Die Blinde Kuh - Suchmaschine für Kinder
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Koljas Geheimnis
eine Geschichte von Véronique (11) 
aus Luxemburg

 

Diese Geschichte handelt von Kolja Mauser. Kolja ist ein ganz besonderes Mädchen, nicht etwa, weil sie behindert ist oder so etwas in der Richtung. Nein von außen her ist sie wie alle anderen Kinder, ein 12-jähriges Mädchen mit kinnlangen, pechschwarzen Haaren und mit grünen Augen, die leuchten wie die einer Katze.

Kolja hat ein Geheimnis. Und zwar schleicht sie sich jeden Abend um elf Uhr hinaus, dann wenn alle in der Vorstadt schon in ihren Betten liegen.

Heute ist es mal wieder so weit, es ist viertel vor elf. Kolja ist ein bisschen aufgeregt. Dong, dong,…die Kirchenuhr schlägt elf Uhr. Auf Zehenspitzen schleicht sie zur Garderobe. Schnell gleitet sie in ihre Turnschuhe, sieht sich den Mantel über und verschwindet durch die Haustür in die dunkle Nacht. Als sie den Garten verlassen hat, beginnt sie zu rennen. Sie rennt in Richtung Wald, über die Brücke, bis hin zur Biegung, dann läuft sie über das große Maisfeld in den Tannenwald hinein. Nach ein paar Metern schon läuft sie den Hang hinunter. Sie imitiert einen Kauz und tatsächlich bekommt sie Antwort. Nicht von einem Kauz, nein, von ihrer Bande. Sofort biegt Kolja ab. Sie bleibt schlussendlich vor einer Höhle stehen. Nach ein paar Sekunden geht sie hinein.

Drinnen ist es heiß. Jungen haben ein Feuer gezündet. "Hallo, Kolja!" begrüßen sie Julian, Jürgen, Ben und der Boss Thomas. "Na? Ich konnte leider nichts mitbringen! Aber trotzdem, kommen wir zum Thema." entgegnet Kolja, indem sie sich zu den Jungen, mit denen sie die Bande gegründet hat, setzt. "Klaro, ich hab’ heute zehn Euro geerntet! Und ihr?" fragt Ben herausfordernd.

Diese Bande hat kein gewöhnliches Hobby, sie helfen einer Gruppe von "Schwarzbrennern", die CD’s an die Kunden zu geben. Das heißt, sie gehen mit der illegalen Ware an eine bestimmte Stelle und übergeben sie dort den Kunden. Dabei gibt es meistens gutes Trinkgeld für die Kids. Dieses legen sie zusammen, und am Ende des Monats wird etwas Neues damit gekauft, z.B. war es letztes mal ein Skateboard für Kolja.

Zögernd legen die Kids ihr Geld auf den Tisch. Heute waren es 30 Euro! "Guter Fang!" murmelt Julian. Thomas legt das Geld in den Tresor, den sie unter der Erde in einer Holzkiste haben. Natürlich wurde für so einen echten Tresor lange gespart und alle sind stolz darauf! "Für heute sehe ich mir mal die Liste an, ihr notiert euch eure Aufträge!" kommandiert Thomas und zieht eine Liste aus der Tasche. Alle nehmen ihren Notitzblock zur Hand. Der Boss diktiert:

"Kolja um 15 Uhr an der Schämerstraße." Kolja notiert den Auftrag für morgen. "Ben in der Gasse um 17 Uhr! Ich muss an der Bäckerei sein um 16 Uhr! Jürgen um 18 am Westbahnhof und um 18.15 am Gleis 5! Julian geht heute Abend zu Agent 4 in die Fabrik!" (Agent 4 ist einer von den Brennern und Julian geht hin, um ihm das Geld zu übergeben). "Tschüß, bis morgen!" verabschiedet sich Thomas und alle laufen zurück. "Erlöst, ich habe nur einen Auftrag!" denkt Kolja, indem sie wieder in die Stadt läuft. Zu Hause angekommen, schleicht sie wieder zurück in ihr Bett. Geschafft!

Am nächsten Tag genau um 15 Uhr steht Kolja an der Schämerstrasse. Dauernd summt sie einen Code. Da kommt auch schon ein Mann. Er erkennt den Code und geht auf Kolja zu indem er die linke Schulter leicht kreist. Kolja erkennt ihn und geht auf ihn zu. Im Vorbeigehen tauschen der Mann und Kolja Gegenstände. Kolja drückt ihm die CD in die Hand und er gibt ihr zwei Umschläge. Dann entfernt sich Kolja. Den einen Umschlag mit der Aufschrift : "Bringer" ist für sie, den anderen muss sie jetzt Julian vorbeibringen. Der ist für den Agenten.

Nach einigen Minuten ist Kolja zu Hause. Sie rennt in ihr Zimmer. Uff! Sie lässt sich auf ihr Bett fallen. Dann öffnet sie den Umschlag. Leider ist darin kein Geld sondern ein Zettel. Auf dem steht Folgendes: "Bringerin, du hast um 18 Uhr heute Abend bei mir zu sein, ich bin in dem Hochhaus in der Gewe-Mut-Straße zu finden, klingele bei Beimeier Markus! Komm, es ist zu deinem Guten!"

