Der Fluch der Schatten
Hallo,
in diesen Sommerferien habe ich in der Kinderakademie an einem workshop "pssst ... geheime Schreibwerkstatt" teilgenommen, dort habe ich "Der Fluch der Schatten" geschrieben.
Prolog
Es war eine stürmische Nacht. Keiner war draußen zu sehen. Oder? Doch! Ein dunkler Schatten huschte durch die Tempelstraßen von Monteverde. Dann verschwand er in einem kunstvoll verzierten Haus. Kurz darauf hallte ein gellender Schrei durch die Nacht.
Emma lag auf dem Sofa und schlief. Mit ihren Freunden hatte sie bis in die Nacht gefeiert, doch irgendwann waren sie eingeschlafen: Emma lief über eine Blumenwiese. Glücklich flog sie mit den Schmetterlingen hoch ... als plötzlich ein lautes Geräusch sie aus den Träumen riss. Verwirrt blinzelte sie um sich. Was hatte sie geweckt?
Da war es wieder! Ein schriller Schrei hallte durch die Nacht. Emma sprang auf und lief zum Fenster. Sie sah nur noch einen wehenden Umhang und ... Moment mal - was war das? Im Licht der Straßenlaternen erkannte sie einen Gegenstand. Trotz der spärlichen Beleuchtung wusste sie sofort, was es war: Dort lag ein funkelnder Brillantring.
"Also", fasste Tom zusammen, "du hast also in der Nacht eine Gestalt mit einem Umhang gesehen, die eilig davonlief und dabei einen Brillantring verlor?" Emma nickte. "Und ...", begann Emma. Doch sie kam nicht weiter. Ein lautes Klirren unterbrach sie. "Oh, nein", sagte Philipp, beschlichen von bösen Vorahnungen.
Als die drei hereinkamen, blieben sie wie angewurzelt stehen und starrten auf das, was zu ihren Füßen lag. Inmitten von Scherben lagen drei Puppen mit abgehackten Köpfen. Aus ihren Hälsen quoll eine blutrote Flüssigkeit. Das Schlimmste aber war: Die Puppen sahen genauso aus wie die drei Detektive. Emma fand als Erste die Sprache wieder. "Voodoo-Puppen", sagte sie leise. "Irgendjemand will, dass uns etwas zustößt."
Philipp raufte sich die Haare. "Das kann doch nicht wahr sein", flüsterte er heiser. "Der uralte Familienschatz, Gold, Silber, Juwelen, alles! Alles weg." Er seufzte. Die anderen hatten ihn noch nie so verzweifelt gesehen. Mitten im Raum blieb er stehen und reckte die geballte Faust in die Höhe. "Wir werden diesen Dieb finden!" rief er. "Koste es, was es wolle." Emma und Tom schlugen ein. "Klar, wozu sind wir schließlich Detektive?" riefen sie im Chor. Dabei stieß Philipp mit dem Fuß gegen den Scherbenhaufen und ein verblichenes Pergament kam zum Vorschein. Tom hob es auf. Ein altes, zerkratztes Wachssiegel fiel heraus. Emma betrachtete es neugierig.
"Das sieht aus wie das uralte Siegel von König Herold XIII.", erklärte sie fachmännisch. "Und das ist eine alte Urkunde." Da steht: "Hiermit übertrage ich, König Herold XIII., der Müllers Familie einen Fluch, dass sie auf ewig räuberische Schatten sind!" Die Freunde starrten sich verwirrt an:"Wartet! Hier steht noch was." Wort für Wort entzifferte Tom die kleine Schrift. "Anno dazumal, sei vorbei! Was immer auch geschehen sei. Vergesst die alte, traurige Zeit! Macht euch bereit für neuen Eid." Die drei Detektive sahen sich verwirrt an. Was sollte das bedeuten? "Es gibt nur eine Familie Müller und das sind wir", sagte Philipp.
Emma lag in ihrem Bett und dachte nach. In ihrem Kopf ging alles drunter und drüber. Da wurde sie durch ein leises Rascheln aus ihren Gedanken gerissen. "Antonia", flüsterte sie schläfrig. "Lass meine Sachen in Ruhe!" "Ich bin nicht deine Schwester", zischte eine Stimme. Emma bekam Angst. "Wer ... wer sind Sie?", wollte sie fragen, brachte aber nur ein heiseres Krächzen zustande. Die Gestalt kam direkt auf sie zu! Jemand beugte sich über sie. Sie spürte den heißen Atem in ihrem Gesicht. Emma schrie entsetzt auf. Etwas Großes, Unförmiges kam direkt auf sie zu und berührte sie. Sie spürte einen heftigen Stoß, dann war alles dunkel.
Als Emma wieder zu sich kam, befand sie sich in einer kleinen, engen Zelle. Fenster und Türen waren vergittert. Es gab einen Lüftungsschacht. Die Öffnung war so groß, dass man hätte hineinkriechen können, doch Emma sah es nicht.
Verzweifelt ließ sie sich auf die schmale Pritsche fallen. Wo war sie? Und würde sie je wieder herauskommen? Da ertönte ein lauter Knall. Das Gitter des Lüftungsschachts war heruntergefallen. In der Dunkelheit grinste ihr Philipps Gesicht entgegen. "Komm, ich zieh dich hoch!", flüsterte er. "Dann können wir fliehen!" "Gut, aber beeil dich!", erwiderte sie glücklich. "Ich höre Schritte!"
Kaum war Emma oben, kam tatsächlich jemand in den kleinen Raum. Der Unbekannte ging noch einen Schritt weiter ... und noch einen ... und dann legte sich ein Seil um ihn und zog ihn hoch. Aus einem Loch im Dach blickte Tom hinunter. "Na, wie hab ich das gemacht?", fragte er stolz. Dann, wie in einem geheimen Einverständnis, zeigten die drei auf die da hängende Gestalt und riefen im Chor: "Anno dazumal, sei vorbei! Was immer auch geschehen sei. Vergesst die alte, traurige Zeit! Macht euch bereit für neuen Eid." Dann konnten sie nichts mehr sehen. Als der Nebel sich lichtete, blickten die drei Detektive auf einen ganz normalen Jungen!
Später fanden sie heraus, dass er Aron Müller hieß und eigentlich sehr nett war. Natürlich gab er dann noch alles zurück und entschuldigte sich mit Schokolade und Rosensträußen.