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Am Ende des Regenbogens
eine Geschichte von Clarissa (11)

Eines Tages saß Leonie mit ihrem Kater Florian, auch Flo genannt, am Fenster und langweilte sich. Da sah sie einen großen Regenbogen und dachte: „Wo mag wohl das Ende des Regenbogens sein?“. Nun fasste sie einen Beschluss. Sie sagte zu Flo: „Ich werde das Ende des Regenbogens suchen und auch finden. Kommst du mit?“ „Na klar, ich kann dich doch nicht alleine gehen lassen!“, meinte der Kater, der übrigens Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Chinesisch sprechen konnte.

Also packten sie einen Rucksack mit ihren Sachen. Flo nahm seinen magischen Tennisball und Leonie holte ihren zauberhaften Flötenkessel hervor. Sie packten außerdem noch etwas Proviant ein. Es war nicht viel, damit sie nicht so schwer zu tragen haben würden. Außerdem würden sie, da waren sich beide ganz sicher, in Trollhausen vorbeikommen, und die Trolle mit ihren magischen Fingernägeln würden ihnen für den zweiten Teil der Strecke sicher etwas zu Essen zaubern. Bis Trollhausen kannten sie den Weg, denn dort waren sie schon oft. Aber danach...

Jetzt, wo alles gepackt war, setzte sich Leonie auf den Flötenkessel und nahm Flo auf den Schoß und den Rucksack auf den Rücken. Nun erteilte Leonie Befehle an den Flötenkessel: „Los, gib Gas!“, „Etwas weiter links – nein, doch rechts!“, Flieg mal tiefer – aber doch nicht so tief, dass wir den Boden berühren!“. Endlich waren sie in Trollhausen.

Sie wurden schon erwartet, denn der kleine Tennisball vom Dorfältesten war so aufgeregt, dass alle wussten, dass er Artgenossen gerochen hatte. Da es aber nur zwei magische Tennisbälle gab, einen in Trollhausen und den anderen bei Flo, schlossen die Trolle daraus, dass Flo und Leonie bald kommen würden, was ja auch richtig war. 

Die beiden erzählten von ihrem Plan, das Regenbogenende zu finden, während die Tennisbälle miteinander spielten. Sie sagten einander die Zukunft voraus, denn das war eine ihrer vielen außergewöhnlichen Fähigkeiten. Gleichzeitig fraß der Flötenkessel ein paar Stoffreste, von denen ihm übel wurde, da Seide dabei war. Seine Leibspeise war nämlich Jute, Seide konnte er gar nicht ausstehen.

Langsam mussten sich Leonie, Flo, der Flötenkessel und der Tennisball auf den Weg machen. Sie baten die Trolle noch, ihnen Proviant mitzugeben. Und die Trolle zauberten mit ihren magischen Fingernägeln eine riesige Menge Essen und Trinken. Es war mehr, als in drei der Rucksäcke gepasst hätte, aber seltsamerweise konnten sie alles in Leonies Rucksack verstauen. Als sie sich wieder alle auf den magischen Flötenkessel gesetzt hatten, merkte Leonie, dass der Rucksack plötzlich ganz leicht war und der Proviant anscheinend gar nichts mehr wog. „Oh, der ist aber leicht! Heb doch mal hoch, Flo!“ „Hei hau ho hing.“ „Ach Flo! Du weißt doch genau, dass ich Chinesisch nicht so gut beherrsche wie du.“ „Na gut, auf Deutsch heißt das: Ich schlafe gerade, also lass mich in Ruhe!!“ „Entschuldigung.

Inzwischen waren sie schon weit vorangekommen. Sie waren im Land der Farben und Leonie dachte sich, dass sie hier wahrscheinlich das Ende des Regenbogens finden würden. Nun war auch Flo wieder aufgewacht. Hier, im Land der Farben, war alles bunt. Nicht so bunt, wie es bei uns ist, sondern noch bunter. Jedes Ding hatte mindestens zwei Farben und irgendein Muster, etwa kariert oder gestreift. Zum Beispiel gab es dort gelb-rot-karierte Bäume und lila-blassblau-grün-gestreifte Eichhörnchen. 

Hier landeten sie auf einer Lichtung im Wald. Nun hatten Leonie und Flo großen Hunger, und auch der Flötenkessel konnte wieder einmal etwas vertragen. Zum Glück hatten sie den Proviant von den Trollen, die auch an den Flötenkessel dachten und zwei Meter lange Jutesäcke in den Rucksack gezaubert hatten. Alle stärkten sich erst einmal.

Plötzlich kam ein bunter Mann vorbei. Leonie fragte ihn, ob in diesem Land denn das Ende des Regenbogens sei und wenn ja, wo. Doch der Mann antwortete: „Natürlich ist hier das Ende des Regenbogens. Aber wieso sollte ich ausgerechnet euch sagen, wo?“ Da holte Flo den zauberhaften Tennisball hervor und hielt ihn dem Mann vors Gesicht. Dieser erblasste und stammelte: „Ein magischer Tennisball! Welch eine Ehre, ihn zu sehen! Da entlang geht es zum Ende des Regenbogens!“ Und er deutete mit dem Finger nach rechts. 

Flo steckte den Tennisball wieder in den Rucksack und sie liefen auf dem Weg nach rechts in den Wald hinein. Während des Laufens fragte Leonie Flo: „Woher wusstest du, das man hier magische Tennisbälle anbetet?“ „Wer außer dem Tennisball selbst hätte es denn zu mir sagen sollen?!“, erwiderte Flo.

Da blieb der Flötenkessel plötzlich stehen und pfiff, denn die anderen waren in ein Gespräch vertieft und wären fast mitten in die Mauer des Hauses, das der Flötenkessel gesehen hatte, hineingelaufen. Das Haus war in Regenbogenfarben angestrichen und alle waren sich sicher, dass sie hier richtig waren. Also klopfte Leonie an der Tür und sie ging von alleine auf.

Sie gingen vorsichtig den Gang entlang bis zu einer Tür, die auch wieder aufging. Und hier wurden sie erst einmal geblendet von den Farben in diesem Raum. Und sie wussten: Sie hatten das Ende des Regenbogens gefunden. 

Da hörten sie eine Stimme hinter sich: „Hallo Leonie, hallo Flo!“ Sie drehten sich um und sahen einen großen, alten Mann. Wer war er nur? Und als hätte der Mann Leonies Gedanken erraten, sagte er: „Ich bin der Hüter des Regenbogens. Ich mache die Regenbogen in der ganzen Welt. Doch eh ihr mich ausfragt, wie ich dieses Amt hier bekommen habe, wer ich genau bin, ob ich auch zaubern kann, ob meine Aufgabe schwer ist und so weiter, schlaft euch erst mal aus. Ihr habt eine lange Reise hinter euch.“

Leonie, Flo und der Flötenkessel gehorchten. Sie schliefen tief und fest. Da wurde Leonie wachgerüttelt: „Leonie, komm aufstehen, du musst in die Schule!“ „Mama? Wo ist Flo? Wo sind der magische Flötenkessel und der zauberhafte Tennisball? Wo ist das Ende des Regenbogens und dessen Hüter?" Du hast geträumt“, sagte Leonies Mutter. „Aber als ob du es geahnt hättest: Außen ist ein riesiger, wunderschöner Regenbogen.“ Und Leonie dachte sich im Stillen: „Und es war doch nicht nur ein Traum!“

 
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