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Zielgruppe " Kinder" - Wer
ist das eigentlich?
Vorweg, diese
Suchmaschine hier heißt nicht
"Kindersuchmaschine",
weil der Ausdruck ein wenig irreführend ist. Gemeint ist ja nicht,
dass Kinder gesucht werden sollen, sondern dass Kinder damit suchen
können. In der Tat gibt es aber auch Suchmaschinen oder Websites, mit
deren Hilfe nach vermissten Kinder gesucht wird, oder auch
Angebote, auf denen Kinder andere Kinder kennen lernen können,
sozusagen auch damit Kinder suchen.
Aus
diesem Grund nennen die meisten Leute derartige Suchmaschinen "Suchmaschinen
für Kinder".
Eine Suchmaschine ist nicht eine kleine Linkliste, die durchsucht wird, sondern ein schon
etwas komplexerer Aparillo. Es werden auch nicht nur
"Kinderseiten" durchsucht, sondern auch Seiten, die gar
nicht an Kinder gerichtet wurden, aber Inhalte enthalten, die für
Kinder interessant sind. Damit diese überhaupt nahezu punktgenau
ihre Sachen finden, ist ein angemessen breiter und tiefer Suchraum
notwendig, wobei jede einzelne Adresse einer möglichst optimale und
regelmäßige Prüfung unterliegt. Ebenso notwendig ist eine an
"kindliche" Begriffsysteme und Denkgewohnheiten angepasste
Suchlogik. Wie gesagt, im optimalen Falle. Das kann natürlich nur
angestrebt werden, denn auch die Kinder lernen ja mit dem Angebot
dazu. Deren Suchgewohnheiten reifen sozusagen mit den vorhandenen
Navigations- und Suchmöglichkeiten im Internet.
Allzu viele Suchmaschinen für Kinder gibt
es eigentlich nicht, und in den wenigsten Fällen werden diese
Grundlagen dann auch beherzigt.
Dies
hier ist so gesehen auch kein
"Kinderportal",
da der Begriff inflationär im Internet gehandhabt wird. Die
meisten, die sich so nennen, vermeiden es ja, auf die
Kinderseitenlandschaft fair und angemessen zu verweisen, sind zudem
eher bunt als denn wirklich ein Portal mit echter Portalfunktion.
Sie halten die Kinder eher vom Angebot im Internet fern, um ihr
eigenes Angebot in den Vordergrund zu bringen, aus diversen
Gründen, die hier an dieser Stelle nicht näher beleuchtet werden
müssen.
Ziel einer Suchmaschine für Kinder ist es, dass möglichst viele
Kinder möglichst einfach ihre Sachen im Internet finden, ohne jedes
mal auf eine Suchmaschine für Erwachsene zurückgreifen zu müssen.
Jedes Kind, dem diese Art Zugriff vorerst reicht, ist ein Kind, das nicht in der
"Gefahrenzone" der Erwachsenen surft, sich dort dumm und
dösig suchen muss und irgendwo dann verloren geht. Eine solche
Suchmaschine als Alternative, die zudem die Kinder, die ja alle
freiwillig auf den Seiten sind, mit ihrer Leistung und ihrer
Qualität überzeugen kann, und eine nennenswerte Anzahl an Nutzern
hat, leistet somit aktiv und real Kinder-
und Jugendschutz.
Sie ist damit keine Zensur, in der Form, dass sie einfach nur etwas
aus dem Internet wegschneidet, sondern sie ist ein Mehrwert in der
Form, dass sie etwas speziell und extra für die Kinder im Netz zum
vorhandenen Internet dazustellt. Und sie ist ein Mehrwert, weil sie
die Sachen für Kinder in den Vordergrund rücken kann, die man
sonst eigentlich eher nur schlecht finden würde in den
Suchmaschinen der Großen und in den Pressemeldungen der klassischen
Medien. Es reicht dabei einfach nicht aus,
einige wenige Kinderseiten nur im Suchraum zu haben, da das meiste,
was Kinder im Internet suchen, gar nicht auf Kinderseiten ist und so
die Kinder eher oft (eigentlich sogar zu oft) aus diesem "geschützten" Bereich ausbrechen
müssen. Eine Suchmaschine für Kinder ist dennoch nur so gut, wie
die Kinderseitenlandschaft reichhaltig und auch stabil ist und wie
die Angebote jenseits der Kinderseitenlandschaft auch für Kinder
begehbar sind.
Das "für
Kinder" besagt , dass es kein Angebot für Erwachsene ist.
