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Nele
geschrieben von Jojo (13)

Nele war anders als die anderen, trotzdem war sie meine Freundin! Nele war anders als die anderen, sie war verrückt und durchgeknallt, sie tat Sachen, die sich keiner träumen ließ. Trotzdem war sie arm, sehr arm sogar! Konnte nicht mit auf Klassenfahrten fahren, ihre Eltern hatten zu wenig Geld.

Dann wurde ich 13 und mir war klar, dass Nele mir wie jedes Jahr nichts schenken konnte, das war aber egal! Doch diesmal war es komisch, Nele hatte kaum noch Zeit für mich und sagte: "Muss noch was erledigen." Ich dachte mir dabei nichts, dachte, sie müsse ihren Eltern helfen oder so. Doch dann bei Sport, als die anderen schon in der Halle waren, ging Nele noch mal zurück. Ich ging ihr leise nach, war neugierig, denn normalerweise erzählte sie mir doch alles, dachte ich jedenfalls. Hatte Angst, dass es was mit mir zu tun hätte. Ich weiß, dass es falsch war, ich tat es aber trotzdem! Da sah ich, dass Nele in die Schultasche einer Freundin griff. Sie holte etwas heraus, tat es in ihre Tasche und ging wieder in die Halle zurück. Nachher in der Pause ging sie wieder alleine weg, doch diesmal ging ich ihr nicht hinterher.

Nachmittags feierte ich dann meinen Geburtstag, Nele kam zu spät, ich fragte "Warum?". Sie sagt darauf nicht viel, nur "tut mir leid". Irgendwie brach unsere Freundschaft da auseinander. Warum erzählte sie mir nicht was los war?! Sie konnte mir doch vertrauen.

Dann ging's weiter. Nele drückte mir ein kleines viereckiges Geschenk in die Hand. Was war los, was war es?! Sie wusste, dass ich mir eine besonders teure CD zum Geburtstag wünschte, von meinen Eltern! Aber von ihr? Ja, sie schenkte mir diese besondere CD. Ich fragte sie, woher sie denn soviel Geld habe. Sie antwortete mir, dass sie gejobbt hätte, um das Geld zusammen zu bekommen. Ich glaubte ihr.

Anfang der nächsten Woche war Nele nicht mehr da, rief nicht an, kam nicht zur Schule und auch nicht zu mir. Ich fragte ihre Mutter, doch die wollte es mir nicht sagen. Da war doch was faul, dachte ich mir. Hatte das etwa was mit Sport und mit der CD zu tun?

Langsam ging mir ein Licht auf. Nele hatte geklaut, um mir eine Freude zu machen. Verrückt! Aber wo war sie nun? Ich fragte ihren Bruder, der sagte mir, dass sie von ihrer Oma ins Erziehungsheim gesteckt worden sei. Sollte ich das etwa glauben? Dachte mir, das kann nicht stimmen! Doch dann kam ein Brief von ihr:

Hallo! Du weißt bestimmt schon wo ich stecke, aber du musst wissen, dass ich das nur für dich getan habe. Ich wollte dir doch nur auch mal eine Freude machen und du hast dir ja... Ach egal, bitte bleib trotzdem meine Freundin! Ich vermisse dich soooooo!
Nele

Ich merkte, dass sie nur fröhlich und gut gelaunt tat, sie war es aber ganz bestimmt nicht, denn auf ihrem Brief war die Tinte mit ihren Tränen verschmiert. Bei diesem Brief liefen mir auch dicke Krokodilstränen über die Wangen.

Mir war klar, dass wir uns nun lange nicht sehen, denn Nele schrieb noch als PS, dass sie weder Besuch noch Post in Empfang nehmen dürfe. War das nicht ein Gefängnis für einen
Schwerverbrecher? Hatte Nele denn so etwas schweres verbrochen?

Die Zeit ohne Nele war schlimm. Aber niemand setzte sich auf Neles Platz neben meinem. Das wollte ich nicht, denn es war Neles Platz!

Dann, nach einem halben Jahr, kam sie wieder. Sie war komisch, sie traute mir nicht mehr, sprach nicht mehr viel und war ganz weiß im Gesicht. Als ich sie sah, schrie ich vor Wut: "Was haben sie mit dir gemacht??????? Verprügelt, gefesselt, hungern lassen???" Meine Mutter erklärte mir aber dann, dass sie nicht so brutal mit den Kindern umgehen würden, sie sagte, es wäre wie in einem Internat. Da wurde mir schon wieder wärmer ums Herz, trotzdem hasste ich dieses 'Gefängnis' noch mehr als vorher. Sie hatten mir meine Freundin weggenommen...

Ich dachte mir die schlimmsten Sachen aus, aber ich war machtlos, sie waren in der Überzahl, waren wie Ratten um mich herum, wenn man was falsches sagte oder machte, sprangen sie auf dich drauf und ließen dich an deinen eigenen Gefühlen kaputtgehen. Ich fragte die anderen, was sie davon hielten. Sie sagten nur, dass es ihnen recht wäre, sie bräuchten keine Diebin in der Schule.

Das war ein Schock für mich, eine olle Diebin, aber sie hatten ja Recht. Ich wurde misstrauisch, konnte ich Nele wirklich noch vertrauen? Ich ging auf Nele zu, sie stand alleine, verlassen und traurig in einer Ecke. Ich fragte sie, was los sei , da fing sie an zu weinen. Sie weinte lange, ich wusste nicht wieso, nahm sie nur in den Arm, um sie zu trösten. Nach der Schule kam sie dann mit zu mir. Da erzählte sie mir alles, was sie quälte, sie erzählte vom Heim, von mir, von uns und von anderen Dingen. Nun verstanden wir uns wieder und ich sagte ihr, dass ihre Freundschaft das größte Geschenk sei, was sie mir machen könnte. Da huschte ein kleines verlegenes Lächeln über ihr Gesicht, und mich machte dieses Lächeln überglücklich.

Nele ist anders als die anderen, nun ist sie ruhig und still. Nele ist anders als die anderen, trotzdem ist sie meine Freundin und das kann NIEMAND ändern!!!!!! 

 
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