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Hallo, ich bin
Anja und schreibe gerne Geschichten, male und lese gern. Ich
hoffe meine Geschichte gefällt euch. Versucht es doch einfach
mal selbst!
Marie rieb
sich die Augen. Ein Blick auf ihren Wecker verriet ihr, dass es
schon 12 Uhr war. Müde schlüpfte sie in ihre weichen Pantoffeln
und schlürfte zum Fenster. Kalte Luft schlug ihr entgegen. Die
Fensterläden des alten Hauses klapperten schaurig im Wind. Des
Hauses, indem sie seit Jahren alleine war. Aber sie wusste, dass
sie früher eine Mutter gehabt hatte, die sie, als sie fünf war,
verlassen hatte. Seitdem brachte ihr jemand früh und abends
etwas zu essen und verschwand wieder. Ein paar mal hatte sie
diesen jemand gesehen. Es war eine Frau, die um sie sorgte.
Der Vollmond
schien hell ins Fenster. Marie glaubte am sternenlosen schwarzen
Himmel kleine Nebel zu sehen, die immer näher kamen, wie in
einem Traum. Selbst Marie kam sich vor wie in einem Traum. Ihr
war, als würde sie ein kalter Nebel umhüllen. Langsam wurde aus
den Nebeln, ein milchiger Nebel. Er näherte sich Marie. Ihr Herz
schlug schneller, ihr Atem wurde heftiger und sie hatte am
ganzen Körper eine Gänsehaut. Der Nebel näherte sich und nahm
langsam Gestalt an. „Ein Gespenst!“, dachte Marie.
Plötzlich
stand die Nebelgestalt vor ihr und sah sie an. Marie blieb
stocksteif stehen. Dann hauchte es: „Komm mit mir, ins Reich der
Menschen, Elfen und Zauberwesen“ und strich Marie mit einem
Finger über die Wange. Er war kalt, eiskalt. Sie zitterte am
ganzen Körper. Dann schüttelte sie heftig ihren Kopf, so dass
ihre braunen Locken durch die Luft wirbelten. „Bitte“, hauchte
das Gespenst, und erst jetzt erkannte Marie, dass es ein Junge
war. Er war schön. Aber wieder schüttelte Marie den Kopf.
„Bitte, Marlatea!“, flüsterte das Gespenst bittend. Marie
starrte ihn an.
„Wie hast du
mich genannt? Marlatea?“, das Gespenst nickte, „Nein, ich will
nicht mit dir weg.“ „Du willst hier allein sein in diesem
gottverlassenen Haus?“, fragte er leise. Sie schüttelte den
Kopf. „Also“, murmelte das Gespenst und zog sie aus dem Fenster
in die kalte Nacht. Marie wollte sich wehren, doch es gelang ihr
nicht. Sie fühlte sich so leicht wie eine Feder und glitt durch
die Nacht. „Wer bist du? Und warum nennst du mich so? Und wohin
gehen wir? Und warum nimmst du mich mit?“ „So viele Fragen“,
hauchte das Gespenst und lies sie los, Marie flog nun selbst
durch die Nacht. „Ich bin Prinz Karolik, und ich nenne dich so
weil du so heißt. Wir gehen an einen schöneren Ort, in das
Schloss unserer Großmutter. Und ich nehme dich mit, weil du dazu
bestimmt bist“
Marie hatte
noch nie ihre Großmutter gesehen. So weit sie sich erinnerte war
sie immer in diesem Haus gewesen. Allein und verlassen. Und nun
sprach dieser Nebel-Junge von ihrer Großmutter, und anscheinend
auch seiner. „Bist du mein Bruder?“ Das Gespenst nickte. „Ich
bin fünf Jahre älter als du. Als unsere Mutter mit dir floh,
wurde ich verbannt für immer ein Gespenst zu sein. Bis an den
Tag, an dem du mich rettest. Deshalb hole ich dich“
„Also wirst
du kein Gespenst mehr sein, wenn ich bei meiner Großmutter
bin?“, fragte ich, wieder nickte er, „Aber warum floh Mutter?“
„Du und ich,
wir sind nur Halbgeschwister. Ich bin der Sohn eines Prinzens
und du bist die Tochter eines - also – eines Dunkelelfens.