Es ist daher völlig uninteressant, ob Erwachsene mit diesen
Suchmaschinen Dinge finden oder nicht. Es ist keine Suchmaschine für
die Familie in dem Sinne, zumal wir stark bezweifeln, dass Kinder im
Alter von 12 Jahren nur im familiären Kontext surfen.
Entscheidend
ist daher die Frage, von
welchen Kindern denn hier überhaupt die Rede ist.
Nach dem
Jugendschutzgesetzen
in Deutschland sind Kinder diejenigen, die noch nicht das 14.
Lebensjahr erreicht haben. Die ab 14 Jahren sind Jugendliche,
wenngleich noch junge Jugendliche, also die jüngsten Jugendlichen, die
es nach dieser Definition geben kann. Das wäre eine obere
Grenze, die
man im Auge behalten kann. Man muss auch sehen, dass die 14-jährigen
nicht all zu gern im Kontext "Kinder" surfen, da es ihnen auch nicht
immer
sonderlich viel bringen wird. Selbst die 12-jährigen interessieren
sich nicht nur für Lego-Steine oder Barbie-Puppen, sondern eher
für Sport, PopStars, Modells und Fernsehen, wollen natürlich auch
schon erwachsen sein, und das haben, was auch 15-jährige haben dürfen.
Die untere Grenze
ergibt sich aus eher natürlichen Gründen dadurch, dass Kinder, die
ins Internet huschen und Informationen über das Internet einnehmen
möchten, schon einmal in der Lage sein müssen, lesen zu können.
Die Aussage, "Kinder wollen nicht lesen" ist Unsinn, denn
im Internet müssen sie lesen. Und man wird erstaunt sein, wie der
lesefaulste Junge der Welt ganz genüsslich Spielanleitungen
komplexer Spiele durchlesen kann. Sogar auf Englisch. Nicht alles,
ja, okay, aber jeden Tag einwenig mehr. Fragt man Kinder, ob sie
lieber spielen oder lesen wollen, sagen die meisten vielleicht
"Spielen", aber im Internet die voll krassen Spiele zu
spielen, heißt oft, mehr lesen müssen, als die textlastigste
Schulseite aufzuweisen hat. Es geht ja schon bei kleinen Dingen los.
Der Grafiktreiber will nicht, Spiel geht nicht. Zudem, wo muss ich
durch welchen Raum, um welche Probleme im Spiel nicht zu haben? Dafür gibt es
Spielerberichte und cheatz und was nicht alles,
ellenlange Texte halt. Und, unter uns, wir reden hier nicht von
Schiebepuzzles.
Damit dürfte die Kleinkindgruppe eher komplett als Superuser für
Suchmaschinen und echte Internet-Angebote herausfallen. Sie können
ja noch nicht einmal lesen, was da alles auf mancher Kita-Homepage
steht. In diesen
unteren Altersstufen sollte man sich auch überlegen, warum man nun
unbedingt diese Frischlinge ins Internet drücken muss. Dass Firmen
hier gern von "kindgerechten Angeboten" reden, die auf diese
Kinder warten, ist ja klar. Aber, dass diese Kinder sich eben allein aufgrund der
eher textlastigen Internet-Angebote kaum orientieren können,
scheint oft gar nicht bedacht zu sein, auch wenn es 100 mal auf der
pädagogisch wertvollen Elternseite geschrieben steht. Erstaunlicherweise planen
Strategen meistens Kinderseiten so, dass sie möglichst wenig Text
(und damit eigentlich auch bescheiden wenig echte Information)
enthalten, vollgespickt mit Sympathiefiguren sind und dass alle
"Bereiche" mehr lustigere als denn klare und eineindeutige Namen
aus dem Alltag der Kinder tragen. Man ahnt auf dem ersten Blick oft
einfach nicht, wo genau die Sachen
sind, die man nun haben will. Es wird somit eher alles getan, dass kein
Kind auf Anhieb verstehen soll, worum es auf diesen Seiten
überhaupt geht. Doch, die für äußerst jüngere Kinder gedachte
Oberflächegestaltung ist für die Kinder, die eigentlich im Netz
frei surfen, eher eine Beleidigung. Sie suchen nicht Leuchttürme mit
Augen und Mund drauf und Blink-blink, sondern sie suchen Leuchttürme. Sie suchen
nicht Autos mit Augen und Mund drauf und Tut-tut, sondern sie
suchen Autos, echte Autos. Sie suchen ernsthaftere Erklärungen. Dass
ein Leuchtturm eine bestimmte Funktion für die Schifffahrt hat,
wissen sie. Das langweilt dann bei der 100. Leuchtturmseite. Was
aber genau die verschiedenen Lichter zu bedeuten haben, das wissen
sie nicht, und das wollen sie aber wissen, doch es wird ihnen dann
einfach nicht erklärt mit dem pädagogisch wertvollen Hinweis, das
wird dann zu textlastig. Wir
haben es hier also eher mit einer Zielgruppe zu tun, die
"mehr" wissen will, mehr, als sie eh schon weiß und mehr
als sie in ihrer klassischen Umgebung, Fernsehen, Schule, Alltag,
Bücher zu finden vermag, und die nicht unbedingt mit einem kleinen
Kidsportälchen glücklich zu machen sind. Ja, Kinder wollen Wissen,
auch die kleineren. Nur eben, geht es vielleicht auch mal ohne Augen
und Mund drauf?
