Die Blinde Kuh - Suchmaschine für Kinder
Die Suchmaschine für Kinder - ©1997 Birgit Bachmann und Stefan R. Müller
Informationen zur Blinden Kuh : Kindersuchmaschine?
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Zielgruppe " Kinder" - Wer ist das eigentlich?

Vorweg, diese Suchmaschine hier heißt nicht "Kindersuchmaschine", weil der Ausdruck ein wenig irreführend ist. Gemeint ist ja nicht, dass Kinder gesucht werden sollen, sondern dass Kinder damit suchen können. In der Tat gibt es aber auch Suchmaschinen oder Websites, mit deren Hilfe nach vermissten Kinder gesucht wird, oder auch Angebote, auf denen Kinder andere Kinder kennen lernen können, sozusagen auch damit Kinder suchen.

Aus diesem Grund nennen die meisten Leute derartige Suchmaschinen "Suchmaschinen für Kinder". Eine Suchmaschine ist nicht eine kleine Linkliste, die durchsucht wird, sondern ein schon etwas komplexerer Aparillo. Es werden auch nicht nur "Kinderseiten" durchsucht, sondern auch Seiten, die gar nicht an Kinder gerichtet wurden, aber Inhalte enthalten, die für Kinder interessant sind. Damit diese überhaupt nahezu punktgenau ihre Sachen finden, ist ein angemessen breiter und tiefer Suchraum notwendig, wobei jede einzelne Adresse einer möglichst optimale und regelmäßige Prüfung unterliegt. Ebenso notwendig ist eine an "kindliche" Begriffsysteme und Denkgewohnheiten angepasste Suchlogik. Wie gesagt, im optimalen Falle. Das kann natürlich nur angestrebt werden, denn auch die Kinder lernen ja mit dem Angebot dazu. Deren Suchgewohnheiten reifen sozusagen mit den vorhandenen Navigations- und Suchmöglichkeiten im Internet.

Allzu viele Suchmaschinen für Kinder gibt es eigentlich nicht, und in den wenigsten Fällen werden diese Grundlagen dann auch beherzigt.

Dies hier ist so gesehen auch kein "Kinderportal", da der Begriff inflationär im Internet gehandhabt wird. Die meisten, die sich so nennen, vermeiden es ja, auf die Kinderseitenlandschaft fair und angemessen zu verweisen, sind zudem eher bunt als denn wirklich ein Portal mit echter Portalfunktion. Sie halten die Kinder eher vom Angebot im Internet fern, um ihr eigenes Angebot in den Vordergrund zu bringen, aus diversen Gründen, die hier an dieser Stelle nicht näher beleuchtet werden müssen. 

Ziel einer Suchmaschine für Kinder ist es, dass möglichst viele Kinder möglichst einfach ihre Sachen im Internet finden, ohne jedes mal auf eine Suchmaschine für Erwachsene zurückgreifen zu müssen. Jedes Kind, dem diese Art Zugriff vorerst reicht, ist ein Kind, das nicht in der "Gefahrenzone" der Erwachsenen surft, sich dort dumm und dösig suchen muss und irgendwo dann verloren geht. Eine solche Suchmaschine als Alternative, die zudem die Kinder, die ja alle freiwillig auf den Seiten sind, mit ihrer Leistung und ihrer Qualität überzeugen kann, und eine nennenswerte Anzahl an Nutzern hat, leistet somit aktiv und real Kinder- und Jugendschutz. Sie ist damit keine Zensur, in der Form, dass sie einfach nur etwas aus dem Internet wegschneidet, sondern sie ist ein Mehrwert in der Form, dass sie etwas speziell und extra für die Kinder im Netz zum vorhandenen Internet dazustellt. Und sie ist ein Mehrwert, weil sie die Sachen für Kinder in den Vordergrund rücken kann, die man sonst eigentlich eher nur schlecht finden würde in den Suchmaschinen der Großen und in den Pressemeldungen der klassischen Medien. Es reicht dabei einfach nicht aus, einige wenige Kinderseiten nur im Suchraum zu haben, da das meiste, was Kinder im Internet suchen, gar nicht auf Kinderseiten ist und so die Kinder eher oft (eigentlich sogar zu oft) aus diesem "geschützten" Bereich ausbrechen müssen. Eine Suchmaschine für Kinder ist dennoch nur so gut, wie die Kinderseitenlandschaft reichhaltig und auch stabil ist und wie die Angebote jenseits der Kinderseitenlandschaft auch für Kinder begehbar sind.

