| Schon seit Tagen
lebten Pommfritz und Pommfrieda tiefgekühlt in ihren
Familienpackungen nebeneinander. Beide freuten sich auf das
größte Ereignis, dass einer Pommes und einer Krokette passieren
konnte: Bei einer super Grillparty in Ketchup oder anderen
köstlichen Soßen getunkt zu werden. Obwohl die Pommes Frites und
die Kroketten aus der ein und der selben Kartoffel gemacht wurden,
stritten sich die Familien immer wieder darum, wer wohl besser
aussieht oder wer als erstes gekauft wird.
Ihre spannende Geschichte begann
an einem Samstagmorgen. Der Supermarkt war wie immer total
überfüllt und die beiden Familienpackungen lagen immer noch
unberührt in einer der Tiefkühltruhen. Wieder einmal genügend
Zeit für die Pommes und Kroketten, einen Familienzank in der
Truhe zu veranstalten. Ein Wort gab sich dem anderen:
"Ihr werdet nicht gekauft,
weil ihr klein und dick seid und schwer im Magen liegt!",
tönt es aus der Pommespackung. - "Und euch langen dünnen
Zahnstocher da drüben will keiner haben, weil ihr nicht mal
richtig satt macht!", kommt es triumphierend aus der anderen
Tüte.
So ging es schon seit Tagen.
Unter diesen Umständen war kein Frieden in Sicht.
Als der Streit wieder mal
heftiger wurde, passierte es. Die Schiebetür der Tiefkühltruhe
wurde geöffnet und eine Hand griff nach beiden zankenden
Packungen und warf sie in den Einkaufswagen. Durch den harten
Aufprall wurden Pommfritzes und Pommfridas Familie in der Tüte
durcheinander gewürfelt und endlich war "Ruhe im
Karton".
Erst als sich der Einkaufswagen
in Richtung Kasse bewegte, wurde den Pommes und Kroketten klar,
was nun mit ihnen geschah: Auf
zur lang ersehnten Party.
In beiden Packungen tat sich
durch den Aufprall ein Riss auf, aus dem Pommfritz und Pommfrieda
die Möglichkeit hatten, einen Blick nach draußen zu erhaschen.
Sie sahen beide, dass ihr Weg über einen Parkplatz ging und vor
einem großen Auto Endstation war. Mit einem Ruck wurden beide
Packungen aus dem Einkaufswagen gehoben.
Da passierte es. Pommfritz und
Pommfrieda, die sich zu weit aus dem Loch hinauslehnten und das
Gleichgewicht verloren, flogen aus ihren Tüten heraus. Zwar
gelang es Pommfrieda, sich ein paar Sekunden festzuhalten, aber
als die Packungen in den Kofferraum des Autos geschleudert wurden,
verlor sie den Halt und stürzte nach unten. Nach einem kurzen
Aufschlag lag auch sie neben dem winselnden Pommfritz auf dem
Boden. Pommfrieda rappelte sich als erste wieder auf und sah, wie
das Auto mit beiden Familienpackungen davon fuhr. Erst ihr zweiter
Blick galt Pommfritz. Der lag mit schmerzverzerrtem Gesicht vor
ihr.
"Komm Pommfritz ich helfe
dir auf", sagte Pommfrieda und reichte ihm die Hand. Aber
Pommfritz schlug sie ihr aus und sagte unter Schmerzen, da er sich
einige Schürfwunden zugezogen hatte, "Nein,
das schaffe ich auch alleine".
Als er die Worte ausgesprochen
hatte, sah Pommfrieda plötzlich einen mächtig großen Autoreifen
auf sich und Pommfritz zu rollen. In letzter Sekunde schaffte sie
es, sich und Pommfritz vor dem matschigen Tod zu bewahren.
"Ich habe doch gesagt ich
schaffe das alleine!", stieß er entrüstet hervor und
bemerkte wohl gar nicht, dass Pommfrieda ihm gerade eben das Leben
gerettet hatte.
Etwas beleidigt ließ Pommfrieda
seinen Arm los, den sie immer noch fest umklammerte.
Gerade wollte Pommfritz
demonstrieren, wie er es auch ohne ihre Hilfe geschafft hätte aus
der Gefahrenzone zu kommen, als er durch eine Unachtsamkeit
plötzlich in einen Gullyschlitz fiel und sich gerade noch
rechtzeitig mit seiner rechten Hand festhalten konnte.