Sagen wir, Kinder
müssen nicht nur lesen können, sondern auch lesen wollen, um echte
Online-Kiddies zu werden, dann sieht das Ganze schon etwas anders aus.
Die Grenze nach unten ist damit bei Lesen können, etwa 6 Jahre und bei
Lesen wollen und auch Verstehen können, etwa bei 9
Jahren. Da dies ein
gesellschaftlicher Bezug ist, kann man hier eigentlich nicht von
Altersstufen reden, sondern von Erziehungs- und Bildungsstufen und man
muss die Kulturräume im Auge behalten, die nun mal nicht alle
gleich sind.
Fokussiert wird damit
eine Zielgruppe, die in etwa
zwischen 9 bis 13 Jahren alt
ist.
Genau
diese Gruppe definiert sich aber nicht freiwillig gern als
"Kinder", egal was Gesetze und Erziehungssysteme definieren. Das macht den Ausdruck
"Suchmaschine für Kinder" etwas schwer. So kommt es nicht
selten zur absurden Situation, dass eine 11-Jährige via E-Mail
schreibt, das ist doch alles nur für Kinder! Das macht aber
nichts. Sie können sich von uns aus auch "Rentner", oder "Außerirdische" nennen, oder was immer sie wollen.
Aber ganz sicher ist es nicht die teletubbie-Zielgruppe.
Ein weiteres Problem,
das jedes Bewertungssystem hat, das etwa Inhalte oder
Darstellungsweisen altersgerecht (was ja als solches schon fragwürdig
ist) unterscheiden möchte, ist, dass diese Kinder nicht gleich
sind, auch dann nicht, wenn sie überall einfach gleich gemacht werden.
Weder innerhalb der Altersstufen, noch innerhalb ihrer Herkunft oder
ihres Geschlechtes. Sie haben allesamt meist völlig verschiedene
Interessen und so wie Erwachsene, nur noch ein paar Stufen härter,
weichen sie ungern von diesen Interessen ab, lassen kaum neue oder auch
mal ganz andere Dinge gelten. Die sogenannte "kindliche
Neugier" ist meist nur mit einem Aufwand an didaktischer Begleitung zu
erreichen, und selbst das gilt nicht immer. Kinder dieser Alterstufen
kommen in "das schwierige Alter". War die Welt vorher
aufregend oder langweilig, wird sie nun durch den Versuch der eigenen
Wertsetzung relativ schnell schwarz und weiß. Na ja, die meisten
Eltern und Lehrer wissen, was wir meinen.
Zwei wesentliche
Komponenten wirken auf das Interesse dieser Kinder ein: Das Fernsehen
und vergleichbare Massenmedien und natürlich die Schule. Nicht zu
unterschätzen ist aber auch der Gruppendruck.
Entsprechend sehen die
Suchanfragen bei Suchmaschinen für Kinder aus. Läuft ein Film über
Dinosaurier in den Kinos an, so wird der Medienrummel und die
Vermarktung dafür sorgen, dass die Kauflustigkeit für entsprechende
Fan-Artikel steigt, und somit auch das Interesse an den Helden dieses
Films und an dem Thema überhaupt. Ebenso ist deutlich, dass Lehrpläne
in den Schulen auf die Kinder einwirken, was die häufige Anfrage an
"Wasserkreislauf" oder "Kontinentalverschiebung"
bescheinigt. Dennoch bleiben Urinteressen, wie etwa "neue Freunde
finden" und "Spiele".
Eine Suchmaschine für
Kinder soll eigentlich nur das World Wide Web (und nicht gleich das
ganze Internet) soweit zugänglich machen, dass ein Kind relativ
einfach und schnell, passende Seiten zu seinen Suchworten findet. Das
ist eigentlich auch das einzige Kriterium. Sie muss nicht aussehen wie
Kiddyseiten, sie muss nicht bunt sein und voll mit Flash-Animationen.