Das "für Kinder" besagt , dass es kein Angebot für Erwachsene ist. Es ist daher völlig uninteressant, ob Erwachsene mit diesen Suchmaschinen Dinge finden oder nicht. Es ist keine Suchmaschine für die Familie in dem Sinne, zumal wir stark bezweifeln, dass Kinder im Alter von 12 Jahren nur im familiären Kontext surfen.

Entscheidend ist daher die Frage, von welchen Kindern denn hier überhaupt die Rede ist.

Nach dem Jugendschutzgesetzen in Deutschland sind Kinder diejenigen, die noch nicht das 14. Lebensjahr erreicht haben. Die ab 14 Jahren sind Jugendliche, wenngleich noch junge Jugendliche, also die jüngsten Jugendlichen, die es nach dieser Definition geben kann. Das wäre eine obere Grenze, die man im Auge behalten kann. Man muss auch sehen, dass die 14-jährigen nicht all zu gern im Kontext "Kinder" surfen, da es ihnen auch nicht immer sonderlich viel bringen wird. Selbst die 12-jährigen interessieren sich nicht nur für Lego-Steine oder Barbie-Puppen, sondern eher für Sport, PopStars, Modells und Fernsehen, wollen natürlich auch schon erwachsen sein, und das haben, was auch 15-jährige haben dürfen.

Die untere Grenze ergibt sich aus eher natürlichen Gründen dadurch, dass Kinder, die ins Internet huschen und Informationen über das Internet einnehmen möchten, schon einmal in der Lage sein müssen, lesen zu können. Die Aussage, "Kinder wollen nicht lesen" ist Unsinn, denn im Internet müssen sie lesen. Und man wird erstaunt sein, wie der lesefaulste Junge der Welt ganz genüsslich Spielanleitungen komplexer Spiele durchlesen kann. Sogar auf Englisch. Nicht alles, ja, okay, aber jeden Tag einwenig mehr. Fragt man Kinder, ob sie lieber spielen oder lesen wollen, sagen die meisten vielleicht "Spielen", aber im Internet die voll krassen Spiele zu spielen, heißt oft, mehr lesen müssen, als die textlastigste Schulseite aufzuweisen hat. Es geht ja schon bei kleinen Dingen los. Der Grafiktreiber will nicht, Spiel geht nicht. Zudem, wo muss ich durch welchen Raum, um welche Probleme im Spiel nicht zu haben? Dafür gibt es Spielerberichte und cheatz und was nicht alles, ellenlange Texte halt. Und, unter uns, wir reden hier nicht von Schiebepuzzles.

Damit dürfte die Kleinkindgruppe eher komplett als Superuser für Suchmaschinen und echte Internet-Angebote herausfallen. Sie können ja noch nicht einmal lesen, was da alles auf mancher Kita-Homepage steht. In diesen unteren Altersstufen sollte man sich auch überlegen, warum man nun unbedingt diese Frischlinge ins Internet drücken muss. Dass Firmen hier gern von "kindgerechten Angeboten" reden, die auf diese Kinder warten, ist ja klar. Aber, dass diese Kinder sich eben allein aufgrund der eher textlastigen Internet-Angebote kaum orientieren können, scheint oft gar nicht bedacht zu sein, auch wenn es 100 mal auf der pädagogisch wertvollen Elternseite geschrieben steht. Erstaunlicherweise planen Strategen meistens Kinderseiten so, dass sie möglichst wenig Text (und damit eigentlich auch bescheiden wenig echte Information) enthalten, vollgespickt mit Sympathiefiguren sind und dass alle "Bereiche" mehr lustigere als denn klare und eineindeutige Namen aus dem Alltag der Kinder tragen. Man ahnt auf dem ersten Blick oft einfach nicht, wo genau die Sachen sind, die man nun haben will. Es wird somit eher alles getan, dass kein Kind auf Anhieb verstehen soll, worum es auf diesen Seiten überhaupt geht. Doch, die für äußerst jüngere Kinder gedachte Oberflächegestaltung ist für die Kinder, die eigentlich im Netz frei surfen, eher eine Beleidigung. Sie suchen nicht Leuchttürme mit Augen und Mund drauf und Blink-blink, sondern sie suchen Leuchttürme. Sie suchen nicht Autos mit Augen und Mund drauf und Tut-tut, sondern sie suchen Autos, echte Autos. Sie suchen ernsthaftere Erklärungen. Dass ein Leuchtturm eine bestimmte Funktion für die Schifffahrt hat, wissen sie. Das langweilt dann bei der 100. Leuchtturmseite. Was aber genau die verschiedenen Lichter zu bedeuten haben, das wissen sie nicht, und das wollen sie aber wissen, doch es wird ihnen dann einfach nicht erklärt mit dem pädagogisch wertvollen Hinweis, das wird dann zu textlastig. Wir haben es hier also eher mit einer Zielgruppe zu tun, die "mehr" wissen will, mehr, als sie eh schon weiß und mehr als sie in ihrer klassischen Umgebung, Fernsehen, Schule, Alltag, Bücher zu finden vermag, und die nicht unbedingt mit einem kleinen Kidsportälchen glücklich zu machen sind. Ja, Kinder wollen Wissen, auch die kleineren. Nur eben, geht es vielleicht auch mal ohne Augen und Mund drauf?

