Jan war froh, dass sie nun endlich in das neue Haus einzogen. Neu war das Haus eigentlich nicht. Es handelte sich um eine alte
Villa aus dem letzten Jahrhundert. Hohe Türen und Fenster, knarrende Dielen, Efeu-Ranken an den Hauswänden zeichneten
die alte Villa aus. Zusammen mit Vater und Mutter, Schwester Lisa und Hund Fiffi betrat Jan das Haus. Neugierig folgte er den
Eltern in die Villa, nachdem die Mutter die Tür aufgeschlossen hatte. Jan betrat den Flur, in dem es moderig roch. Ihm fiel ein
altes Bild auf, auf dem eine Frau zu sehen war, gekleidet nach der Mode des letzten Jahrhunderts. Als Jan an dem Gemälde
vorüberging, hatte er das Gefühl, dass die abgebildete Frau ihn mit den Augen verfolgte. Kreischend rannte Jan zur Tür. Fiffi
bellte, als er Jans Kreischen bemerkte. Doch plötzlich fing die Frau auf dem Bild
an, ganz ruhig und gleichzeitig verzweifelt zu sprechen. Jan stand schon im Türrahmen, doch er bremste ab, als er die weiche Stimme der Frau hörte. Diese sagte:
"Hab keine Angst! Ich werde dir nichts antun!" Langsam, ganz langsam, schritt Jan auf das Bild zu. Er hatte, trotzdem, was die Frau gesagt, schreckliche Angst. Wieder sprach
die Frau: "Hab keine Angst!" Mutig trat Jan vor das Bild. Darauf sprach die Frau endlich mal etwas anderes:
"Ein Fluch hält mich schon seit dem letzten Jahrhundert hier gefangen! Ich bin noch nicht tot, da dieser Fluch gleichzeitig bewirkt,
dass ich nicht älter werde. Du kannst diesen Fluch brechen!"
"Was muss ich
tun?" fragte Jan. "Barlzahar der III. hält mich hier gefangen! Er
lebt zwar schon lange nicht mehr, aber das, was den Fluch brechen kann, gibt es
noch!" Auf einmal kam Jans Mutter in den Flur.
Sie fragte: "Mit wem redest du dort, Jan?" "Mit
Fiffi" sagte Jan. "Aber der ist doch draußen!"
"Ähm, äh, dann hab ich halt mit mir selbst geredet!"
"Glaub ich dir nicht, aber egal." sagte Jans Mutter, und verlies den Flur! "Wo waren wir stehen
geblieben?" fragte Jan. "Dabei, dass es den Gegenstand noch gibt, der den Fluch brechen
kann" sagte die alte Frau darauf". "Stimmt" sagte
Jan, "was ist es denn?" "Das Schwert des König Barlzahar musst du besorgen! Er hat hier früher gewohnt und ich war seine Ehefrau. Er hat mir dann
aber den Fluch verpasst, weil wir uns heftig gestritten hatten."
"Und wo soll das Schwert sein?" fragte Jan. "Irgendwo hier in
der Nähe! Man behauptet, er hätte es im Keller der alten Spukruine
versteckt!" "Ist das die große, brüchige Steinvilla, drei Straßen weiter,
an der wir auf der Fahrt nach hier vorbeigekommen sind?"
"Ja" antwortete die Frau. "Warum heißt sie
Spukruine?" Als Jan dieses fragte, lief ihm eine Gänsehaut den Rücken herunter.
"Weil man behauptet, dass es dort spukt!" sprach die Frau.
