|
Wie die Enigma
geknackt wurde
Die Enigma war für die damaligen Verhältnisse
außerordentlich gut und theoretisch sehr sicher. Die Deutschen vertrauten
der Enigma völlig. Das war aber ein großer Fehler!
Die Gegner der Deutschen im 2. Weltkrieg, Frankreich,
USA, Polen und England, schafften es, den Code zu knacken. Die Kryptologen
in Polen und England leisteten dabei die wesentliche Arbeit. Das gesamte
Unternehmen an der Entschlüsselung
der deutschen Enigma wurde unter dem Codenamen ULTRA bekannt. Polen
Die polnischen Mathematiker, seinerzeit mit die
besten in der Welt, waren die ersten,
die erkannten, dass die Enigma der Hauptbestandteil der deutschen Verschlüsselungstechnik
ist. Deshalb beschloss das polnische Militär schon 1928, kurz nachdem das deutsche Heer
die Enigma kaufte, in Polen eine eigene Abteilung zu schaffen, die sich
nur mit der Entschlüsselung der Enigma beschäftigt.
4 Jahre lang wurden keine Ergebnisse erzielt. Es
schien so, als würde es nicht gelingen, die Nachrichten der Deutschen
zu knacken. Erst 1932 gelang es dem Mathematiker Marian Rejewski
und seinen
Mitarbeitern in das Enigma-System einzubrechen.
Wie auch schon in der Anwendung der Enigma beschrieben,
wählt der Chiffreur eine Rotor-Anfangsstellung aus und sendet diese
zweimal hintereinander. Für jede neue Nachricht, die verschickt wird,
sollte eine neue Anfangseinstellung ausgesucht werden. Die deutschen Chiffreure waren allerdings so faul, dass
sie eine Anfangsstellung den ganzen Tag lang benutzten.
Das hatte zur Folge, dass jede Nachricht an diesem Tag mit den gleichen
6 Buchstaben begann.
Rejewski, der jeden abgefangenen Funkspruch der
Deutschen untersuchte, fiel dies auf. Er kannte die Enigma, da sie
ja vor dem Krieg frei verkäuflich war, und konnte sich denken, dass
dies die Anfangsstellung der Rotoren sein musste. Mit diesen Hinweisen
und noch einigen sehr komplizierten Folgerungen konnten die polnischen
Kryptologen die Nachrichten der Deutschen entschlüsseln.
1938 kamen bei den Deutschen noch
zwei austauschbare
Rotoren hinzu. Durch die neuen Rotoren wurde das System der Enigma noch komplizierter
und die Polen tappten wieder im Dunklen. Der Aufwand, eine Möglichkeit
zu finden, dies zu entschlüsseln, war viel zu hoch.
Im Juli 1939 traf eine englische und eine französische
Gruppe Kryptologen ein und beriet die Polen, wie sie dieses Problem lösen
konnten.
England
Im Gegensatz zu Polen erkannte man hier
nicht
die Wichtigkeit der Enigma. Es gab zwar eine Einrichtung, die sich mit
dem Entschlüsseln chiffrierter Nachrichten befasste, aber zunächst
nur mit Codebüchern. Diese Einrichtung hieß Betchely Park
und
konnte sich wegen Geldmangel nur sehr langsam weiterentwickeln. Dazu kam,
dass die Marine keine Zivilisten beauftragen wollte und es bei der Marine
nicht genug Spezialisten gab.
Der Expertenkreis bestand aus Mathematikern,
Altphilologen, Rätselspezialisten, Schachspielern und "native spearkers",
Menschen, die von Geburt an deutsch sprachen. Einige der Leute waren sogar
schon beim
"Room 40" dabei gewesen. Dies war der Name der Kryptologieabteilung
in England während des 1. Weltkrieges.
Als hier die Bedeutung der Enigma erkannt wurde, war
es schon fast zu spät. Die Enigma, die man vor dem Krieg noch kaufen
konnte, war auch England bekannt und den deutschen Funkverkehr hörten die
Engländer auch ab, aber sie kamen nicht zu den Ergebnissen, die die Polen schon
lange erreicht hatten.
1938 nahm der Leiter von Betchley Park, er hieß
Dillwyn Knox, an einer Konferenz mit den Polen teil. Leider erhielt er
kaum Einblick in die Arbeit der Polen und dachte deshalb, in Polen hätte
man auch noch keine Erfolge erzielt. Erst im Juli 1939 bekamen die Engländer
die polnischen Aufzeichnungen und Dokumentationen über die Enigma
und konnten diese nun in Angriff nehmen. Alan
Turing 1940 kam Alan Turing in das englische Team.