Sagen wir, Kinder müssen nicht nur lesen können, sondern auch lesen wollen, um echte Online-Kiddies zu werden, dann sieht das Ganze schon etwas anders aus. Die Grenze nach unten ist damit bei Lesen können, etwa 6 Jahre und bei Lesen wollen und auch Verstehen können, etwa bei 9 Jahren. Da dies ein gesellschaftlicher Bezug ist, kann man hier eigentlich nicht von Altersstufen reden, sondern von Erziehungs- und Bildungsstufen und man muss die Kulturräume im Auge behalten, die nun mal nicht alle gleich sind.

Fokussiert wird damit eine Zielgruppe, die in etwa zwischen 9 bis 13 Jahren alt ist.

Genau diese Gruppe definiert sich aber nicht freiwillig gern als "Kinder", egal was Gesetze und Erziehungssysteme definieren. Das macht den Ausdruck "Suchmaschine für Kinder" etwas schwer. So kommt es nicht selten zur absurden Situation, dass eine 11-Jährige via E-Mail schreibt, das ist doch alles nur für Kinder! Das macht aber nichts. Sie können sich von uns aus auch "Rentner", oder "Außerirdische" nennen, oder was immer sie wollen. Aber ganz sicher ist es nicht die teletubbie-Zielgruppe.

Ein weiteres Problem, das jedes Bewertungssystem hat, das etwa Inhalte oder Darstellungsweisen altersgerecht (was ja als solches schon fragwürdig ist) unterscheiden möchte, ist, dass diese Kinder nicht gleich sind, auch dann nicht, wenn sie überall einfach gleich gemacht werden. Weder innerhalb der Altersstufen, noch innerhalb ihrer Herkunft oder ihres Geschlechtes. Sie haben allesamt meist völlig verschiedene Interessen und so wie Erwachsene, nur noch ein paar Stufen härter, weichen sie ungern von diesen Interessen ab, lassen kaum neue oder auch mal ganz andere Dinge gelten. Die sogenannte "kindliche Neugier" ist meist nur mit einem Aufwand an didaktischer Begleitung zu erreichen, und selbst das gilt nicht immer. Kinder dieser Alterstufen kommen in "das schwierige Alter". War die Welt vorher aufregend oder langweilig, wird sie nun durch den Versuch der eigenen Wertsetzung relativ schnell schwarz und weiß. Na ja, die meisten Eltern und Lehrer wissen, was wir meinen.

Zwei wesentliche Komponenten wirken auf das Interesse dieser Kinder ein: Das Fernsehen und vergleichbare Massenmedien und natürlich die Schule. Nicht zu unterschätzen ist aber auch der Gruppendruck.

Entsprechend sehen die Suchanfragen bei Suchmaschinen für Kinder aus. Läuft ein Film über Dinosaurier in den Kinos an, so wird der Medienrummel und die Vermarktung dafür sorgen, dass die Kauflustigkeit für entsprechende Fan-Artikel steigt, und somit auch das Interesse an den Helden dieses Films und an dem Thema überhaupt. Ebenso ist deutlich, dass Lehrpläne in den Schulen auf die Kinder einwirken, was die häufige Anfrage an "Wasserkreislauf" oder "Kontinentalverschiebung" bescheinigt. Dennoch bleiben Urinteressen, wie etwa "neue Freunde finden" und "Spiele".