Sie muss auch nicht bescheuerte Töne von sich geben oder gar
"Muh" machen. Man muss mit ihr auch nicht interaktiv sein. Sie muss nur das finden,
was Kinder suchen. Sie muss leicht zu
bedienen sein, der Sprache und der Denkweise der Kinder folgen, und in
ähnlicher Relation wie im Alltag dieses einen suchenden Kindes die
passenden Seiten assoziieren. Tut sie das alles nicht, ist das Müll
und wird von den Kindern durch das Ausbleiben der Wiederkehr ihrer
Besuche gnadenlos abgestraft.
Dies erzeugt ein ziemlich
merkwürdiges Problem. Eigentlich ist eine Suchmaschine für Kinder
so gar nicht "möglich", da sie Dinge von den Kindern
abverlangt, die man eher selten bei denen beobachtet. Nicht umsonst
behaupteten jahrelang Pädagogen, dass die Blinde Kuh, um ein
Beispiel zu nennen, nicht für Kinder didaktisch geeignet wäre, da
sie eben Dinge enthält, die vorrausgesetzt werden, aber nicht zu
den "Urkräften" der Kinder gehören. Das stimmt
irgendwie. Es stimmt auch, dass die Blinde Kuh nicht erst die Kinder
mit Hilfeseiten zustopft. Interessanterweise neigen Angebote für
Kinder dann dazu, nachdem sie eine möglichst textarme Navigation
auf den Seiten aufgebaut haben, in ellenlangen und eher
leserunfreundlichen Einführungs- und Hilfetexten das alles
erklären zu wollen. Ein Zeichen dafür, dass die Sache so
selbsterklärend dann wohl doch nicht ist. Die Lösung, begleitend
Hilfetexte zur Verfügung zu stellen, ist etwas weltfremd gedacht.
Auch bei Suchmaschinen für Erwachsene gibt es schmale Hilfeseiten,
aber auch da werden die kaum gelesen. Man versucht es einfach und
man fragt seine Kollegen nach Tipps und Tricks. Somit muss die
Gesamtmasse an Suchmaschinenbausteine gar nicht für alle Kinder
sofort innovativ einleuchten. Die einzelnen Bausteine stellen nur
eine Unterstützung für die Suche dar, haben ansonsten aber keine
notwendige Funktion. Die ganze Blinde Kuh kann zudem so genutzt
werden, wie jede andere Seite auch, ohne eigentlich die Suchmaschine
zu nutzen. So kann ein Kind, das eigentlich nur eben mal etwas
spielen möchte, sofort spielen. Ein Klick von der Startseite in die
Spiele-Übersicht, und ein Klick von da aus in das gewünschte
Spiel. Das gleiche gilt für die, die einfach nur Nachrichten lesen
wollen, oder Rezepte schreiben oder ausdrucken möchten usw. Trotz
Suchmaschine besteht gar kein zwingender Grund nach dem Besuch der
Startseite irgendetwas suchen zu müssen.
Die Frage ist nicht, was ist die
Theorie, sondern was ist die Praxis. Keine andere Seite, die nicht
massiv Werbung und Marketing macht, hat in der deutschsprachigen
Kinderseitenlandschaft so viele Nutzer wie die Blinde Kuh. Jeder 5.
Mäuseklick auf den Seiten der Blinden Kuh geht direkt in die
Suchmaschine, ausgelöst durch die Eingabe eines mehr oder auch
weniger verständlichen Suchwortes. Weit über 1 Millionen Suchworte
wurden pro Monat (Bemessungsgrundlage ist das erste Halbjahr 2003)
eingegeben. Will man hier ein vergleich, so muss die Voraussetzung
auch gleich sein, also die Frage wie viele Benutzer verwenden die
Navigationshilfe in die Kinderseitenseitenlandschaft, sei es
Suchmaschine, Surftipps oder Linkverzeichnis. Man wird dann sehen,
dass Surftipps-Seiten auf Kinderseiten eigentlich eher kaum besucht
werden. Selbst große Fernsehsender bringen es auf knapp 20 Zugriffe
pro Tag über diese Linkempfehlungen auf eine andere Kinderseite. Dieses
Problem ist bekannt. Kinder klicken nicht so gern. Teils ist es aber
auch für Erwachsene eine Zumutung, die Surftipps zu finden. Also,
noch einmal, die Frage ist nicht, wer mit Chats und Aktionismus
aller Art Kinder auf seinen Seiten zum Klicken bringt, sondern wer
mit seiner Orientierungshilfe in das Internet Kinder begeistern
kann. Wenn alles sagt, dass Kinder gern spielen, insbesondere
kleinere Kinder, der muss eigentlich darüber erstaunt sein, wie mit
allen Mitteln auf Kinderseiten dafür gesorgt wird, dass die Kinder
niemals die Spiele im Internet schnell über 1-2 Klicks erreichen
können. Dies ist ein weiteres Kriterium für eine Suchmaschine für
Kinder. Finde ich denn als Kind, das was ich suche, und ist das, was
ich finde auch brauchbar? Kinder suchen zwar weniger nach Spielen
als vielmehr nach Wissen, aber dennoch, sie suchen z.B. auch gern
nach Basteltipps. Nur eine so breit und tief gehende Suchmaschine
kann ihnen schnell diese Dinge auffindbar machen. D.h. die Frage war
gar nicht, ob Kinder von Natur aus Suchmaschinen suchen, sondern das
Problem war, dass sie ihre Sachen schnell finden wollten, aber eben
oft nicht
so schnell finden konnten, schon gar nicht auf einzelnen
Kinderseiten. Wenn man ihnen also keine sinnvolle Suchmaschine gibt,
oder den schnellen Weg dorthin zeigt, wird man damit leben müssen,
dass der Kinder- und Jugendschutz nur Papier bleibt, aber real nicht
stattfinden kann, weil die Kinder offenbar dann die Suchmaschinen
der Großen nutzen. Wobei es dann nicht gerade Kinderseiten sind, die da
immer unter den ersten 100 Treffern sind.