"Wie war das? Ich schaffe
das auch alleine!", entgegnete ihm Pommfrieda, während sie
neben dem Gully kniete.
Wieder musste Pommfrieda die
dünne Pommes retten und zog ihn mit aller Kraft aus dem Gully.
Pommfritz war erleichtert, ließ es sich aber bestimmt nicht
anmerken.
Er machte seine Mütze sauber und
sagte, ohne ein Wort des Dankes an Pommfrieda zu verlieren:
"Wir müssen jetzt die anderen finden!"
Doch seine Unfreundlichkeit währte
nicht lange, da aus dem Gebüsch neben ihnen eine große
schnuppernde Hundenase hervor lugte.
Pommfrieda erkannte sofort die
Gefahr und schrie Pommfritz zu: "Renn weg, ein Hund."
Pommfritz, der das akustisch
nicht verstanden hatte, entgegnete ihr fragend: "Warum
soll ich rennen?"
Ohne lange zu Fackeln ergriff
Pommfrieda wieder seine Hand und rannte mit ihm davon. Das bekam
der streunende Hund mit und eilte ihnen mit Gebell hinterher. Sie
rannten und rannten. Im Eifer des Gefechtes bekam Pommfritz
überhaupt nicht mit, warum und vor wem sie davonliefen.
Erst als er nach hinten schaute
und die schwarze kalte Schnauze des Hundes sah, war ihm alles
klar. Der kläffende Hund kam immer näher und näher. Pommfritz
konnte schon seinen warmen Atem im Genick spüren. Der Hund setzte
zum Sprung an, er hätte sie bestimmt bekommen, wenn Pommfrieda
nicht die rettende Idee gehabt hätte, sich nach links in die
dichten Büsche zu schlagen. Völlig außer Atem blieben beide
liegen.
Pommfritz bemerkte, dass er seine
über alles geliebte Schildmütze bei dem Hechtsprung in die
Hecken verloren hatte. Aufgeregt schimpfte er vor sich hin.
Pommfrieda ergriff wieder die Initiative und meinte nur: "Dann
müssen wir sie halt suchen!!"
Vorsichtig streckte sie ihren
Kopf durch's Gebüsch. Sie schaute nach links, dann nach rechts.
Da lag die Mütze. Und kein Hund in Sicht. "Der
muss sich wohl verzogen haben", dachte sie sich.
Langsam kroch sie aus den Hecken
und schlich sich, dennoch vorsichtig, zur Mütze. Pommfritz blieb
verängstigt im Gebüsch sitzen und beobachtete die mutige Aktion.
Als Pommfrieda die Mütze in der Hand hielt und sauber machte,
bemerkte Pommfritz den Hund hinter ihr. Wie ein Blitz aus heiterem
Himmel stand er wieder da. Hatte sich wohl gedacht, dass sie
wieder raus kommen. Pommfritz bekam vor lauter Schreck keinen Ton
heraus, um Pommfrieda zu warnen. Lautlos näherte sich der Hund
Pommfrieda , machte sein Maul auf und.....
Er hätte sie wohl gefressen,
doch Pommfritz nahm all seinen Mut zusammen und schoss mit
Gebrüll aus dem Gebüsch geradewegs auf Pommfrieda zu und stieß
sie zur Seite.
Ohne lange darüber nachzudenken
nahm er diesmal Pommfrieda bei der Hand und rannte mit ihr davon
bis der Hund nicht mehr zu sehen war. Dieser war auch so verdutzt
darüber, dass er wie versteinert stehen blieb. An einer Straßenecke
stoppten beide und rangen nach Luft.
Atemlos kam ein "Danke"
über Pommfriedas Lippen. - "Nicht
der Rede wert. Eine Hand wäscht die andere", keuchte
Pommfritz.
Ohne es zu merken, entwickelte
sich zwischen ihnen eine Freundschaft.
Schon bald setzten die zwei ihre
Suche nach ihren Familien fort. Nach zwei Stunden aussichtsloser
Suche setzte sich Pommfritz enttäuscht auf den Bordsteinrand.