Eine Suchmaschine für Kinder soll eigentlich nur das World Wide Web (und nicht gleich das ganze Internet) soweit zugänglich machen, dass ein Kind relativ einfach und schnell, passende Seiten zu seinen Suchworten findet. Das ist eigentlich auch das einzige Kriterium. Sie muss nicht aussehen wie Kiddyseiten, sie muss nicht bunt sein und voll mit Flash-Animationen. Sie muss auch nicht bescheuerte Töne von sich geben oder gar "Muh" machen. Man muss mit ihr auch nicht interaktiv sein. Sie muss nur das finden, was Kinder suchen. Sie muss leicht zu bedienen sein, der Sprache und der Denkweise der Kinder folgen, und in ähnlicher Relation wie im Alltag dieses einen suchenden Kindes die passenden Seiten assoziieren. Tut sie das alles nicht, ist das Müll und wird von den Kindern durch das Ausbleiben der Wiederkehr ihrer Besuche gnadenlos abgestraft.

Dies erzeugt ein ziemlich merkwürdiges Problem. Eigentlich ist eine Suchmaschine für Kinder so gar nicht "möglich", da sie Dinge von den Kindern abverlangt, die man eher selten bei denen beobachtet. Nicht umsonst behaupteten jahrelang Pädagogen, dass die Blinde Kuh, um ein Beispiel zu nennen, nicht für Kinder didaktisch geeignet wäre, da sie eben Dinge enthält, die vorrausgesetzt werden, aber nicht zu den "Urkräften" der Kinder gehören. Das stimmt irgendwie. Es stimmt auch, dass die Blinde Kuh nicht erst die Kinder mit Hilfeseiten zustopft. Interessanterweise neigen Angebote für Kinder dann dazu, nachdem sie eine möglichst textarme Navigation auf den Seiten aufgebaut haben, in ellenlangen und eher leserunfreundlichen Einführungs- und Hilfetexten das alles erklären zu wollen. Ein Zeichen dafür, dass die Sache so selbsterklärend dann wohl doch nicht ist. Die Lösung, begleitend Hilfetexte zur Verfügung zu stellen, ist etwas weltfremd gedacht. Auch bei Suchmaschinen für Erwachsene gibt es schmale Hilfeseiten, aber auch da werden die kaum gelesen. Man versucht es einfach und man fragt seine Kollegen nach Tipps und Tricks. Somit muss die Gesamtmasse an Suchmaschinenbausteine gar nicht für alle Kinder sofort innovativ einleuchten. Die einzelnen Bausteine stellen nur eine Unterstützung für die Suche dar, haben ansonsten aber keine notwendige Funktion. Die ganze Blinde Kuh kann zudem so genutzt werden, wie jede andere Seite auch, ohne eigentlich die Suchmaschine zu nutzen. So kann ein Kind, das eigentlich nur eben mal etwas spielen möchte, sofort spielen. Ein Klick von der Startseite in die Spiele-Übersicht, und ein Klick von da aus in das gewünschte Spiel. Das gleiche gilt für die, die einfach nur Nachrichten lesen wollen, oder Rezepte schreiben oder ausdrucken möchten usw. Trotz Suchmaschine besteht gar kein zwingender Grund nach dem Besuch der Startseite irgendetwas suchen zu müssen.

Die Frage ist nicht, was ist die Theorie, sondern was ist die Praxis. Keine andere Seite, die nicht massiv Werbung und Marketing macht, hat in der deutschsprachigen Kinderseitenlandschaft so viele Nutzer wie die Blinde Kuh. Jeder 5. Mäuseklick auf den Seiten der Blinden Kuh geht direkt in die Suchmaschine, ausgelöst durch die Eingabe eines mehr oder auch weniger verständlichen Suchwortes. Weit über 1 Millionen Suchworte wurden pro Monat (Bemessungsgrundlage ist das erste Halbjahr 2003) eingegeben. Will man hier ein vergleich, so muss die Voraussetzung auch gleich sein, also die Frage wie viele Benutzer verwenden die Navigationshilfe in die Kinderseitenseitenlandschaft, sei es Suchmaschine, Surftipps oder Linkverzeichnis. Man wird dann sehen, dass Surftipps-Seiten auf Kinderseiten eigentlich eher kaum besucht werden. Selbst große Fernsehsender bringen es auf knapp 20 Zugriffe pro Tag  über diese Linkempfehlungen auf eine andere Kinderseite. Dieses Problem ist bekannt. Kinder klicken nicht so gern. Teils ist es aber auch für Erwachsene eine Zumutung, die Surftipps zu finden. Also, noch einmal, die Frage ist nicht, wer mit Chats und Aktionismus aller Art Kinder auf seinen Seiten zum Klicken bringt, sondern wer mit seiner Orientierungshilfe in das Internet Kinder begeistern kann. Wenn alles sagt, dass Kinder gern spielen, insbesondere kleinere Kinder, der muss eigentlich darüber erstaunt sein, wie mit allen Mitteln auf Kinderseiten dafür gesorgt wird, dass die Kinder niemals die Spiele im Internet schnell über 1-2 Klicks erreichen können. Dies ist ein weiteres Kriterium für eine Suchmaschine für Kinder. Finde ich denn als Kind, das was ich suche, und ist das, was ich finde auch brauchbar? Kinder suchen zwar weniger nach Spielen als vielmehr nach Wissen, aber dennoch, sie suchen z.B. auch gern nach Basteltipps. Nur eine so breit und tief gehende Suchmaschine kann ihnen schnell diese Dinge auffindbar machen. D.h. die Frage war gar nicht, ob Kinder von Natur aus Suchmaschinen suchen, sondern das Problem war, dass sie ihre Sachen schnell finden wollten, aber eben oft nicht so schnell finden konnten, schon gar nicht auf einzelnen Kinderseiten. Wenn man ihnen also keine sinnvolle Suchmaschine gibt, oder den schnellen Weg dorthin zeigt, wird man damit leben müssen, dass der Kinder- und Jugendschutz nur Papier bleibt, aber real nicht stattfinden kann, weil die Kinder offenbar dann die Suchmaschinen der Großen nutzen. Wobei es dann nicht gerade Kinderseiten sind, die da immer unter den ersten 100 Treffern sind.

