Die Erfindung
Sara schaute gedankenverloren auf das alte Buch, welches vor ihr auf dem Tisch lag. Es war in grünes Leder gebunden und von der Schrift auf dem Buchdeckel war nichts mehr zu erkennen. Alle Seiten waren leer. Sara hatte das Buch im Regal gefunden, als sie etwas zum Lesen gesucht hatte. Es war hinter die anderen Bücher gerutscht und sie hatte es noch nie zuvor gesehen. Neugierig hatte Sara das Buch aus dem Regal genommen und nun lag es vor ihr auf dem Tisch.
Was es wohl bedeutete? Vielleicht war es eine Art Notizbuch, das noch nie benutzt worden war? Noch einmal blätterte sie durch die vergilbten Seiten. Gerade kam Sara zu der Erkenntnis, daß das Buch wirklich leer war, da entdeckte sie in der Mitte des Buches ein kleines schwarzes Zeichen. Es war so verlaufen, daß sie es für einen Fleck gehalten hatte. Erst als Sara genau hinsah, erkannte sie, daß es Tinte war. Was das Bild dargestellt hatte, war allerdings nicht mehr zu erkennen. Es konnte genauso gut eine Landschaft wie ein Mensch gewesen sein. Vielleicht auch ein Mensch in einer Landschaft.
Vorsichtig berührte Sara das Zeichen, so als hätte sie Angst, daß es sich unter ihrer Berührung auflösen würde. Aber selbstverständlich tat es das nicht. Schon wollte Sara das Buch wieder zur Seite legen, als sie auf einmal ein Prickeln in den Fingerspitzen spürte, daß sich bald in ihren ganzen Körper ausbreitete. Sara schrie. Doch dann hörte das Prickeln auf. Erleichterung überkam Sara. Aber nur für einen Augenblick. Denn dann bemerkte sie, daß sie sich nicht mehr bei sich zu Hause befand, sondern in einem Wald. Vor ihr leuchtete ein Blaues Tor. Ein leuchtendes Tor mitten im Wald? Wie war das möglich? Außerdem war sich Sara sicher, daß dieses Tor bei ihrer Ankunft noch nicht da gewesen war. Auf einmal trat ein Mädchen aus dem Tor.
Oder tauchte aus dem Nichts auf, so genau vermochte Sara das nicht zu sagen. Das Mädchen hatte lange rote Haare und glitzernde blaue Augen. Obwohl Sara nicht sagen konnte, warum, fand sie, daß das Mädchen irgendwie anders außah. Wie aus einer anderen Welt. Oder einer anderen Zeit. Auch das Mädchen schien überrascht zu sein, fing sich allerdings schneller als Sara und sprach diese an: "Du siehst aus wie aus dem Jahr zweitausend." Sollte das eine Beleidigung sein? "2013", korrigierte Sara sie. "Wir haben 2013."
Das Mädchen starrte sie mit großen Augen an, dann sagte sie: "Nein, wir haben 3050." Sara starrte sie an. Wollte das Mädchen sie veralbern? Wahrscheinlich, was auch sonst. Aber andererseits war da das Tor. Und das Buch. Und die Tatsache, daß Sara hier war. Also überging sie das Jahr und zeigte stattdeßen auf das Tor: "Was ist das?" "Das? Ein ganz normales Portal. Zum Teleportieren."
Sie sagte das so, als sei es das Normalste auf der Welt. "Du stellst dir den Ort vor, an den du willst und dort öffnet sich ein Portal. Es kommt nur darauf an, daß du daran glaubst und es dir ganz genau vorstellt. Das ist so einfach, daß ich nicht verstehe, warum es erst 3028 entdeckt wurde." Obwohl es Sara immer noch schwer fiel, an all das zu glauben, fragte sie neugierig geworden: "Meinst du, es funktioniert auch 2013?" "Natürlich warum nicht? Kommst du wirklich von dort?"
Sara setzte zu einer Antwort an, doch dann bemerkte sie, dass sie sich wieder in ihrem Haus befand. Das Buch war zu Boden gefallen, doch Sara beachtete es gar nicht. Hatte sie das gerade wirklich erlebt? Sara dachte an das, was das Mädchen ihr gesagt hatte. Ob es funktionierte? Sie stellte sich ein Tor in ihrem Zimmer vor und schaffte es sogar, daran zu glauben, daß sie es schaffen würde. Und dann- stand sie in ihrem Zimmer. Wie konnte das sein? Aber Sara kannte die Antwort. Und von wegen erst 3028! 2013 wurde das Teleportieren entdeckt, dafür würde Sara sorgen. Und sie würden ihr auch glauben, schließlich konnte sie es beweisen. Sara lächelte. Wenn das Mädchen das wüßte... Aber vielleicht war genau das ihre Absicht gewesen, als sie Sara von den Portalen erzählt hatte?