Endlich Ferien! Doch als würde das
mich freuen, bei all den Hausaufgaben, die noch unerledigt auf
dem Küchentisch lagen. Aber mich am ersten Ferientag mit David
und Yann zu treffen, war es mir wert.
Obwohl ich wusste, dass mein Vater bereits mit den Verben auf
mich wartete, entschied ich mich, mich mit ihnen in der alten
Fabrik zu treffen, die schon seit Jahren stillgelegt war und in
die nie jemand rein ging, da Einsturzgefahr bestand.
Wir hatten für jeden einen
Spitznamen erfunden, keine Ahnung wieso, Yann hieß Goulasch,
David Diff und ich war bekannt als Zico. Wir hatten noch andere
Freunde, aber heute wollten wir uns ohne sie treffen. Ich habe
immer versucht der Anführer der kleinen Gruppe zu sein. Ob mir
das je gelungen ist, weiß ich nicht.
Ich öffnete die halb zerfallene
Tür und sah in zwei vertraute Gesichter. Yann und David hockten
auf zwei alten Fässern und schienen, zu versuchen, cool
auszusehen. "Was geht?" "Was geht?, antwortete ich.
Meistens saßen wir zu Hause rum und spielten mit der PSP, aber
heute wollten wir alle Fußball spielen. Ich hatte deshalb eine
Tüte in der Hand, in der ein roter Lederball lag. Die alte
Fabrik war perfekt geeignet zum Fußballspielen, da es supercool
aussah, wenn der Ball sein Ziel verfehlte und die Holzwände
traf, die dann zersplitterten und auf uns herab fielen. Doch als
ich mich gerade, ins mit zwei Holzstücken markierte, Tor stellen
wollte, brach die Decke ein. Mit einem großen Sprung schaffte
ich es gerade noch durch die Wand zu springen; was wegen dem
alten Holz kein Problem war. Als ich mich umdrehte und auf der
Wiese neben der Fabrik lag, merkte ich, dass David und Yann es
nicht geschafft hatten. Schnell lief ich zu ihnen zurück, um sie
unter dem Holz zu befreien. Ihnen war nichts passiert, außer
dass David nun aus der Nase blutete.
"Was war das?", fragte Yann. "Pssscht, da oben ist jemand!" Ich
hörte, wie eine raue Männerstimme sagte: "Willst du dass das
Ding zusammenfällt, los gib ihm das Geld und dann weg hier!" Ich
nahm eine Leiter und stieg hoch, bis ich etwas sehen konnte.
Über uns standen drei Leute, einer hatte einen Koffer in der
Hand, ein anderer hatte seine Pistole gezückt. Der Dritte schien
sich seiner Sache nicht sicher und betrachtete den Koffer
skeptisch. Nach einer Weile sagte er dann: "I denk da Angebo i
gudd." Der Mann nahm etwas aus seiner Tasche, das aussah wie
eine Kreditkarte und reichte sie dem Mann mit dem Koffer. "Gut,
dann wäre das ja geklärt, hat mich gefreut mit Ihnen Geschäfte
zu machen."
Der andere Mann reichte ihm den Koffer und drehte sich zu mir
um. "Da ist jemand!", schrie er entsetzt und der Mann mit der
Pistole richtete sie auf mich. Der Schuss verfehlte mich nur
knapp und traf den Holzboden, der nun durch die Luft flog. Vor
lauter Schrecken hatte ich die Leiter losgelassen und war nach
unten gefallen. "Lauft, LOS!", schrie ich und wir ergriffen die
Flucht. Die Männer verfolgten uns. Das hörte ich an ihren
Schritten und an den Schussgeräuschen. Ich hatte mein Handy aus
der Tasche geholt, doch in aller Eile fallen lassen.
"Verschwindet!", rief ich David und Yann zu, die protestierten.
"VERSCHWINDET!", wiederholte ich. Dieses mal liefen sie weg. Ich
drehte mich um und sah in das wutbebende Gesicht des Mannes. Er
hatte einen Schnurrbart und einen schwarzen Hut. "Was hast du
mitgekriegt?" Voller Panik und ohne zu wissen, was ich sagte,
antwortete ich: "Sie haben eine Karte gegen Geld eingetauscht."
"Weißt du Junge, ich hasse es, wenn die Zeugen sterben müssen."