Hier muss noch ein Punkt einmal ausdrücklich gesagt werden. Es gibt Kinderseiten, die angeblich das ganze Internet, das Kinder brauchen, glauben in ihrem Design anbieten zu können, und das müsste doch reichen. Was sie leider nie deutlich machen, ist, dass die Kinder mit ihren Mäusen diese Grundeinstellung per täglich stattfindender Online-Abstimmung abwählten. Sie wollen das echte Internet. Ein kunterbuntes Flash-Paket, so wie es in Mode gekommen ist, das eigentlich eher ein Extranet als ein teil des Internets darstellt, und bei dem eigentlich nur die Möglichkeit von Abo-Kosten lockt als wirklich grundlegende Gedanken zur Medienpädagogik, enthält bei aller Liebe nicht das Internet für Kinder. Das ist um Ellen größer, als auf dem entsprechenden Server Platz wäre. Es ist international und nicht nur deutsch, und da gibt es Tausende von Online-Spielen und da gibt es auch zig Tausende von Themenseiten. Internet ist weder Fernsehen noch Print, sondern Internet. Sämtliche Medienpädagogik und Medienkompetenz, die dies nicht unterscheiden kann, ist in der Regel auf das Internet gar nicht übertragbar.

Aus der Tatsache, dass wir wissen, dass eine solche Suchmaschine von den Kinder im Netz heftigst genutzt wird, und dies eben schon seit über 6 Jahren, stellen wir noch einmal eine kleine Frage. Stellen Sie sich vor, es gäbe gar keine Suchmaschine für Kinder a la Blinde Kuh. Wie finden dann die Kinder ihre Sachen im Internet? Die Surflisten empfehlen meist nur eine handvoll Seiten. Logischerweise handelt es sich da eher um zeitlose und große Geschichten, weil man sonst ständig die Links prüfen müsste. Wir haben festgestellt, dass die Blinde Kuh in der Lage ist, Dinge auf recht berühmten Seiten zu finden, die dort auch sehr wichtig sind, aber über die hauseigene Navigation kaum Benutzer auf diese Seiten kommen. Es ist die Blinde Kuh, die es dann schafft, für die Kinder im Netz etwa Angebote wie Kindernachrichten oder Aktionsseiten staatlicher Initiativen oder Seiten von Kindern jederzeit an die Oberfläche zu bringen. Mit dem Suchwort gestalten die Kinder sich so für sie relevante Surftipps selbst zusammen. Es ist wie bei den Erwachsenen, die ebenfalls wie ein Ochs vor dem Suchschlitz stehen. Aber ganz sicher, hat man erst einmal herausbekommen, was eine Suchmaschine ist, dann gehört sie zum wesentlichen Werkzeug eines durchschnittlichen Onliners, ob nun klein oder groß. Eine Suchmaschine ersetzt keineswegs die anderen Angebote, sondern sie baut auf diese Angebote auf, um sie auffindbar zu machen.