"Na, ja, nun haben wir aber genug geredet! Selbstverständlich werde ich versuchen, dich
von deinem Fluch zu befreien." sagte Jan laut. "Danke" sagte die Frau. Damit hatte für Jan ein neues Abenteuer begonnen, und
er hatte nur ja gesagt, weil er Abenteuer über alles liebte. Gleich morgen wollte Jan zur Spuckruine gehen. Da wäre er sowieso
noch hingegangen, weil ihn dieses Gebäude vom ersten Blick an die ganze Zeit schon interessierte. Abends zog sich Jan den
Schlafanzug an, wusch sich und stieg ins Bett. Erst um 0:30 Uhr schlief er ein, denn er dachte noch die ganze
Zeit über diese merkwürdige Frau nach. Am nächsten Morgen stand Jan erst um
11:00 Uhr auf und ging, als er sich fertig gemacht hatte, zum Frühstückstisch. Lisa, seine Schwester klagte die ganze Frühstückszeit darüber,
dass der Boden in ihrem Zimmer so schrecklich geknarrt hätte.
"a und, Lisa? Bei mir wars nicht besser, und ich mache trotzdem nicht so einen
Aufstand" sagte Jan lässig. "Du müsstest erst mal wissen, wie schlimm das bei mir war! Bestimmt dreimal so grausam wie bei
dir!" brüllte Lisa, und wurde dabei so rot wie eine Tomate.
"Ich mach einen Spaziergang, Mama! Man hält das hier ja nicht mehr aus! Vielleicht lerne ich ja
jemanden kennen, um neue Freundschaften zu schließen." Sagte Jan mit gedämpfter
Stimme und verließ das Haus. Draußen
war es warm, sehr warm. So um die 30° Celsius schätzte Jan, der seine Jacke wieder ins Haus
brachte und sein Vielzweckmesser in die Hosentasche steckte. Selbstverständlich wollte Jan nicht neue Freunde suchen, das könnte er ja besser
am ersten Schultag machen. Er wollte zur Spukruine. Sie lag zwar nur drei Straßen weiter, aber die Straßenabstände waren in
dieser Gegend ziemlich groß. Bis zur Spukruine waren es 5 km und Jans Fahrrad war noch beim alten Haus. Mühsam machte
Jan sich auf den Weg. Schon nach 2 km war er völlig erschöpft. Doch dann hatte er schon 3... 4... und
5 km hinter sich. Ihm war höllisch heiß, doch nun stand er endlich vor der Spukruine. Er betrachtete seine Uhr. Als er losgegangen war, war es 12:00Uhr.
Nun war es 13:00 Uhr. Er hatte sehr lange gebraucht, aber kein Wunder, bei den vielen Pausen. Ihn schauerte es, als er vor
dem Tor der Spukruine stand, am liebsten wäre ihm das alles nicht zugestoßen, doch er konnte die alte Damen einfach nicht im
Stich lassen, zumindest nicht, wenn er sich vorstellen würde, seit 100 Jahren in einem Bild gefangen zu sein. Er betrat die
Spukruine. Im Innenhof bewegte er sich sehr langsam, da er Angst hatte,
dass die Ruine einstürzen könnte. "Ka-rums"! machte es hinter Jan,
der sich blitzschnell umdrehte. Das Tor hatte sich hochgeklappt.
"Wie von selbst? Wie kann das sein?" fragte sich Jan, wobei er unglaubliche Schweißausbrüche hatte. Jan lief auf das Tor zu, fand jedoch nichts, womit sich das Tor öffnen ließ.
"Kuller! Rumpel!" machte es diesmal über ihm. "Ahhrg" schrie Jan. Eine kleine,
besser gesagt riesengroße Steinlawine kam von oben auf ihn zu. Schnell raste er vom Tor
weg. Nun war der Ausgang nicht nur zu, sondern auch noch verschüttet. Jans
Schweißausbrüche wurden immer stärker und stärker. Jan fand keinen Weg, wo er nach draußen kommen könnte. Er befand
sich in einer Art Loch. "Nun sitze ich aber ganz schön in der
Patsche." dachte Jan. Er hatte außerdem schrecklichen Durst.
Vielleicht hätte ich eine Trinkflache mitnehmen sollen!" dachte Jan immer wieder. Rund um Jan herum waren Mauern, ca.
3,50 m hoch. Jan suchte immer noch nach einem Ausweg. Klettern sollte man gar nicht erst versuchen, denn das machte nur die
Fingernägel kaputt. "Irgendeinen Ausweg muss es doch geben." sagte Jan zu sich. Er klopfte alle Wände ab, als er dieses getan
hatte, und nichts geschah, lief er im Kreis über den Boden, und dachte nach.