Unsere Großmutter verbannte sie, weil unsere Mutter einen
Dunkelelfen liebte. Und dafür wurde Großmutter bestraft.“,
flüsterte Karolik. „An mir“
„Und wohin
fliegen wir?“, fragte sie leise. „Nach Avalon, dem Land der
Zauberwesen“, verkündete Karolik. „Lebt Mutter noch?“, fragte er
danach. „Das weiß ich nicht. Ich glaube ich habe sie ein paar
Mal gesehen“, sagte sie, „Sie hat mir Essen und Trinken
gebracht“ Er nickte nur kurz. Dann flüsterte er: „Mach
Ǒs
Ĭléntã!“
Darauf
erschien eine große Wiese mit lauter bunten Blumen und Bäumen.
Auf einem Berg stand ein prachtvolles schneeweißes Schloss, aus
Türmen bestehend, mit blutroten Dächern. Es war wunderschön,
atemberaubend, und zugleich geheimnisvoll. Der Himmel darüber
war ein reines hellblau. Der Hügel, auf dem das Schloss stand,
war smaragdgrün.
Am Anfang sah
Marie das alles verschwommen, weil sie die haselnuss-grünen
Augen zukneifen musste, weil alles so grell war, doch dann
konnte sie alles mit offenen Augen betrachten.
Langsam
landete sie auf der Wiese, doch trotzdem kam sie sich
federleicht vor. Neben ihr landete Karolik, jedoch in
Menschengestalt. Eine Zeit lang starrte er an sich herunter, und
schien es fast nicht zu glauben. Dann drehte er sich zu ihr um
und lächelte sie an. Zum ersten Mal konnte sie ihn genau
ansehen. Und plötzlich wurde ihr klar, dass er wirklich ihr
Bruder war.
Plötzlich
umarmte er sie und murmelte: „Danke, danke!“
„Nein, ich
habe dir zu danken“, flüsterte sie. Marie sah sich mit großem
Erstaunen im Schloss um. Der ganze Turm in dem sie standen war
schneeweiß, bis auf die purpurnen Wandbehänge. Vor ihr stand ein
großer goldener Thron, mit einem schneeweißen Tisch daneben. Der
Boden war silbern. Rund um die Wand des Turmes standen kleine
weiße Tische, mit goldenen Vasen und Blumen in allen Farben
darin.
Als Marie
nach oben schaute, wurde ihr schlecht, es ging etliche Meter
nach oben. An der anderen Seite des Thrones führte eine Treppe
nach oben, bis zum anderen Ende des Turmes.
Marie
erstarrte als sie ihre Großmutter von der Treppe kommen sah.
Niemand hatte ihr gesagt, dass es ihre Großmutter war, sie
wusste es einfach. Ihre kristallblauen Augen glitzerten, genau
wie Karoliks, und ihre schneeweißen Haaren durchfuhren dieselbe
Farbe von blond wie Karoliks blonde Haare. Ihre Großmutter sah
aus wie ihre Mutter, dass wusste sie plötzlich, und Karolik
schien ihrer Mutter auch sehr ähnlich zu sein. Nur sie Marie,
sah zwar aus wie ihre Mutter, sie hatte dieselben Locken und
Augen, doch sie hatte braune Haare und haselnuss-grüne Augen,
genau wie eine Dunkelelfe. Leicht strich sie sich über das Ohr
und fühlte, dass es zerschlissen war, und spitz zulief. Erst
jetzt fiel ihr das auf. Elf Jahre lang hatte sie es nicht
gewusst.
„Marlatea!“,
rief ihre Großmutter so sanft, freundlich und so, dass Marie
wusste, dass sie sie lieb hatte. Da wusste Marie, dass sie hier
willkommen war. Und sie wusste, dass es ihrer Großmutter nichts
ausmachte, dass sie eine halbe Dunkelelfe war. Und sie wusste,
dass alles, was sie in diesem Moment fühlte, Liebe war. Sie
hatte nun zwei Menschen an ihrer Seite, die sie lieb hatten und
die sie immer lieb haben würden. Sie hatte das größte Geschenk
bekommen, was sie hätte bekommen können: Lieb gehabt zu werden.
"Danke Avalon!",
dachte sie und lachte lauthals fröhlich und drehte sich im
Kreis. Noch nie hatte sie gelacht. Noch nie, bis zu diesem Tag.
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