Einen weiteren Aberglauben wollen wir hier auch noch abräumen. Nicht nur Laien im Suchmaschinenalltag glauben, dass es eine Hilfe sei, wenn die Suchergebnisse der Blinden Kuh eine Bewertung enthalten würden. Gemeint ist die Kennzeichnung der Relevanz. Das ist völlig dumm und bezeugt bei den Suchmaschinen, die so etwas machen, dass sie den wesentlichen Wirtz einer Suchmaschine bis heute gar nicht verstanden haben. Es ist keine Hilfe, sondern teils sogar bewusste Irreführung. Intern natürlich stehen die Suchworte statistisch aufbereitet der Redaktion zur Verfügung, auch das, was aus den Suchtreffern ausgewählt wurde. Diese nutzerorientierten Daten werden für die Optimierung des Suchraumes und auch der Auffindbarkeit genutzt. Ein Beispiel, wenn es nicht gelingt, jedem Kind zu erklären, dass es keine Walfische gibt, die nun mit "Walfisch" suchen, müssen halt "Wale" herauskommen. Damit das geht, muss etwas gezaubert werden, denn "Walfische" steht ja nirgends. Nun ist aber die Frage, was an einer Seite ist im Suchergebnis relevant? Man kann ein Angebot total toll finden oder auch nicht, doch im Moment der Suche interessiert es eigentlich niemanden immer, ob ein Angebot total gut ist oder nicht, sondern ob es das ist, was ich gerade gesucht habe. Das ist es bei den meisten Suchmaschinen für Kinder nämlich nicht, bei den Suchmaschinen für Erwachsene ist dies auch eher selten, wenn es nicht gerade Mainstreamthemen sind. Ich kann z.B. die Nachrichten des Kinderradios WDR5 Lilipuz total klasse finden. Suche ich aber nach Haie, sind sie absolut irrelevant, wenn keine Nachrichtenmeldung sich auf Haie bezieht. Ebenfalls ist es absolut uninteressant, welche Tierseiten es noch gibt. Es mag ja ganz schön sein, dass es auf dieser Seite wunderbare Affen gibt, aber, das sind halt keine Haie. Die Relevanz entsteht in der Pragmatik. Ob das die Leute nun begreifen oder nicht, aber das Suchergebnis muss pragmatisch adäquat sein, sonst sind die Suchenden schnell genervt. In diesem Fall kann dann die schäbbigste aller schäbbigen Seiten die tollste Seite der Welt werden, weil sie genau das beinhaltet, was das Kind suchte. Eine Seite etwa über die Ferien in Hamburg, also nur die Daten, ist stinklangweilig und zählt garantiert nicht zu den Top-10 der Kinderseiten. Für ein Hamburger Kind ist das aber die relevanteste Seite beim Suchwort "Ferien". Auf gut Deutsch, die Kinder sollen selbst die Relevanz entscheiden dürfen und genau diese Entscheidung wollen wir denen nicht auch noch nehmen. Auch ein Kriterium der Art "häufig besuchte" Seiten ist Unsinn. Welche soll das sein? Die von No Angels ;o) Ist da das aktuelle Kinderfernsehen drauf, oder werden da Tiere beschrieben? Einer Suchmaschine sollte es doch egal sein, welche Popstar-Seite die "beste" ist. Es sind doch die Kinder, die ihre Popstars lieben, und so soll das auch bleiben. Ob das bei dem einen die No Angels sind, bei den anderen Bro'Sis oder Shakira, das ist doch der Suchmaschine egal. Sie muss alle zufrieden stellen, und Fan auch Fan sein lassen können. Dass dann Schulthemen natürlich völlig unter dem Tisch fallen, dürfte klar sein. Zudem kommt noch etwas hinzu. Eine Suchmaschine für Kinder muss auch etwas machen, was viele gar nicht sehen. Sie ist eine Infrastruktur. Ihre Aufgabe ist es nicht nur, Werkzeug zu sein, sondern Anreize und Denkanstöße gleich mitzuliefern, unauffällig und nicht aufdringlich. Sucht ein Kind nach Spiele, dann kann man schon fragen, ist es nicht egal, in welchem Land du das Spiel Memory spielst? Wie wäre es denn einmal in Israel, oder in Argentinien, oder, weil es gerade um die Ecke liegt, in China? Warum sollen Kinder immer nur Schokoriegel-Spiele spielen, warum nicht mal aus der Ecke "Gesunde Ernährung"? Warum sollen Kinder Kühe zum Ausmalen bei einer eher billigen Wurstfirma downloaden, warum nicht einmal bei echten Bauern mit echten Bauernhof? Warum sollen Kinder immer Indianer als Comics haben? Warum nicht einmal mit echten Indianern und echten Häuptlingen mit echter E-Mail-Adresse? Begreift man das Internet als Spiel- und Abstellplatz für Kinder, kommt man schnell in die Frage, wo ist denn die beste Abstellkammer? Begreift man aber das Internet als Zugang zu allem Möglichen in der Welt zu dem auch die Kinder nun endlich Zugang haben wollen, dann kommen nun mal beim Suchwort "Indianer" weniger die Comic-Figuren als vielmehr die Indianer, die echten Indianer eben. Dabei ist doch völlig schnuppe, ob nun jeder Indianer auch ein Webdesigner ist, sondern wichtig ist, ob auf der Seite etwas ist, womit Kinder etwas anfangen können. Dies nun zu empfehlen, ist Unsinn. Man kann es hinlegen, unter den ersten Suchtreffern "reinschummeln". Das Kind wählt selbst aus, ob es dieses Surfabenteuer heute gern einmal wagen möchte.