In diesem Moment krachte die
Decke ein und fiel auf den Mann. Yann und David standen oben und
sahen auf mich herab. "Alles in Ordnung? Wo ist dein Handy?",
rief David. "Hier!" ich schoss es zu ihnen hinauf. "Jetzt ruft
die Polizei und lauft!"
In diesem Moment kamen die zwei
anderen Männer um die Ecke gelaufen. Einer von ihnen hatte nun
auch eine Pistole gezückt. "Na warte, das wirst du nicht
überleben!" Nun lief ich bis zum Ende des Flures und trat die
Tür rechts neben dem Ausgang ein. Ich stand in einem kreisrunden
Raum. Überall lagen Metallstangen und Scherben der zerschlagenen
Fenster auf dem Boden. Dieser Raum war definitiv unstabiler als
die ganze Fabrik. Ich wusste, dass es schief gehen würde. Ich
konnte mir nur Hoffnungen machen. Ich nahm den Ball und als die
Männer den Raum betraten und nach mir suchten zielte ich auf
einen Holzstamm, der die Decke stützte. Mit aller Wucht, die
mein rechter Fuß aufbringen konnte trat ich zu und...der
Holzstamm zerbrach und das letzte was ich sah war, wie die Wände
einbrachen. Eine dicke Staubschicht flog mir in die Augen und
ich lief weiter. Ein Mann schien immer noch hinter mir her zu
sein. Ohne zu überlegen öffnete ich die nächste Tür, die ich
sah.
In diesem Raum standen einige
zertrümmerte Autos und Fässer. Hinter diesen Fässern standen
Yann und David. "Lassen Sie Gilles sofort in Ruhe!", rief Yann
und wollte schon auf den Mann losstürmen, da sprang David vor
ihn und streckte dem Mann seine Hand entgegen. Er richtete seine
Pistole nun auf David. "Geh mir aus dem Weg, Junge!" "Sie dürfen
nicht schießen!" "Geh mir aus dem Weg!" "Ich bitte Sie, schießen
Sie nicht! Sie verstehen nicht" Doch ehe er zu Ende sprechen
konnte, hatte der Mann abgedrückt. Ich wusste, weshalb David so
besorgt war und packte meine Freunde am Hals und stieß sie durch
die Tür nach draußen. Ehe ich etwas tun konnte, erreichte der
Schuss sein Ziel. Eine gewaltige Flamme erleuchtete den ganzen
Raum.
Ich hob meine Hand und
verdeckte mir die Augen. Die Explosion schleuderte mich durch
die Wand. Langsam öffnete ich meine Augen. Anfangs konnte ich
die Umgebung nicht erkennen, dann sah ich David, der mich ansah
und sagte: "Goulasch, er ist wach geworden!" Yann stürmte sofort
herbei und fragte: "Gilles, geht's dir gut?" Ich konnte nicht
antworten. "Hör zu, ich wollte ihn warnen, dass das Benzinfässer
waren. Mein Blick war auf die Polizisten gerichtet, die die
Männer ins Auto brachten. Einer kam zu uns, schüttelte jedem die
Hand und sagte: "Das habt ihr wirklich gut gemacht. Auf der
Karte, die der Mann kaufte, war die Kombination des Banktresors
gespeichert. Mit dieser Karte hätte er zugriff auf drei unserer
Banken gehabt. Ich danke euch vielmals, dass ihr ihn aufgehalten
habt, obwohl es ein sträflicher Leichtsinn war." Mit einem
Kopfnicken drehte sich der Polizist um und rief: "Alles in
Ordnung, wir fahren."
Ich fasste meinen Kopf an: jemand hatte mir einige Pflaster auf
die Stirn geklebt. " Der Polizist sagte, dass du vollkommen
gesund bist. Übrigens hast du den Wagen gesehen der gerade
vorbeifuhr? Ein Range Rover!" Das war typisch für David. Yann
half mir auf, dann sagte er: "Der Polizist hat unsere Eltern
benachrichtigt, sie waren hier, nur deine waren nicht gekommen."
"Na und? Ist doch gerade so gut, oder? Außerdem kann ich jetzt
zu Hause sagen, dass man mit einer Kopfverletzung nicht lernen
kann." Ich lächelte. Dann gingen David, Yann und ich nach Hause.
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