Pommfrieda setzte sich dazu. Sie bemerkte, dass Pommfritz ein paar
Tränen über die Wangen liefen. Genauso enttäuscht darüber,
nicht bei der Party dabei zu sein, legte sie tröstend ihren Arm
über seine Schultern.
"Wir finden sie, du wirst
sehen", sagte sie und Pommfritz meinte, ein wenig Optimismus
in ihrer Stimme zu hören. Aus der Ferne vernahmen sie auf einmal
ein lustiges Geschrei. Sofort
erkannten sie beide die Stimmen ihrer Familien.
So ein Zufall. Direkt hinter
ihnen war ein riesengroßer Garten, der von einem Holzzaun umgeben
war. Daneben stand eine Garage. In dieser stand das Auto, mit dem
die Packungen fortgefahren waren. Pommfrieda erkannte es sofort
wieder.
"Das Auto, das Auto, wir
haben sie gefunden", kreischte sie. Vor lauter Freude
umarmten sie sich. Doch als sie merkten, was sie da taten, ließen
sie verschämt voneinander ab.
"Also nichts wie rein",
sagte Pommfritz verlegen. Sie stiegen durch den Holzzaun und sahen
einen riesengroßen Garten vor sich. Immer dem Geschrei folgend,
näherten sie sich dem Haus, in dem die Leute wohnten, die die
zwei Familienpackungen gekauft hatten. Auf der Terrasse stand ein
großer Tisch, auf dem die Pommes und Kroketten fröhlich in die
Friteuse sprangen. Vor lauter Übermut flogen plötzlich fünf
Pommes vom Tisch, direkt vor die Füße von Pommfritz und
Pommfrieda.
"Da liegen Pommes auf dem
Boden, feg sie doch bitte weg!!", sagte die Frau aus dem
Haus. Kurz darauf wurden die fünf Pommes, die ganz benommen auf
dem Boden lagen, von einem Mann aufgefegt und in den daneben
stehenden Mülleimer geworfen. Pommfritz und Pommfrieda, die das
ganze Geschehen beobachtet hatten, konnten sich noch rechtzeitig
in Sicherheit bringen. Die anderen schauten entsetzt über den
Tischrand.
Als die Gefahr vorüber war,
kamen die beiden wieder hervor. Aus dem Mülleimer konnte man laut
und deutlich die Hilfeschreie der fünf Pommes hören.
"Wir müssen ihnen
helfen", drängte Pommfrieda. - "Lass
doch die eingebildeten Pommes wo sie sind. Die haben es nicht
anders verdient", kam es von den Kroketten auf dem Tisch
gerufen. "Eingebildet hin oder her, ich gehe jetzt hin und
helfe ihnen", sagte Pommfrieda entschlossen. "Und
ich helfe mit", fügte Pommfritz hinzu.
Zum Entsetzen ihrer Familien
öffneten die beiden mit einem beherzten Sprung auf den Fußtreter
des Mülleimers den Deckel und warfen ein langes Seil hinein, das
Pommfritz neben dem Eimer liegen sah. An dem Seil konnten sich
alle fünf verunglückten Pommes hochziehen und retten.
Als sie sich alle aus dem Eimer
gerettet hatten und sich stürmisch bei Pommfritz und Pommfrieda
bedankten, war die Freude natürlich riesengroß. Die Kroketten
auf dem Tisch hatten alle ein schlechtes Gewissen gegenüber den
Pommes und man sah es ihnen an, denn
ihre roten Köpfe konnten sie nicht verbergen.
Gemeinsam kletterten Pommfritz
und Pommfrieda mit den fünf Pommes an der Tischdecke hinauf zu
den anderen. Oben angekommen wurden sie alle stürmisch von allen
Pommes empfangen. Pommfriedas Familie entschuldigte sich bei allen
für ihr Verhalten.
Pommfritz und Pommfrieda schauten
sich tief in die Augen. "Freunde?", fragte Pommfritz und
hielt ihr seine Hand hin. "Freunde!",
sagte Pommfrieda, nahm seine Hand, zog ihn zu sich und drückte
ihn ganz fest. Auch die Pommes und Krokettenfamilien reichten sich
freundschaftlich die Hände.
Nun konnte doch noch eine
gemeinsame Superparty steigen. Hand in Hand sprangen Pommfritz und
Pommfrieda glücklich in die langersehnte Friteuse.
|