"Klong" machte es, als er auf den Boden stolperte. Jan hatte sich nicht verletzt.
"Über was bin ich denn nun gestolpert?" fragte er sich laut. Er suchte. Und fand einen kleinen, sehr
gut versteckten Metall-Ring im Boden. "Natürlich! Im Boden hätte ich suchen müssen! Warum bin ich nicht eher darauf
gekommen?" dachte Jan laut. Jan zog kräftig am Ring. Es geschah nichts. Doch da entdeckte er einen Eisen-Stab in der Ecke. Jan überlegte, nahm den Stab, steckte ihn durch den Ring, packte den Stab an den beiden Enden an, und zog ihn hoch. Es
funktionierte. Eine Steinluke öffnete sich einen kleinen Spalt. Als Jan das bemerkte, zog er noch kräftiger. Die Luke öffnete sich
noch ein Stückchen, noch eins, noch eins, und "Rums" klappte die Luke über, und Jan plumpste auf den Boden.
"Puh! Geschafft!" stöhnte Jan. Er guckte durch die Luke, erkannte jedoch nichts, da es zu dunkel war. Jan betrachtete wieder
seine Uhr. Es war 16:00Uhr. Langsam glitt er in die Luke. Als er merkte, das er mit den Füßen immer noch nicht auf Boden
stand, war es zu spät. Jan hielt sich mit der letzten Kraft mit seinen Händen am Rand der Luke fest. Doch seine Hände waren
vom Schweiß ganz glitschig, und hochziehen schaffte er bestimmt nicht. Die Hände rutschten langsam
weg. Nun fiel er.
1 Meter, 2 Meter, 3 Meter und kam in etwas auf, das riss, und viel dann in etwas, das sich anfühlte wie eine Bettmatratze. Dabei hatte er
sich nicht wehgetan, da die Bettmatratze weich war. Er holte sein Vielzweckmesser heraus, und schaltete die kleine
Taschenlampe an. Sie brachte zwar nicht viel, jedoch konnte er nun erkennen wo er war. Es war ein großer Raum, und er saß
in einem Himmelbett. Er leuchtete nach oben, und sah nun, dass die Stoffüberdachung vom Himmelbett gerissen war. Logisch,
denn er ist ja auch hindurch geplumpst. Am anderen Ende des Raumes stand ein Waffenständer, mit einem Schwert. Schnell lief
er dem Schwert entgegen. Der Henkel trug die Aufschrift: Barlzahar der III . Jan machte Freudensprünge. Er erschrak jedoch,
als er eine dunkle Stimme hinter sich hörte. Geschwind drehte er sich um. Er erblickte einen alten Mann, mit Bart und in
Rüstung. Es war sicherlich ein Ritter. Jedoch erschien Jan der Mann leicht durchsichtig, wie ein Gespenst.
"Deshalb heißt die Spukruine so! Weil es hier tatsächlich spukt! Erst wollte ich es der Frau auf dem Bild nicht
glauben!" "Ach, du willst also den Fluch brechen?"
"Mist, jetzt hab ich mich verplappert!" flüsterte Jan.
"Ich bin nämlich Barlzahar der III, und werde verhindern, dass du den Fluch brichst, denn ich werde dich hier gefangen halten, bis du das Schwert wieder in den Ständer stellst, und das
Gemälde der Frau, ich meine meiner ehemaligen Frau zerstörst." "Sie
Fiesling!" brüllte Jan frech. Und lief mit dem Schwert auf den Geist gerichtet los. Doch er, mitsamt dem Schwert, lief durch den Geist durch.
"Hahaha" lachte der Geist "Wenn ich nicht will, dass du mich berührst, dann geschieht das auch nicht!
Hahaha!" "Unverschämtheit" dachte sich Jan, der immer noch das
Schwert in der Hand hatte. "Hahaha" lachte der Geist wieder.
