|
Diese Geschichte
handelt von Kolja Mauser. Kolja ist ein ganz besonderes Mädchen,
nicht etwa, weil sie behindert ist oder so etwas in der Richtung.
Nein von außen her ist sie wie alle anderen Kinder, ein
12-jähriges Mädchen mit kinnlangen, pechschwarzen Haaren und mit
grünen Augen, die leuchten wie die einer Katze.
Kolja hat ein
Geheimnis. Und zwar schleicht sie sich jeden Abend um elf Uhr
hinaus, dann wenn alle in der Vorstadt schon in ihren Betten
liegen.
Heute ist es mal
wieder so weit, es ist viertel vor elf. Kolja ist ein bisschen
aufgeregt. Dong, dong,
die Kirchenuhr schlägt elf Uhr. Auf
Zehenspitzen schleicht sie zur Garderobe. Schnell gleitet sie in
ihre Turnschuhe, sieht sich den Mantel über und verschwindet
durch die Haustür in die dunkle Nacht. Als sie den Garten
verlassen hat, beginnt sie zu rennen. Sie rennt in Richtung Wald,
über die Brücke, bis hin zur Biegung, dann läuft sie über das
große Maisfeld in den Tannenwald hinein. Nach ein paar Metern
schon läuft sie den Hang hinunter. Sie imitiert einen Kauz und
tatsächlich bekommt sie Antwort. Nicht von einem Kauz, nein, von
ihrer Bande. Sofort biegt Kolja ab. Sie bleibt schlussendlich vor
einer Höhle stehen. Nach ein
paar Sekunden geht sie hinein.
Drinnen ist es
heiß. Jungen haben ein Feuer gezündet. "Hallo, Kolja!"
begrüßen sie Julian, Jürgen, Ben und der Boss Thomas. "Na?
Ich konnte leider nichts mitbringen! Aber trotzdem, kommen wir zum
Thema." entgegnet Kolja, indem sie sich zu den Jungen, mit
denen sie die Bande gegründet hat, setzt. "Klaro, ich hab
heute zehn Euro geerntet! Und ihr?" fragt Ben herausfordernd.
Diese Bande hat
kein gewöhnliches Hobby, sie helfen einer Gruppe von
"Schwarzbrennern", die CDs an die Kunden zu geben.
Das heißt, sie gehen mit der illegalen Ware an eine bestimmte
Stelle und übergeben sie dort den Kunden. Dabei gibt es meistens
gutes Trinkgeld für die Kids. Dieses legen sie zusammen, und am
Ende des Monats wird etwas Neues damit gekauft, z.B. war es
letztes mal ein Skateboard für Kolja.
Zögernd legen
die Kids ihr Geld auf den Tisch. Heute waren es 30 Euro! "Guter
Fang!" murmelt Julian. Thomas legt das Geld in den Tresor,
den sie unter der Erde in einer Holzkiste haben. Natürlich wurde
für so einen echten Tresor lange gespart und alle sind stolz
darauf! "Für heute sehe ich mir mal die Liste an, ihr
notiert euch eure Aufträge!" kommandiert Thomas und zieht
eine Liste aus der Tasche. Alle nehmen ihren Notitzblock zur Hand.
Der Boss diktiert:
"Kolja um 15
Uhr an der Schämerstraße." Kolja notiert den Auftrag für
morgen. "Ben in der Gasse um 17 Uhr! Ich muss an der
Bäckerei sein um 16 Uhr! Jürgen um 18 am Westbahnhof und um
18.15 am Gleis 5! Julian geht heute Abend zu Agent 4 in die
Fabrik!" (Agent 4 ist einer von den Brennern und Julian geht
hin, um ihm das Geld zu übergeben). "Tschüß, bis morgen!"
verabschiedet sich Thomas und alle laufen zurück. "Erlöst,
ich habe nur einen Auftrag!" denkt Kolja, indem sie wieder in
die Stadt läuft. Zu Hause angekommen, schleicht sie wieder
zurück in ihr Bett. Geschafft!
Am nächsten Tag
genau um 15 Uhr steht Kolja an der Schämerstrasse. Dauernd summt
sie einen Code. Da kommt auch schon ein Mann. Er erkennt den Code
und geht auf Kolja zu indem er die linke Schulter leicht kreist.
Kolja erkennt ihn und geht auf ihn zu. Im Vorbeigehen tauschen der
Mann und Kolja Gegenstände. Kolja drückt ihm die CD in die Hand
und er gibt ihr zwei Umschläge. Dann entfernt sich Kolja. Den
einen Umschlag mit der Aufschrift : "Bringer" ist
für sie, den anderen muss sie jetzt Julian vorbeibringen. Der ist
für den Agenten.
Nach einigen
Minuten ist Kolja zu Hause. Sie rennt in ihr Zimmer. Uff! Sie
lässt sich auf ihr Bett fallen. Dann öffnet sie den Umschlag.
Leider ist darin kein Geld sondern ein Zettel. Auf dem steht
Folgendes: "Bringerin,
du hast um 18 Uhr heute Abend bei mir zu sein, ich bin in dem
Hochhaus in der Gewe-Mut-Straße zu finden, klingele bei Beimeier
Markus! Komm, es ist zu deinem Guten!"