Noch ein Punkt, manche große Suchmaschine bietet einen "family filter" an. Das soll dann eine Suchmaschine für Kinderaugen herzaubern. Aber, der ist meist so etwas von untauglich, es kommen dann immer noch kaum sinnvolle Angebote unter den ersten Treffern heraus, weil der Suchraum für Kinder einfach nicht redaktionell optimiert wurde, dafür aber der für Erotik und solche Dinge. Und, es ist nun mal so, das macht auch nicht sonderlich sicher. Wenn bei einem "family filter" weniger Elefantenseiten herauskommen, als ohne, dann ist das Murks. Wenn dann mit einfachen Worten Kaviersex oder auch Tiersex rauskommen kann und wenn alle Popstars unbedingt nur nackt zu haben sind, dann zeigt es eher die Unprofessionalität der Betreiber. Wenn dann noch deutsche Kinderseiten als jugendgefährdend in den USA-Suchmaschinen weggeblockt werden, dann fragt man sich schon, in welchem Film sind wir hier eigentlich? Sämtliche halbwegs vernünftigen Suchmaschinenbetreiber sind sich in dem Punkt zumindest in Deutschland einig gewesen, dass der Lösungsweg Blinde Kuh der best möglichste ist und einige bauten sie ja sogar unter ihrer Beratung oder gar Kooperation nach, um die Kinder vom Suchschlitz der Großen durch Überzeugungsarbeit abzuholen. Wenn Sie also eine solche "family filter" Sache sehen, glauben Sei nicht alles, was das Marketing einer großen Suchmaschine von sich gibt, die Konkurrenz von denen glaubt es ja auch nicht. Glauben Sie auch nicht jeder Empfehlung. Wir selbst haben ja bei großen Suchmaschinen gearbeitet und waren ebenfalls verblüfft was manche Suchmaschinenexperten, die nicht bei Suchmaschinen gearbeitet haben, über Suchmaschinen erzählen. Vernünftig war im Jahr 1999/2000 die Entscheidung des General Managers von AltaVista Deutschland, eben diesen nicht funktionierenden family filter der US-Mutter in Deutschland aus Jugendschutzgründen auch nicht zu übernehmen. Vernünftig war es bei den Suchmaschinen Fireball und Infoseek spezielle Suchmaschinen nach dem Vorbild der Blinden Kuh anzubieten für Kinder und jüngere Jugendliche. Auch wenn die Flaute in der Online-Industrie alles an Errungenem zu nichte machte, es war vernünftig. Wer heute nun meint, das gehe auch mit einer Software, die Milliarden Seiten nach gut und böse trennt, kennt sich als offenbar Außenstehender garantiert nicht mit dem Spam-Problem großer Suchmaschinen aus, oder will als Anbieter nur darüber hinweg täuschen, dass ihm der Jugendschutz so etwas von egal, aber bestimmt keine Einstellung einer Redaktion wert ist. Eher würde man Leute einstellen, die mit ablenkenden Jugendschutzinitiativen, das Geld einer kompletten Redaktion verdienen, als zuzugeben, dass man diese Geschichte einfach nicht im Griff hat. Überall da, wo Sie derartiges Manöver in der Öffentlichkeit sehen, wissen Sie ja nun, warum das so gemacht wird.