Hier muss noch ein Punkt einmal
ausdrücklich gesagt werden. Es gibt Kinderseiten, die angeblich das
ganze Internet, das Kinder brauchen, glauben in ihrem Design
anbieten zu können, und das müsste doch reichen. Was sie leider
nie deutlich machen, ist, dass die Kinder mit ihren Mäusen diese
Grundeinstellung per täglich stattfindender Online-Abstimmung
abwählten. Sie wollen das echte Internet. Ein kunterbuntes
Flash-Paket, so wie es in Mode gekommen ist, das eigentlich eher ein
Extranet als ein teil des Internets darstellt, und bei dem
eigentlich nur die Möglichkeit von Abo-Kosten lockt als wirklich
grundlegende Gedanken zur Medienpädagogik, enthält bei aller Liebe
nicht das Internet für Kinder. Das ist um Ellen größer, als auf
dem entsprechenden Server Platz wäre. Es ist international und
nicht nur deutsch, und da gibt es Tausende von Online-Spielen und da
gibt es auch zig Tausende von Themenseiten. Internet ist weder
Fernsehen noch Print, sondern Internet. Sämtliche Medienpädagogik
und Medienkompetenz, die dies nicht unterscheiden kann, ist in der
Regel auf das Internet gar nicht übertragbar.
Aus der Tatsache, dass wir
wissen, dass eine solche Suchmaschine von den Kinder im Netz
heftigst genutzt wird, und dies eben schon seit über 6 Jahren, stellen wir noch einmal eine kleine Frage.
Stellen Sie sich vor, es gäbe gar keine Suchmaschine für Kinder a
la Blinde Kuh. Wie finden dann die Kinder ihre Sachen im Internet?
Die Surflisten empfehlen meist nur eine handvoll Seiten.
Logischerweise handelt es sich da eher um zeitlose und große
Geschichten, weil man sonst ständig die Links prüfen müsste. Wir
haben festgestellt, dass die Blinde Kuh in der Lage ist, Dinge auf
recht berühmten Seiten zu finden, die dort auch sehr wichtig sind,
aber über die hauseigene Navigation kaum Benutzer auf diese Seiten
kommen. Es ist die Blinde Kuh, die es dann schafft, für die Kinder
im Netz etwa Angebote wie Kindernachrichten oder Aktionsseiten
staatlicher Initiativen oder Seiten von Kindern jederzeit an die
Oberfläche zu bringen. Mit dem Suchwort gestalten die Kinder sich
so für sie relevante Surftipps selbst zusammen. Es ist wie bei den
Erwachsenen, die ebenfalls wie ein Ochs vor dem Suchschlitz stehen.
Aber ganz sicher, hat man erst einmal herausbekommen, was eine
Suchmaschine ist, dann gehört sie zum wesentlichen Werkzeug eines
durchschnittlichen Onliners, ob nun klein oder groß. Eine
Suchmaschine ersetzt keineswegs die anderen Angebote, sondern sie
baut auf diese Angebote auf, um sie auffindbar zu machen.
Einen weiteren Aberglauben wollen wir
hier auch noch abräumen. Nicht nur Laien im Suchmaschinenalltag
glauben, dass es eine Hilfe sei, wenn die Suchergebnisse der Blinden
Kuh eine Bewertung enthalten würden. Gemeint ist die Kennzeichnung
der Relevanz. Das ist völlig dumm und bezeugt bei den Suchmaschinen,
die so etwas machen, dass sie den wesentlichen Wirtz einer
Suchmaschine bis heute gar nicht verstanden haben. Es ist keine
Hilfe, sondern teils sogar bewusste Irreführung. Intern natürlich
stehen die Suchworte statistisch aufbereitet der Redaktion zur
Verfügung, auch das, was aus den Suchtreffern ausgewählt wurde.