Alan
Mathison Turing (er lebte von 1912 bis 1954) war ein sehr wichtiger Mathematiker.
Sein Studium am King's College in Cambridge hatte er im Alter von 23 Jahren
abgeschlossen und mit einer preisgekrönten Doktorarbeit bestanden. Danach
widmete er sich besonders der mathematischen Logik und elektronischen Rechnern.
Er war es auch, der als erstes die Theorien und mathematischen Berechnungen,
die zum Einbruch in den Enigma-Code führten, erweiterte. Zusammen
mit seinem Kollegen Gordon Welchman entwickelte er eine "Bombe". Eine "Bombe"
war keine Bombe im eigentlichen Sinne, sondern eine Maschine, die den Enigma-Code
entschlüsselt. Es war somit die Erfindung des Computers. England
hatte zu diesem Zeitpunkt noch die Möglichkeit, alles zu stellen, was
das Team vom Betchley Park benötigte, unter anderem verschiedene
Maschinenteile für die "Bombe" und Papier. Allerdings stellte das Militär
den Leuten dies nicht freiwillig zur Verfügung, denn die Fabriken
benötigten sehr viele Materialien, um Sachen für den Krieg
herzustellen (Flugzeuge, Munition...). Erst nachdem Turing einen bösen
Brief an Churchill schrieb, stellten die Militärs die Materialversorgung bis zum Ende des Krieges
sicher. Das hieß, dass die "Bombe" gebaut werden konnte und kurze Zeit
nach dem Prototypen, wurde sie richtig in Serie gefertigt. Das lief
natürlich alles ganz geheim, darum gibt es über den Bau der Bombe keinerlei
Belege oder Rechnungen.
Die Bomben waren sehr groß (ungefähr 2 Meter hoch und 5 Meter breit) und wurden in Hallen untergebracht. Aufsicht
über die Bomben hatten Frauen, denen man aber nicht gesagt hatte, was
das für Maschinen sind. Die Aufgabe der Frauen war, die Rotoren
an den Bomben nach den Vorschriften der Kryptologen einzustellen und einen
Zuständigen zu informieren, falls eine der Bomben mal stoppt.
Alan Turing hat auch ein Buch über die Entschlüsselung
der Enigma geschrieben. Dieses Buch wurde bis 1996 (!) von der Regierung
geheim gehalten.
Die Fehler der
Deutschen
Sogar die deutschen Soldaten kamen den Kriegsgegnern
beim Knacken der Codes allerdings eher ungewollt zu Hilfe.
Die Wetterberichte, die die deutschen U-Boote im
Atlantik an die anderen schickten, wurden sowohl verschlüsselt als auch im Klartext
übertragen. Das war eine große Hilfe, da die Kryptologen in Polen
und England somit Texte in Geheimschrift und denselben Text auch in Klartext
hatten. Dadurch konnten einige Eigenschaften der Wahl der Schlüssel
festgestellt werden.
Einer der deutschen Funker war angeblich so gelangweilt,
dass er immer wieder auf ein und denselben Buchstaben auf der Enigma getippt
hat. Die Enigma verschlüsselt einen Buchstaben nicht mit sich selber
und auch die Rotoren ändern sich nach jeder Eingabe. Wenn einer also
immer wieder auf einen Buchstaben tippt, bekommt man eine lange Kette von
verschiedenen Buchstaben, die alle Buchstaben außer dem gedrückten
enthalten kann. Dieses Detail, dass in manchen Funksprüche
komplett ein Buchstabe fehlte, fiel einer Mitarbeiterin im Betchley Park
auf. Das kann aber nur sein, wenn der Funkspruch im Klartext aus nur einem
Buchstaben besteht, der immer wieder wiederholt wurde. Daraus konnten nun
die Experten erkennen, wie die Rotoren eingestellt sind.
Manche Funker waren auch so faul, dass sie an mehreren
Tagen die gleichen Grundeinstellungen verwendeten. Somit hatten die Kryptologen
leichte Arbeit.
Ein weiterer Fehler war, dass die deutschen Soldaten
in fast jedem Funkspruch die Worte "Vaterland" und "Kaiserreich" verwendeten.
Das dachten sich die Kryptologen und stellten deshalb die "native speakers"
ein. Das sind Leute deren Muttersprache deutsch ist. Diese durchforsteten
die verschlüsselten Funksprüche nach diesen Worten. So konnten
sie immer recht schnell den Schlüssel herausfinden.
|