. Wir saßen da und grübelten. Welche Aufgaben sollten wir stellen?
Plötzlich rief
ich: "Wie wäre es, wenn er eine Nacht auf dem alten,
verwitterten Friedhof schlafen sollte!" Alle waren ganz aus dem Häuschen. Ja, das war fantastisch. Aber wer sollte es kontrollieren. Erzählen kann man heut zu Tage
viel. Tim sollte wachen. Es war auch seine Idee. Er wird sich im alten, großen und hohlen Baum verstecken. Da ist genug Platz und es ist wärmer," erklärte Steffi. Es
wurde logischerweise ohne mein Einverständnis abgeklärt.
Nun saß ich da. Himmel, was sollte ich tun. Es blieb mir nichts anderes übrig, als zu gehen. Ich bekam das
Walkytalky von Flo, während die anderen das andere behielten, und
Mona's dicken Schlafsack. Am kommenden Abend legte ich mich wie gewohnt
schlafen. Mama kam noch einmal und löschte das Licht. Kaum war sie draußen, war ich aus den
Federn. Das Bündel, in dem alles drin war, lag griffbereit unter dem
Bett. Ich nahm es und zog mit zitternden Knien meine Jacke an. Das Fenster wurde geöffnet und ich stand auf der
dunklen, in fahlem Licht der Laternen beleuchteten Straße.
Es war eine
Sommernacht von 18°C. Dennoch fror ich unbeschreiblich. Gänsehaut kroch über meinen ganzen Körper.
Ein paar Penner hörte ich von der Kneipe zum großen Fass aus
gröhlen. Das machte nicht gerade mutiger. Ich bog in einen alten Waldpfad
ein. Bei jedem Knistern und Knacken fuhr ich herum. Da sah ich ihn. Auf einem Hügel stand der
erste Stein mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden". Er sah so windschief aus, das es aussah als wäre er schon 100 mal verschoben
worden. Vielleicht stimmte es, was die Alten erzählten. Eventuell kamen Nachts wirkliche Tote aus ihren Gräbern.
In einer halben Stunde würde ich zumindest nicht mehr allein sein. Alles wurde ausgepackt.
Schon hörte ich Schritte und jemand sang. Das war Erics Lieblingslied von der Band Explosiv. Der hatte Nerven. Er machte es sich an dem ersten Grabstein bequem.
Dann konnte ich ja beruhigt in den Baum hinein gehen. Das Walkytalky
piepte leise. Ich nahm es und meldete mich: "Hier Nr.1, wer da?"
"Nr.2 an Nr.1, ist er da?" "Soeben angekommen." "Okay, Over!"
"Verstanden, Over!"
Sofort legte ich auf und begann abzusteigen. Ich versuchte, es mir in dem Schlafsack bequem zu
machen, doch erst jetzt bemerkte ich den grün-schwarzen Schleim, den ich an den Händen
hatte. Igitt, igitt. Der Baum war so groß, das ich in nicht ganz ausfüllte. Als ich mich
schlafen legte, spürte ich einen leichten und stinkenden Wind. War das
Wind? Nein, noch eher Atemzüge. Wie der Blitz wandte ich mich um.
Da sah ich es. Ein
schwarzes Etwas mit rot blitzenden Augen. Ich wollte schreien, aber konnte es nicht. Ich sprang auf und raste
davon. Das Etwas war dicht hinter mir. Da hörte ich einen Aufschrei. Eric war bestimmt in Gefahr. Ich schlug ein geschickten Haken und rannte
los. Da sah ich ihn. Er war dicht an einen Grabstein gedrückt.
Ein zweites Wesen bedrohte auch ihn. Da stolperte ich und knallte mit voller Wucht auf die Erde. Das
Walkytalky zersprang. Mein Rucksack bekam einen Riss. Ich konnte mich mich gerade
noch aufrappeln.
Eric wandte sich
um: "Tim! Du hier?" "Erklär ich dir später!"
schrie ich. In dieser wenigen Zeit, wurden es immer mehr Wesen, die einen Kreis um uns
schlossen. Plötzlich schlug ich die Augen auf. Ich lag in meinem Bett. Erleichtert stand ich auf. Doch was war das? Neben meinem Bett lagen das kaputte
Walkytalky und mein kaputter Rucksack.
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