Diese nutzerorientierten Daten werden für die Optimierung des
Suchraumes und auch der Auffindbarkeit genutzt. Ein Beispiel, wenn
es nicht gelingt, jedem Kind zu erklären, dass es keine Walfische
gibt, die nun mit "Walfisch" suchen, müssen halt
"Wale" herauskommen. Damit das geht, muss etwas gezaubert
werden, denn "Walfische" steht ja nirgends. Nun ist aber die Frage, was
an einer Seite ist im Suchergebnis relevant? Man kann ein Angebot
total toll finden oder auch nicht, doch im Moment der Suche
interessiert es eigentlich niemanden immer, ob ein Angebot total gut
ist oder nicht, sondern ob es das ist, was ich gerade gesucht habe.
Das ist es bei den meisten Suchmaschinen für Kinder nämlich nicht,
bei den Suchmaschinen für Erwachsene ist dies auch eher selten,
wenn es nicht gerade Mainstreamthemen sind. Ich kann z.B. die
Nachrichten des Kinderradios WDR5 Lilipuz total klasse finden. Suche
ich aber nach Haie, sind sie absolut irrelevant, wenn keine
Nachrichtenmeldung sich auf Haie bezieht. Ebenfalls ist es absolut
uninteressant, welche Tierseiten es noch gibt. Es mag ja ganz schön
sein, dass es auf dieser Seite wunderbare Affen gibt, aber, das sind
halt keine Haie. Die Relevanz entsteht in der Pragmatik. Ob das die Leute
nun begreifen oder nicht, aber das Suchergebnis muss pragmatisch
adäquat sein, sonst sind die Suchenden schnell genervt. In diesem
Fall kann dann die schäbbigste aller schäbbigen Seiten die tollste
Seite der Welt werden, weil sie genau das beinhaltet, was das Kind
suchte. Eine Seite etwa über die Ferien in Hamburg, also nur die
Daten, ist stinklangweilig und zählt garantiert nicht zu den Top-10
der Kinderseiten. Für ein Hamburger Kind ist das aber die
relevanteste Seite beim Suchwort "Ferien". Auf gut
Deutsch, die Kinder sollen selbst die Relevanz entscheiden dürfen und genau diese
Entscheidung wollen wir denen nicht auch noch nehmen. Auch ein
Kriterium der Art "häufig besuchte" Seiten ist Unsinn. Welche soll das
sein? Die von No Angels ;o)
Ist da das aktuelle Kinderfernsehen drauf, oder werden da Tiere
beschrieben? Einer Suchmaschine sollte es doch egal sein, welche
Popstar-Seite die "beste" ist. Es sind doch die Kinder,
die ihre Popstars lieben, und so soll das auch bleiben. Ob das bei
dem einen die No Angels sind, bei den anderen Bro'Sis oder Shakira,
das ist doch der Suchmaschine egal. Sie muss alle zufrieden stellen,
und Fan auch Fan sein lassen können. Dass dann Schulthemen
natürlich völlig unter dem Tisch fallen, dürfte klar sein.
Zudem kommt noch etwas hinzu. Eine Suchmaschine für Kinder muss auch
etwas machen, was viele gar nicht sehen. Sie ist eine Infrastruktur.
Ihre Aufgabe ist es nicht nur, Werkzeug zu sein, sondern Anreize und
Denkanstöße gleich mitzuliefern, unauffällig und nicht
aufdringlich. Sucht ein Kind nach Spiele, dann kann man schon fragen, ist es nicht egal, in welchem Land du das Spiel Memory
spielst? Wie wäre es denn einmal in Israel, oder in Argentinien, oder,
weil es gerade um die Ecke liegt, in China? Warum sollen Kinder
immer nur Schokoriegel-Spiele spielen, warum nicht mal aus der Ecke
"Gesunde Ernährung"? Warum sollen Kinder Kühe zum Ausmalen
bei einer eher billigen Wurstfirma downloaden, warum nicht einmal
bei echten Bauern mit echten Bauernhof? Warum sollen Kinder immer
Indianer als Comics haben? Warum nicht einmal mit echten Indianern und
echten Häuptlingen mit echter E-Mail-Adresse? Begreift man das Internet als
Spiel- und Abstellplatz für Kinder, kommt man schnell in die Frage,
wo ist denn die beste Abstellkammer? Begreift man aber das Internet
als Zugang zu allem Möglichen in der Welt zu dem auch die Kinder
nun endlich Zugang haben wollen, dann kommen nun mal beim Suchwort
"Indianer" weniger die Comic-Figuren als vielmehr die
Indianer, die echten Indianer eben. Dabei ist doch völlig schnuppe,
ob nun jeder Indianer auch ein Webdesigner ist, sondern wichtig ist, ob
auf der Seite etwas ist, womit Kinder etwas anfangen können. Dies
nun zu empfehlen, ist Unsinn. Man kann es hinlegen, unter den ersten
Suchtreffern "reinschummeln". Das Kind wählt selbst aus, ob es dieses Surfabenteuer
heute gern einmal wagen möchte.
