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Das kleine Gespenst

Eine Geschichte von Caroline


Wisst ihr was, ich möchte euch heute eine Geschichte erzählen.
Es war vor ein paar Jahren, ich war so ungefähr zehn Jahre alt. Da nahmen mich meine Eltern mit in den Urlaub. Sie hatten ein schönes Ferienhaus am Strand gemietet. Als wir endlich dort ankamen sprang ich vor Freude in die Luft. Es war herrlich!!! Wir mussten nur einige Schritte laufen und schon konnten wir ins Wasser springen. Nachdem ich mich einmal kräftig abgekühlt hatte, ging ich auf Erkundungstour. Auf einem Hügel entdeckte ich dabei eine alte Ruine. Dahinter lag ein kleiner See. Dort gefiel es mir sehr. Mit meinem Handy rief ich meine Mutter an und sagte ihr Bescheid, dass ich noch etwas länger wegbleiben wollte. Dann machte ich es mir in der Ruine gemütlich. Ich setzte mich auf einen herabgefallenen Stein, lehnte mich an eine alte Mauer des halb eingestürzten Gebäudes und sah mir in Ruhe die herrliche Landschaft von oben an. Es gab Hügel mit Blumen, einen Bach und eben diesen See.
Plötzlich sagte jemand hinter mir: "Hallo, schön hier, nicht?" Natürlich erschrak ich furchtbar, das könnt Ihr euch ja denken. Aber ich wollte kein Angsthase sein. Also drehte ich mich um und sah - Meine Güte! - ein kleines, freundlich dreinschauendes Gespenst. Es lachte mich an und sagte, ich solle keine Angst haben. Es würde mir nichts tun. Ich erholte mich schnell von meinem Schrecken und erinnerte mich an meine guten Manieren. Ganz vorsichtig sagte ich also: "Hallo, stimmt, hier ist es wirklich sehr schön. Ich heiße übrigens Lina, und Du?" Das kleine Gespenst sah mich an und antwortete: "Ich heiße Maximilian, aber du kannst Maxi zu mir sagen." Wir erzählten uns viel und merkten gar nicht, wie die Zeit verging. Doch irgendwann wurde es so dunkel, dass wir uns kaum noch sahen. Das heißt, ich sah Maxi schon noch, weil er ja leuchtete. Aber er konnte mich nicht mehr sehen. Als ich auf die Uhr schaute, erschrak ich. Es war nämlich schon zehn Uhr vorbei. Wir verabredeten uns noch schnell für den nächsten Tag, dann lief ich eilig nach Hause.
Am nächsten Tag sprang ich früh aus dem Bett, frühstückte schnell und machte mich auf den Weg zur Ruine. Allerding musste ich Mutter versprechen, zum Mittagessen wieder zurück zu sein. Als ich ankam, erwartete Maxi mich schon ungeduldig. Er wollte mir heute seinen Lieblingsplatz unten am See zeigen. Wir machten uns auf den Weg und kurz darauf entdeckte ich sein Baumhaus, gut getarnt und nur über einen Geheimpfad zu erreichen. Vor Jahren von Kindern erbaut und dann verlassen, hatte Maxi sich darin einquartiert und zu seinem Lieblingsplatz gemacht. "Das ist ja toll, aber wie komme ich denn da hoch?" fragte ich. Aber Maxi war schon hinauf geschwebt und ließ eine Strickleiter herunter. Oben angekommen bestaunte ich die Aussicht und Maxi sagte: "Ich muss dir was erzählen. Es gibt in dieser Gegend noch zwei Gespenster. Sie heißen Pit und Peter und ärgern mich ständig mit ihren Streichen. Kannst du mir vielleicht helfen, sie auch einmal so richtig zu erschrecken?"
Nach kurzer Überlegung meinte ich: "In Ordnung, ich habe auch schon eine Idee." "Und die wäre?" fragte Maxi. "Also pass auf. Wir bauen eine Gießkannenfalle. Gespenster sind doch Wasserscheu, nicht?" antwortete ich. Und so haben wir es dann gemacht:
Ich lief schnell zu unserem Ferienhaus, holte aus dem Garten die Gießkanne und rannte zurück an den See. Dort schöpfte ich Wasser und schleppte die Kanne zum Baumhaus. Dann übernahm Maxi wieder das Kommando. Er flog mit der Gießkanne zu einem Ast direkt über dem Geheimpfad und befestigte sie mit einem Seil. Das andere Ende nahm er mit ins Baumhaus. Jetzt mussten wir nur noch im richtigen Moment dran ziehen und die beiden Halunken würden richtig nass werden. Wir machten es uns gemütlich und warteten.
Als wir es schon fast aufgeben wollten, kamen die zwei des Weges. Maxi machte sich bereit, um rechtzeitig an dem Seil zu ziehen. Ich nahm einen Trichter, in den ich Maxi zuliebe hineinsprechen musste. Jetzt waren sie genau unter uns und Maxi zog an dem Seil. Dazu rief ich: "Hier spricht der Geist dieses Sees, ich befehle euch, dass ihr in Zukunft immer nett zu dem Gespenst Maximilian seid. Als die beiden das hörten, flehten sie: "Bitte verschone uns, wir versprechen alles was du willst, aber tu uns nichts!" "Na dann ist es ja gut, trotzdem werde ich euch noch beobachten!", sagte ich als Wächter. Und dann rannten die beiden patschnassen Gespenster auf und davon. Doch schon am nächsten Tag kamen Pit und Peter zur Ruine, entschuldigten sich bei Maxi für ihre dummen Streiche und fragten, ob sie nicht alle gemeinsam Freunde werden könnten. Maxi willigte erfreut ein. Kurz vor zwölf machte ich mich auf den Weg zum Mittagessen.
In den folgenden Tagen erlebten wir vier noch viele aufregende Abenteuer. Eines Abends aber, ich war schon ins Haus gegangen, da sagte ich: "Mama, ich muss noch mal zur alten Ruine." "Na gut, aber beeil dich, du musst noch deinen Koffer packen!", sagte meine Mutter. Als ich dann an der Ruine ankam, saß Maxi gleich in der Nähe des Einganges. Ich lief zu ihm hin und rief, noch ganz außer Atem: "Hallo Maxi, ich wollte dir nur auf Wiedersehen sagen, weil wir morgen wieder zurück nach München fahren. Unser Urlaub ist zu Ende, aber ich werde versuchen, meine Eltern zu überreden, in den nächsten Ferien wieder her zu kommen." Maxi sah mich traurig an und meinte: "Hoffentlich sagen sie ja. Ach und Lina" sagte er noch "ich werde dich nie vergessen. Du hast mir geholfen, neue gute Freunde zu finden. Ich werde dich sehr vermissen." Eine dicke runde Träne kullerte ihm übers Gesicht. Und auch ich merkte, wie meine Augen feucht wurden. Ich drückte Maxi noch einmal an mich und sagte: "Ich vergesse dich auch niemals und wir bleiben für immer Freunde." Am nächsten Morgen fuhren wir wieder nach Hause und im vorbeifahren sah es so aus, als würde Maxi auf der höchsten Mauer der Ruine sitzen und mir nachwinken.




 

 
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