Kolja beginnt zu
schwitzen. Soll sie hin oder nicht, es ist ja schließlich nicht
ungefährlich! Ratlos nimmt sie den Telefonhörer in die Hand und
wählt Thomas Nummer. Tuuut
Tuut
"Thomas Schmitt am
Apparat", meldet sich Thomas. Schnell liest Kolja ihm den
Brief vor. "Du gehst hin! Viel Knete, glaube ich. Geh hin
Kleine! Los!" antwortet Thomas. "Na gut!" Kolja ist
unsicher, um sechs steht sie doch vor dem Haus. Zitternd klingelt
sie.
"Bringerin da?"
meldet sich eine Stimme. Kolja bestätigt. Schnell läuft sie ins
3. Stockwerk. Derselbe Mann, der die CD gekauft hat, erwartet sie.
"Rein!" knurrt der Mann. Drinnen weist er sie auf einen
Sessel. "Wer bist du?" fragt der Mann. "Ich bin
Bob." "Kolja!" antwortet sie zögernd. Sie hat die
schlimmsten Befürchtungen. "Ich tue dir nichts, wollte nur
den Boten mal kennen lernen", erklärt der Mann, als ob er in
Koljas Gedächtnis lesen würde. "Nun die CD die ich da bekam
war toll, kennst du die Brenner näher?" "Nein. Ich
kenne sie nicht, ich will sie nicht kennen", erwidert Kolja
steif. "Nun, wann trifft sich deine Bande?" bohrt der
Mann weiter. Kolja antwortet nicht. "Sag schon!" "Ich
will nichts verraten, Herr Bob! Ich gehe. Tschüß!" stottert
Kolja. Schweigend drückt der Mann ihr 10 Euro in die Hand.
Blitzschnell ist Kolja dann an der Tür. Aufgeregt rennt sie zur
Haustür hinaus, die Treppen hinunter zur Stadt. Es ist bereits
dunkel.
Ein wenig später
steht sie vor ihrer Haustür. Sie holt tief Luft bevor sie hinein
geht. Ihre Eltern sind zu Hause. Ausnahmsweise, denn mit der
Nachtschicht klappt das nicht immer. Die Mutter verschläft den
Tag und ihr Vater schläft öfters bei seinem Kumpel.
"Hey,
Kleine!" schreit ihr großer Bruder, als sie in das
Wohnzimmer kommt. Still wendet sie sich zur Treppe. "Kolja-Maus!"
ruft Mutter. Aber Kolja geht in ihr Zimmer, als ob sie nichts
gehört hätte. Sie denkt die ganze Zeit an diesen Bob. Oben hört
sie ihre beiden Schwestern kreischen. Schnell geht sie an ihnen
vorbei, sie will mit Thomas telefonieren. Sie will seine Nummer
drücken, doch sie hört, dass ihre Mutter telefoniert. Fast
automatisch lauscht Kolja, doch das was sie hört ist schlimm.
Ihre Mutter sagt: "Nun Wachmeister Bob, dann werde ich mal
mit Kolja über die CDs reden
Sie sagen, sie hätte
sich nicht äußern wollen
hmm
ja
Danke !"
Aufgelegt. Schnell schließt Kolja ihre Tür ab. "Bob
Bob
Scheiße!
Gut, dass ich nichts gesagt habe!" "Kolja, mach auf!"
hört sie ihre Mutter rufen. Kolja hat Angst, deshalb rührt sie
sich nicht. "Kolja
ich bin nicht böse!" ruft die
Mutter.
Das hilft, Kolja
gibt sich einen Ruck und öffnet die Tür. Stille
Kolja beginnt
zu weinen. Dann erklärt sie ihrer Mutter alles, nur die Namen der
Bande verschweigt sie. "Ich glaube du musst in ein Internat,
das wäre das Beste. Ich wüsste auch, was ich mache! Ich werde im
Internat Sophia anrufen, die könnten dich nehmen. Da wärest du
in guter Obhut!" "Nein, ich bleibe in der Bande!
Ich bleibe hier!" schreit Kolja, doch sie merkt selbst, dass
es keinen Sinn hat. Sie wendet sich ab. Sie überlegt, das
Erziehungsheim Sophia wäre nicht allzu übel! Was bleibt ihr
übrig? Nichts! "Na gut! Aber ich werde jetzt Tho
äh die
Bande anrufen!" stottert Kolja.
Die Mutter ist
erleichtert, dass Kolja diesmal sofort einverstanden ist. So
hätte sie es sich nicht vorgestellt. Aber trotzdem ist es nicht
so leicht.
"äh
meine
Mutter hört mit, also ich
ich werde die Bande verlassen.
Sag es den Anderen!
Bye!" Ohne Thomas Antwort
abzuwarten legt Kolja auf.
Aus mit der
Knete, aus mit dem Spaß! Aus,aus,aus!
Kolja bleibt
jedoch optimistisch, sie sieht nämlich ein klitzekleines bisschen
ein, dass diese Arbeit blöd war! Trotzdem ist sie wütend ,dass
alles aufgeflogen ist. Es war ein tolles Abenteuer!
Jetzt erwartet
sie leider noch das ganze Nachspiel, der Gedanke an die Bande, an
die Agenten, an den Richter, all das muss erst noch verdaut
werden. Doch sicher ist, dass sie niemandem etwas von der
Geschichte erzählt, keinen Namen erwähnt
nichts!
|