Da fehlt doch was
Wie jeden Morgen bin ich in die Schule gefahren. Doch als ich dort ankam, war da keine Schule mehr. Wo gestern noch meine Schule stand, liegt heut ein bracher Acker. Nur zwei große Betonpfosten ragten noch aus der Erde und verrieten, dass ich mich nicht in der Straße geirrt hatte.
In meiner Unsicherheit setzte ich mich auf einen großen Ackerstein. Ich packte mein Buch aus und begann zu lesen. Zwei Feldmäuse, die sich um einen Grashalm stritten, blickten auf. Sonst war keiner da, der sich um mich scherte. Was ist schon eine Maus gegen einen Freund, der einem im trockensten Lateinunterricht noch einen Zettel mit den Worten "nunc gaude" zuschiebt.
Gab es ein Erdbeben von dem ich nichts wusste, oder hätte ich die Zeitung genauer lesen sollen. Müsste ein solcher Artikel nicht auf der Titelseite gestanden haben? Ich liefe die Wiese ab und zu dem Ort, an dem mein Klassenzimmer gestanden hatte. Wo wir gestern noch saßen, blühen heute Wildblumen. Kein Rest blieb übrig und doch geht das alles nicht auf. Ohne Schule bin ich losgelöst und doch versunken wie die Schule auch.
Im diesem Sturz setzte ich mich wieder auf die Erde und griff zu meinen Kreiden. Mitten in der Einsamkeit gibt es keine Neuigkeit und so wartete ich und male meine Zuversicht. Bis spät am Nachmittag saß ich auf dem Feld, dann ging ich nach Hause.
Am nächsten Morgen war die Schule wieder da.