| Vielleicht ist es wichtig, dass ich erwähne, dass ich eine Ratte bin.
Eine gewöhnliche Ratte, die unten im Abwasserkanal haust. Dort wo es stinkt
und immer kalt und feucht ist.
Doch ich war anders als meine Artgenossen.
Während meine Freunde im Abwasser badeten und lachten, stand ich am Rand und
ekelte mich vor dieser ekligen Brühe. Hier unten schien nie die Sonne.
Hier lebten nur die Ausgestoßenen: Die Ratten. Die Mäuse hatten es besser als
wir. Sie waren nicht groß und hässlich. Manche Menschen hielten sie sogar.
Mäuse waren klein, "süß" und flink.
Seit ich geboren war, hatte ich nie etwas
anderes gesehen als diese Gruft. Kaum war ich alt genug um laufen zu können,
schmissen mich meine Eltern auch schon raus. Ich hatte viele kleinere und
größere Geschwister. Für mich war kein Platz mehr. Ich bin ein Mädchen und
heiße Mella. Den Namen hatte ich mir selber gegeben. Meine Eltern hatten
keine Zeit gehabt, mir einen zu geben. Unterscheiden konnten sie uns sowieso
nicht.
Jetzt lebte ich in einer breiten Nische, die im dunklen, feuchten
Gemäuer kaum zu sehen war. Sogar hier musste man um sein Leben fürchten.
Die Arbeiter, die hier öfters rum liefen in ihren hohen Gummistiefeln,
jagten uns mit Fallen und Gift. Ich hatte immer Angst und wollte nur eins:
Weg von hier. Aber wohin?
Eines Tages machte ich mich auf den Weg.
Ich lief einfach gerade aus. Immer weiter. Ich drängte mich an die Wand und
lief weiter immer weiter. Meine kleinen Füße waren schon ganz schwach.
Aber ich wusste, wenn ich langsamer werde, verliere ich den Mut. Wie eine
Irre lief ich weiter. Hastete durch Rohre und watete durch stinkende
Pfützen. Ich keuchte und wurde langsamer, aber ich raffte mich zusammen und
rannte los. Schließlich beruhigte ich mich ein wenig und ging nun langsamer.
Ich beschloss, eine kleine Rast zu machen. Ich lehnte mich an die Wand und ehe
ich mich versah, war ich eingeschlafen...
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