Noch ein Punkt, manche große
Suchmaschine bietet einen "family filter"
an. Das soll dann eine Suchmaschine für Kinderaugen herzaubern.
Aber, der ist meist so etwas von untauglich, es kommen dann immer
noch kaum sinnvolle Angebote unter den ersten Treffern heraus, weil
der Suchraum für Kinder einfach nicht redaktionell optimiert wurde,
dafür aber der für Erotik und solche Dinge. Und, es ist nun mal
so, das macht auch nicht sonderlich sicher. Wenn bei einem "family
filter" weniger Elefantenseiten herauskommen, als ohne, dann
ist das Murks. Wenn dann mit einfachen Worten Kaviersex oder auch
Tiersex rauskommen kann und wenn alle Popstars unbedingt nur nackt
zu haben sind, dann zeigt es eher die Unprofessionalität der
Betreiber. Wenn dann noch deutsche Kinderseiten als
jugendgefährdend in den USA-Suchmaschinen weggeblockt werden, dann
fragt man sich schon, in welchem Film sind wir hier eigentlich?
Sämtliche halbwegs vernünftigen Suchmaschinenbetreiber sind sich
in dem Punkt zumindest in Deutschland einig gewesen, dass der
Lösungsweg Blinde Kuh der best möglichste ist und einige bauten
sie ja sogar unter ihrer Beratung oder gar Kooperation nach, um die
Kinder vom Suchschlitz der Großen durch Überzeugungsarbeit
abzuholen. Wenn Sie also eine solche "family filter" Sache
sehen, glauben Sei nicht alles, was das Marketing einer großen
Suchmaschine von sich gibt, die Konkurrenz von denen glaubt es ja
auch nicht. Glauben Sie auch nicht jeder Empfehlung. Wir selbst
haben ja bei großen Suchmaschinen gearbeitet und waren ebenfalls
verblüfft was manche Suchmaschinenexperten, die nicht bei
Suchmaschinen gearbeitet haben, über Suchmaschinen erzählen.
Vernünftig war im Jahr 1999/2000 die Entscheidung des General
Managers von AltaVista Deutschland, eben diesen nicht
funktionierenden family filter der US-Mutter in Deutschland aus
Jugendschutzgründen auch nicht zu übernehmen. Vernünftig war es
bei den Suchmaschinen Fireball und Infoseek spezielle Suchmaschinen
nach dem Vorbild der Blinden Kuh anzubieten für Kinder und jüngere
Jugendliche. Auch wenn die Flaute in der Online-Industrie alles an
Errungenem zu nichte machte, es war vernünftig. Wer heute nun
meint, das gehe auch mit einer Software, die Milliarden Seiten nach
gut und böse trennt, kennt sich als offenbar Außenstehender
garantiert nicht mit dem Spam-Problem großer Suchmaschinen aus,
oder will als Anbieter nur darüber hinweg täuschen, dass ihm der
Jugendschutz so etwas von egal, aber bestimmt keine Einstellung
einer Redaktion wert ist. Eher würde man Leute einstellen, die mit
ablenkenden Jugendschutzinitiativen, das Geld einer kompletten
Redaktion verdienen, als zuzugeben, dass man diese Geschichte
einfach nicht im Griff hat. Überall da, wo Sie derartiges Manöver
in der Öffentlichkeit sehen, wissen Sie ja nun, warum das so
gemacht wird.
