Arme Monika
Monika saß an ihrem Schreibtisch und schaute nach draußen. Vereinzelt schossen bunte Blätter an
ihrem Fenster vorbei, denn draußen war es sehr windig. Entschlossen nahm sich Monika ihren Füller wieder
zur Hand und machte schnell die Hausaufgaben fertig, an denen sie saß.
Dann nahm sie sich einen Rucksack und steckte ihr Tagebuch und eine Stift ein. Schnell zog sie sich ihre dickste
Winterjacke an und die dicken Winterstiefel, dann nahm sie sich den Rucksack und rannte die 5 Stockwerke des Hauses
herunter. Unten angekommen setzte sie sich auf eine Bank im Hof des Hauses. Dort nahm sie sich ihr Tagebuch und ihren
Stift und schrieb hinein:
Liebes Tagebuch, 15. November
Draußen ist es sehr kalt. In der Schule habe ich heute eine mündliche eins bekommen. Aber ich kann immer
noch nicht von den Lippen lesen, obwohl ich doch schon in der dritten Klasse bin. Das kann ich gar nicht verstehen.
Wir üben immer noch noch nur die Zeichensprache, weil 2 oder 3 sie noch nicht können.
Ich habe irgendwie ein flaues Gefühl im Magen. Am Besten ich erzähle Mama davon.
Monika
Damit klappte sie das Buch zu und packte Stift und Buch in den Rucksack. Sie schloss ihr Fahrrad auf, dass im Hof
stand, und dass sie nur benutzen durfte, wenn andere dabei waren. Dann setzte sie sich ihren Helm auf und fuhr los.
Einfach durch die Stadt. Sie wollte das Alleine sein genießen. Doch plötzlich kam ihr Tobias entgegen. Ihr
Bruder schimpfte auch gleich los: "Wie kannst du nur so dumm sein, und alleine durch die Stadt fahren. Mama hat es
dir doch extra gesagt! Du weißt doch, dass das für dich viel zu gefährlich ist, weil ..." Monika hatte
ihn die ganze Zeit angeguckt. "...weil du ja taub bist!", beendete er den Satz und griff sich an den Kopf. Monika
deutete Tobias Platz auf dem Gepäckträger zu nehmen. Zusammen fuhren sie nach Hause. Im Hof schloss sie das
Fahrrad sorgfältig ab, und zog ihren Helm aus. Dann gingen die Beiden wieder in die Wohnung nach oben. Sofort
zog sie sich ihre draußen-Klamotten aus und ging in ihr Zimmer. Kopfschüttelnd sah Tobias ihr nach.
In ihrem Zimmer legte sich Monika auf ihr Bett.
Monika zwinkerte mit den Augen. Sie scheint wohl eingeschlafen zu sein. Müde blickte sie auf die Uhr. 19.30
Uhr schon! Sicher würden sie bald zu Abendessen. Sie sprang auf und lief ins Esszimmer. Tatsächlich
saßen schon alle am Esstisch. Aber keiner aß. Sie hatten auf Monika gewartet. Schnell setzte auch sie sich
an den Tisch. Nun fingen alle an zu essen. Monika erklärte ihrer Mutter in Zeichensprache, dass sie auch gerne
alleine mit ihrem Fahrrad fahren würde, denn sie muss später auch mal eine eigenes Leben führen
würde, und da fährt man auch ohne ständige Begleitung mit dem Fahrrad.
Schließlich willigte ihre Mutter en, doch nur kurze Strecken. Dann fragte sie ihre Mutter, wann sie denn mal
auf eine öffentliche Schule darf.
Ihre Mutter antwortete nur widerwillig. Sie müsste von den Lippen lesen können und wahrscheinlich auf ein
Internat. Damit gab sie sich zufrieden und aß fertig. Nach dem Essen fuhr sie mit dem Fahrrad zu ihrer Lehrerin.
Diese war sehr überrascht darüber, dass Monika zu ihr kam. Monika fragte sie, ob sie bald mit dem Lippenlesen
anfangen würden.
"Gleich morgen werden wir damit anfangen", antwortete Die Lehrerin in Zeichensprache.
Und tatsächlich fingen die Kinder am nächsten Tag damit an.
Am Ende des 4. Schuljahres sagte die Lehrerin: "Jetzt ist es so weit. Ihr könnt von den Lippen lesen, und
damit eine normale Schule besuchen. Bitte sagt euren Eltern, dass sie euch nächstes Jahr auf eine
öffentliche Schule in die 5. Klasse anmelden. Ich wünsche euch viel Glück für euer weiteres Leben."
Damit war das 4. Schuljahr beendet und Monika rannte den ganzen Schulweg nach Hause. "Mama! Ich darf nächstes
Schuljahr auf eine öffentliche Schule!", erzählte sie aufgeregt in Zeichensprache. Ich Mutter kam langsam
zu ihr, und Monika erschrak, als sie sah, dass ihre Mutter traurig aussah. "Was hast du?", fragte sie. "Freust du dich
denn nicht für mich?"
Ihre Mutter lächelte. "Doch...", fing diese an zu stottern, meinte dann aber fröhlicher und immer
fröhlicher werdend: "...doch! Mein kleiner Schatz wird groß!" Dann fingen beide an zu lachen und nahmen
sich in den Arm.