Es stellt sich eher die Frage, warum soviel über Jugendschutz im Internet geredet wird, ohne ihn da zu stabilisieren, wo er erarbeitet wird, nämlich im Angebot der Kinderseitenlandschaft. Die Blinde Kuh ist für Viele ein Name und nicht nur ein paar HTML-Seiten, der für diesen aktiven Kinder- und Jugendschutz im Internet steht und der bisher von keinem Unternehmen trotz erheblicher Bemühungen getopt werden konnte (allerdings wäre es leicht machbar, wenn man kooperieren und nicht blockieren ja sogar sabotieren würde). Denn, was viele gar nicht sehen, ist, dass bedeutsame Teile der Kinderseitenlandschaft so wie die Blinde Kuh eine Privatinitiative engagierter Internet-Leute ist, also klar und deutlich zeigt, dass das Internet selbst Verantwortung übernimmt, ohne dass jemand erst einmal Geld auszahlte. Und wie gesagt, die Blinde Kuh gibt es seit über 6 Jahren. Der Status, das deutsprachige Web hat eine Suchmaschine für Kinder, galt also schon, noch bevor in Deutschland Massen an Leuten ins Internet kamen.

Für ihre Arbeit wurde die Blinde Kuh mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Kinderkulturpreis, und seit Ende 2003 sichert das Bundesfamilienministerium mit der Übernahme der horenten Traffic-Kosten, dass dieser Pfeiler für den Kinder- und Jugendschutz trotz viel Gerede um den Jugendschutz und trotz lauter lauten Jugendschutzinitiativen nicht auch noch abbricht. Es muss ja auch irgendwie nicht sein, dass ausgerechnet erfolgreiche Angebote mit ihrem Erfolg in Sachen Traffic und Redaktionsüberforderung dann auch noch bestraft werden. Denn jedes Kind, das mit der Blinden Kuh sucht, sucht nicht mit einer Suchmaschine der Erwachsenen und ist damit für diesen Moment erst einmal raus aus den Problemzonen. Ist wie im echten Leben. Aus bisher unklaren Gründen war die gesamte deutsche Industrie nicht in der Lage, diese eigentlich überschaubaren Problemchen zu lösen. Nun ja, einige wollten es auch nicht. Ohne diese Förderung hätte die Blinde Kuh trotz ihres Erfolges, trotz aller Auszeichnungen, trotz der enormen Präsenz und Empfehlungen in fast allen Medien, einfach schließen müssen.

Man kann nicht erwarten, dass Eltern erst einmal mindestens ein halbes Jahr versuchen den Überblick im Internet zu erhalten (so lang etwa dauert die Einarbeitung einer Redaktion in diesem Bereich). Auch Lehrer aus den Grundschulen sollen das Internet schnell mit ihren Schülern nutzen können, das muss doch klar sein. Aus diesem Grunde ist die Blinde Kuh eine der Seiten, die oft als Starseite eingerichtet werden.

Also, das alles nur, für die Kinder im Internet. Und die können auch meckern und verändern solange es ihnen Spaß macht. Es ist nun mal ihre Suchmaschine.

Anders als alle anderen, sagen wir eben nicht, dass wir alles tun, um für Eltern, Lehrer und wen auch immer etwas brauchbares zu bieten, sondern wir machen das in der Tat nur für die Kinder im Netz. Diese müssen wir überzeugen, sonst wandern die uns ganz schnell wieder in den Erwachsenenbereich. Die Erwachsenen müssen wir nicht überzeugen, die zahlen uns ja nichts und haben ja selbst eine Homepage auf der sie tun und lassen können was sie wollen und auch alles viel besser machen können ;o)

Wenn es den Erwachsenen dennoch so gefällt, also erst einmal gut genug ist, das ist doch auch was Schönes. Natürlich können auch Erwachsene bei der Blinden Kuh Sachen finden, die sie sonst nicht so einfach finden. Schließlich ist das ja keine Pipifax-Suchmaschine und die Kinder sollen ja auch was zum Angeben haben. Wenn sie dann gute Seiten wissen, die ihre Eltern und Lehrer nicht wissen, na, dann haben sie doch etwas zum Erzählen und zum Zeigen. Auch das gehört zur Entwicklung eines Menschen dazu.

Einen Trost wollen wir den Erwachsenen dennoch geben: Wir würden jeden anderen Suchraum genauso aufbauen. Und bei der einen oder anderen großen Suchmaschine hatten wir es sogar getan. Ein Großteil der Blinde Kuh Mitarbeiter arbeitete bei den großen Suchmaschinen. Dennoch, wir sind die ersten, die alles besser machen würden, wenn wir denn die Mittel dazu hätten. Die Blinde Kuh ist ja nur ein Modell, nicht eine Lösung. Wenn es jemanden gibt, der es besser macht als wir, hören wir sofort auf, an dieser Sachen dann unnötig in unserer Freizeit weiterzuarbeiten.

Die Blinden Kühe

 
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