"Das Schwert ist aus Stahl, und kann mich nicht erschlagen, das
einzige, wogegen ich mich nicht wehren kann, ist Edelstahl."
"So?" fragte Jan. "Ups, dieses mal hab ich mich verpatzt! Na egal,
du hast sicher nichts aus Edelstahl bei dir." "Oh doch!" dachte Jan.
"Mein Vielzweckmesser." Vorsichtig stellte er das Schwert
auf dem Ständer ab. "Braver junger" sagte der Geist, und flog auf das Schwert zu. In dem Moment, als er an Jan vorbeiflog,
stach Jan ihn mit seinem Vielzweckmesser. "Poff" machte es, und der Geist war verschwunden. Jan suchte nach einem
Weg aus der Ruine heraus. Die Luke war zu hoch. Doch schließlich musste man
heraus können, weil die, die hier früher gewohnt hatten, ja auch mal aus dem Schlafzimmer heraus mussten. Jan bemerkte einen auffällig hellen Stein an der Wand. Er drückte
drauf, und tatsächlich, er rutschte ein Stück nach hinten. Darauf öffnete sich eine Stein-Geheimtür in der Wand. Jan nahm das
Schwert und lief durch den Rahmen, eine ziemlich lange Wendeltreppe herauf, und kam am Hinterausgang der Ruine heraus. "Puh! Endlich draußen" ächzte er. Nun entdeckte er ein altes, rostiges Fahrrad an der Wand.
"Hoffentlich lässt sich das fahren." dachte Jan. Und es ließ sich fahren. Er legte das Schwert in den rostigen
Fahrradkorb und fuhr los. Mit dem Fahrrad legte er die fünf Kilometer ziemlich schnell zurück. Als er zuhause ankam, war es
19:00 Uhr. Vorsichtshalber legte er das Schwert unter die Eingangstreppe, da er sich sicher war,
dass ihn seine Mutter gleich ausfragen würde, und wenn er dabei ein Schwert in der
Hand halten würde, würde seine Mutter ihn Fragen woher das kommt u.s.w.! Jan betrat das Haus, und wie er vermutet hatte,
kam sofort seine Mutter angedackelt. "Wo warst du? Wir haben uns
Sorgen gemacht!" sagte sie. Jan antwortete: "Der Spaziergang ist halt etwas länger
ausgefallen!" "OK! Deine Schwester, dein Vater, und ich wollen heute Abend übrigens
Bowling spielen gehen! Kommst du mit?" fragte Jans Mutter.
"Nö" sprach Jan. "Dann pass aber auf Fiffi auf!" kommandierte
sie. "Ja" sagte Jan. Als der Rest von Jans Familie Bowling spielen war, holte Jan das Schwert unter der Treppe weg, und tickte
das Gemälde damit an, das sich im Nu in eine schön aussehende Frau verwandelte.
"Danke! Vielen Dank! Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken
soll!" sprach die Frau. "Schon gut" sagte Jan. Jan gab der Frau seine ganzen Ersparnisse
(2.300DM). Die
Frau, die übrigens Erna heißt, kaufte sich in einem Billig-Geschäft ein paar Sachen der heutigen Mode, von der sie höllisch
fasziniert war, und zog in ein verlassenes, aber schönes Haus, ganz in der
Nähe ein. Wenig später bekam sie dann einen Job als Malerin, denn mit Bildern kannte sie sich ja gut aus, da sie schließlich, wie wir wissen, hundert Jahre in einem Gemälde gefangen
war. Es dauerte nicht lange, da wurde sie beliebt und bekannt unter den Menschen, und immer wenn Jan sie traf, musste sie ihm
noch einmal Danken. Das Schwert hatte Jan ihr geschenkt, sie hat es jedoch zerstört, den sie wollte keine Erinnerung an diese
schlimmen Tage. *** PS: Dies ist eine Gespenstergeschichte von mir (Steffen),
die ich mal für die Schule geschrieben habe! Unsere Klassenlehrerin hat nicht schlecht gestaunt. Ich bin 10 Jahre alt.
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