|
Wisst ihr was, ich möchte euch heute eine Geschichte erzählen.
Es war vor ein paar Jahren, ich war so ungefähr zehn Jahre alt.
Da nahmen mich meine Eltern mit in den Urlaub. Sie hatten ein
schönes Ferienhaus am Strand gemietet. Als wir endlich dort
ankamen sprang ich vor Freude in die Luft. Es war herrlich!!!
Wir mussten nur einige Schritte laufen und schon konnten wir ins
Wasser springen. Nachdem ich mich einmal kräftig abgekühlt
hatte, ging ich auf Erkundungstour. Auf einem Hügel entdeckte
ich dabei eine alte Ruine. Dahinter lag ein kleiner See. Dort
gefiel es mir sehr. Mit meinem Handy rief ich meine Mutter an
und sagte ihr Bescheid, dass ich noch etwas länger wegbleiben
wollte. Dann machte ich es mir in der Ruine gemütlich. Ich
setzte mich auf einen herabgefallenen Stein, lehnte mich an eine
alte Mauer des halb eingestürzten Gebäudes und sah mir in Ruhe
die herrliche Landschaft von oben an. Es gab Hügel mit Blumen,
einen Bach und eben diesen See.
Plötzlich sagte jemand hinter mir: "Hallo, schön hier, nicht?"
Natürlich erschrak ich furchtbar, das könnt Ihr euch ja denken.
Aber ich wollte kein Angsthase sein. Also drehte ich mich um und
sah - Meine Güte! - ein kleines, freundlich dreinschauendes
Gespenst. Es lachte mich an und sagte, ich solle keine Angst
haben. Es würde mir nichts tun. Ich erholte mich schnell von
meinem Schrecken und erinnerte mich an meine guten Manieren.
Ganz vorsichtig sagte ich also: "Hallo, stimmt, hier ist es
wirklich sehr schön. Ich heiße übrigens Lina, und Du?" Das
kleine Gespenst sah mich an und antwortete: "Ich heiße
Maximilian, aber du kannst Maxi zu mir sagen." Wir erzählten uns
viel und merkten gar nicht, wie die Zeit verging. Doch
irgendwann wurde es so dunkel, dass wir uns kaum noch sahen. Das
heißt, ich sah Maxi schon noch, weil er ja leuchtete. Aber er
konnte mich nicht mehr sehen. Als ich auf die Uhr schaute,
erschrak ich. Es war nämlich schon zehn Uhr vorbei. Wir
verabredeten uns noch schnell für den nächsten Tag, dann lief
ich eilig nach Hause.
Am nächsten Tag sprang ich früh aus dem Bett, frühstückte
schnell und machte mich auf den Weg zur Ruine. Allerding musste
ich Mutter versprechen, zum Mittagessen wieder zurück zu sein.
Als ich ankam, erwartete Maxi mich schon ungeduldig. Er wollte
mir heute seinen Lieblingsplatz unten am See zeigen. Wir machten
uns auf den Weg und kurz darauf entdeckte ich sein Baumhaus, gut
getarnt und nur über einen Geheimpfad zu erreichen. Vor Jahren
von Kindern erbaut und dann verlassen, hatte Maxi sich darin
einquartiert und zu seinem Lieblingsplatz gemacht. "Das ist ja
toll, aber wie komme ich denn da hoch?" fragte ich. Aber Maxi
war schon hinauf geschwebt und ließ eine Strickleiter herunter.
Oben angekommen bestaunte ich die Aussicht und Maxi sagte: "Ich
muss dir was erzählen. Es gibt in dieser Gegend noch zwei
Gespenster. Sie heißen Pit und Peter und ärgern mich ständig mit
ihren Streichen. Kannst du mir vielleicht helfen, sie auch
einmal so richtig zu erschrecken?"
Nach kurzer Überlegung meinte ich: "In Ordnung, ich habe auch
schon eine Idee." "Und die wäre?" fragte Maxi. "Also pass auf.
Wir bauen eine Gießkannenfalle. Gespenster sind doch
Wasserscheu, nicht?" antwortete ich. Und so haben wir es dann
gemacht:
Ich lief schnell zu unserem Ferienhaus, holte aus dem Garten die
Gießkanne und rannte zurück an den See. Dort schöpfte ich Wasser
und schleppte die Kanne zum Baumhaus. Dann übernahm Maxi wieder
das Kommando. Er flog mit der Gießkanne zu einem Ast direkt über
dem Geheimpfad und befestigte sie mit einem Seil. Das andere
Ende nahm er mit ins Baumhaus. Jetzt mussten wir nur noch im
richtigen Moment dran ziehen und die beiden Halunken würden
richtig nass werden. Wir machten es uns gemütlich und warteten.
Als wir es schon fast aufgeben wollten, kamen die zwei des
Weges. Maxi machte sich bereit, um rechtzeitig an dem Seil zu
ziehen. Ich nahm einen Trichter, in den ich Maxi zuliebe
hineinsprechen musste. Jetzt waren sie genau unter uns und Maxi
zog an dem Seil. Dazu rief ich: "Hier spricht der Geist dieses
Sees, ich befehle euch, dass ihr in Zukunft immer nett zu dem
Gespenst Maximilian seid. Als die beiden das hörten, flehten
sie: "Bitte verschone uns, wir versprechen alles was du willst,
aber tu uns nichts!" "Na dann ist es ja gut, trotzdem werde ich
euch noch beobachten!", sagte ich als Wächter. Und dann rannten
die beiden patschnassen Gespenster auf und davon. Doch schon am
nächsten Tag kamen Pit und Peter zur Ruine, entschuldigten sich
bei Maxi für ihre dummen Streiche und fragten, ob sie nicht alle
gemeinsam Freunde werden könnten. Maxi willigte erfreut ein.
Kurz vor zwölf machte ich mich auf den Weg zum Mittagessen.
In den folgenden Tagen erlebten wir vier noch viele aufregende
Abenteuer. Eines Abends aber, ich war schon ins Haus gegangen,
da sagte ich: "Mama, ich muss noch mal zur alten Ruine." "Na
gut, aber beeil dich, du musst noch deinen Koffer packen!",
sagte meine Mutter. Als ich dann an der Ruine ankam, saß Maxi
gleich in der Nähe des Einganges. Ich lief zu ihm hin und rief,
noch ganz außer Atem: "Hallo Maxi, ich wollte dir nur auf
Wiedersehen sagen, weil wir morgen wieder zurück nach München
fahren. Unser Urlaub ist zu Ende, aber ich werde versuchen,
meine Eltern zu überreden, in den nächsten Ferien wieder her zu
kommen." Maxi sah mich traurig an und meinte: "Hoffentlich sagen
sie ja. Ach und Lina" sagte er noch "ich werde dich nie
vergessen. Du hast mir geholfen, neue gute Freunde zu finden.
Ich werde dich sehr vermissen." Eine dicke runde Träne kullerte
ihm übers Gesicht. Und auch ich merkte, wie meine Augen feucht
wurden. Ich drückte Maxi noch einmal an mich und sagte: "Ich
vergesse dich auch niemals und wir bleiben für immer Freunde."
Am nächsten Morgen fuhren wir wieder nach Hause und im
vorbeifahren sah es so aus, als würde Maxi auf der höchsten
Mauer der Ruine sitzen und mir nachwinken.
|