Kolja beginnt zu schwitzen. Soll sie hin oder nicht, es ist ja schließlich nicht ungefährlich! Ratlos nimmt sie den Telefonhörer in die Hand und wählt Thomas Nummer. Tuuut…Tuut… "Thomas Schmitt am Apparat", meldet sich Thomas. Schnell liest Kolja ihm den Brief vor. "Du gehst hin! Viel Knete, glaube ich. Geh’ hin Kleine! Los!" antwortet Thomas. "Na gut!" Kolja ist unsicher, um sechs steht sie doch vor dem Haus. Zitternd klingelt sie.

"Bringerin da?" meldet sich eine Stimme. Kolja bestätigt. Schnell läuft sie ins 3. Stockwerk. Derselbe Mann, der die CD gekauft hat, erwartet sie. "Rein!" knurrt der Mann. Drinnen weist er sie auf einen Sessel. "Wer bist du?" fragt der Mann. "Ich bin Bob." "Kolja!" antwortet sie zögernd. Sie hat die schlimmsten Befürchtungen. "Ich tue dir nichts, wollte nur den Boten mal kennen lernen", erklärt der Mann, als ob er in Koljas Gedächtnis lesen würde. "Nun die CD die ich da bekam war toll, kennst du die Brenner näher?" "Nein. Ich kenne sie nicht, ich will sie nicht kennen", erwidert Kolja steif. "Nun, wann trifft sich deine Bande?" bohrt der Mann weiter. Kolja antwortet nicht. "Sag schon!" "Ich will nichts verraten, Herr Bob! Ich gehe. Tschüß!" stottert Kolja. Schweigend drückt der Mann ihr 10 Euro in die Hand. Blitzschnell ist Kolja dann an der Tür. Aufgeregt rennt sie zur Haustür hinaus, die Treppen hinunter zur Stadt. Es ist bereits dunkel.

Ein wenig später steht sie vor ihrer Haustür. Sie holt tief Luft bevor sie hinein geht. Ihre Eltern sind zu Hause. Ausnahmsweise, denn mit der Nachtschicht klappt das nicht immer. Die Mutter verschläft den Tag und ihr Vater schläft öfters bei seinem Kumpel.

"Hey, Kleine!" schreit ihr großer Bruder, als sie in das Wohnzimmer kommt. Still wendet sie sich zur Treppe. "Kolja-Maus!" ruft Mutter. Aber Kolja geht in ihr Zimmer, als ob sie nichts gehört hätte. Sie denkt die ganze Zeit an diesen Bob. Oben hört sie ihre beiden Schwestern kreischen. Schnell geht sie an ihnen vorbei, sie will mit Thomas telefonieren. Sie will seine Nummer drücken, doch sie hört, dass ihre Mutter telefoniert. Fast automatisch lauscht Kolja, doch das was sie hört ist schlimm. Ihre Mutter sagt: "Nun Wachmeister Bob, dann werde ich mal mit Kolja über die CD’s reden………Sie sagen, sie hätte sich nicht äußern wollen………hmm…ja…Danke !" Aufgelegt. Schnell schließt Kolja ihre Tür ab. "Bob…Bob…Scheiße! Gut, dass ich nichts gesagt habe!" "Kolja, mach auf!" hört sie ihre Mutter rufen. Kolja hat Angst, deshalb rührt sie sich nicht. "Kolja…ich bin nicht böse!" ruft die Mutter. 

Das hilft, Kolja gibt sich einen Ruck und öffnet die Tür. Stille…Kolja beginnt zu weinen. Dann erklärt sie ihrer Mutter alles, nur die Namen der Bande verschweigt sie. "Ich glaube du musst in ein Internat, das wäre das Beste. Ich wüsste auch, was ich mache! Ich werde im Internat Sophia anrufen, die könnten dich nehmen. Da wärest du in guter Obhut!"  "Nein, ich bleibe in der Bande! Ich bleibe hier!" schreit Kolja, doch sie merkt selbst, dass es keinen Sinn hat. Sie wendet sich ab. Sie überlegt, das Erziehungsheim Sophia wäre nicht allzu übel! Was bleibt ihr übrig? Nichts! "Na gut! Aber ich werde jetzt Tho… äh die Bande anrufen!" stottert Kolja.

Die Mutter ist erleichtert, dass Kolja diesmal sofort einverstanden ist. So hätte sie es sich nicht vorgestellt. Aber trotzdem ist es nicht so leicht.

"äh…meine Mutter hört mit, also ich ………ich werde die Bande verlassen. Sag es den Anderen! ……Bye!" Ohne Thomas’ Antwort abzuwarten legt Kolja auf.

Aus mit der Knete, aus mit dem Spaß! Aus,aus,aus!

Kolja bleibt jedoch optimistisch, sie sieht nämlich ein klitzekleines bisschen ein, dass diese Arbeit blöd war! Trotzdem ist sie wütend ,dass alles aufgeflogen ist. Es war ein tolles Abenteuer!

Jetzt erwartet sie leider noch das ganze Nachspiel, der Gedanke an die Bande, an die Agenten, an den Richter, all das muss erst noch verdaut werden. Doch sicher ist, dass sie niemandem etwas von der Geschichte erzählt, keinen Namen erwähnt……nichts!

 
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