Es
stellt sich eher die Frage, warum soviel über Jugendschutz im Internet
geredet wird, ohne ihn da zu stabilisieren, wo er erarbeitet wird,
nämlich im Angebot der Kinderseitenlandschaft. Die Blinde Kuh ist für
Viele ein Name und nicht nur ein paar HTML-Seiten, der für diesen
aktiven Kinder- und Jugendschutz im Internet steht und der bisher von
keinem Unternehmen trotz erheblicher Bemühungen getopt werden konnte
(allerdings wäre es leicht machbar, wenn man kooperieren und nicht
blockieren ja sogar sabotieren würde). Denn, was viele gar nicht
sehen, ist, dass bedeutsame Teile der Kinderseitenlandschaft so wie die
Blinde Kuh eine Privatinitiative engagierter Internet-Leute ist,
also klar und deutlich zeigt, dass das Internet selbst Verantwortung
übernimmt, ohne dass jemand erst einmal Geld auszahlte. Und wie
gesagt, die Blinde Kuh gibt es seit über 6 Jahren. Der Status, das
deutsprachige Web hat eine Suchmaschine für Kinder, galt also schon,
noch bevor in Deutschland Massen an Leuten ins Internet kamen.
Für
ihre Arbeit wurde die Blinde Kuh mehrfach ausgezeichnet, unter anderem
mit dem Kinderkulturpreis, und seit Ende 2003 sichert das Bundesfamilienministerium
mit der Übernahme der horenten Traffic-Kosten, dass dieser Pfeiler
für den Kinder- und Jugendschutz trotz viel Gerede um den Jugendschutz
und trotz lauter lauten Jugendschutzinitiativen nicht auch noch
abbricht. Es muss ja auch irgendwie nicht sein, dass ausgerechnet
erfolgreiche Angebote mit ihrem Erfolg in Sachen Traffic und
Redaktionsüberforderung dann auch noch bestraft werden. Denn jedes
Kind, das mit der Blinden Kuh sucht, sucht nicht mit einer Suchmaschine
der Erwachsenen und ist damit für diesen Moment erst einmal raus aus
den Problemzonen. Ist wie im echten Leben. Aus bisher unklaren Gründen
war die gesamte deutsche Industrie nicht in der Lage, diese eigentlich
überschaubaren Problemchen zu lösen. Nun ja, einige wollten es auch
nicht. Ohne diese Förderung hätte die Blinde Kuh trotz ihres
Erfolges, trotz aller Auszeichnungen, trotz der enormen Präsenz und
Empfehlungen in fast allen Medien, einfach schließen müssen.
Man
kann nicht erwarten, dass Eltern erst einmal mindestens ein halbes Jahr
versuchen den Überblick im Internet zu erhalten (so lang etwa dauert
die Einarbeitung einer Redaktion in diesem Bereich). Auch Lehrer aus
den Grundschulen sollen das Internet schnell mit ihren Schülern nutzen
können, das muss doch klar sein. Aus diesem Grunde ist die Blinde Kuh
eine der Seiten, die oft als Starseite eingerichtet werden.
Also,
das alles nur, für die Kinder im Internet. Und die können auch
meckern und verändern solange es ihnen Spaß macht. Es ist nun mal
ihre Suchmaschine.
Anders
als alle anderen, sagen wir eben nicht, dass wir alles tun, um für
Eltern, Lehrer und wen auch immer etwas brauchbares zu bieten, sondern
wir machen das in der Tat nur für die Kinder im Netz. Diese müssen
wir überzeugen, sonst wandern die uns ganz schnell wieder in den
Erwachsenenbereich. Die Erwachsenen müssen wir nicht überzeugen, die
zahlen uns ja nichts und haben ja selbst eine Homepage auf der sie tun
und lassen können was sie wollen und auch alles viel besser machen
können ;o)
Wenn
es den Erwachsenen dennoch so gefällt, also erst einmal gut genug ist,
das ist doch auch was Schönes. Natürlich können auch Erwachsene bei
der Blinden Kuh Sachen finden, die sie sonst nicht so einfach finden.
Schließlich ist das ja keine Pipifax-Suchmaschine und die Kinder
sollen ja auch was zum Angeben haben. Wenn sie dann gute Seiten wissen,
die ihre Eltern und Lehrer nicht wissen, na, dann haben sie doch etwas
zum Erzählen und zum Zeigen. Auch das gehört zur Entwicklung eines
Menschen dazu.
Einen
Trost wollen wir den Erwachsenen dennoch geben: Wir würden jeden
anderen Suchraum genauso aufbauen. Und bei der einen oder anderen
großen Suchmaschine hatten wir es sogar getan. Ein Großteil der
Blinde Kuh Mitarbeiter arbeitete bei den großen Suchmaschinen.
Dennoch, wir sind die ersten, die alles besser machen würden, wenn wir
denn die Mittel dazu hätten. Die Blinde Kuh ist ja nur ein Modell,
nicht eine Lösung. Wenn es jemanden gibt, der es besser macht als wir,
hören wir sofort auf, an dieser Sachen dann unnötig in unserer
Freizeit weiterzuarbeiten.
Die Blinden Kühe
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