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Hallöchen!
Ich heiße Katta, bin 14, und komme aus dem wunderschönen Hessenland! Ich
würde es überaus erfreulich finden, wenn ihr meine Geschichte ins Internet
stellen würdet.
Bis denn, Grüße und Küsse,
eure Katta
Ich erinnere mich noch genau. Meine Freundin Annemarie und ich saßen vor
der alten Kastanie, als wir den blauen Transporter das erste Mal sahen. Bei
mir zu Hause in Frankfurt wäre ein blauer Transporter nichts Besonderes
gewesen, sondern einfach nur das, was er war: Ein blauer Transporter. Doch
hier war das anders. Keiner der Dorfbewohner besaß einen blauen Transporter- noch nicht mal etwas, was an einen Transporter erinnerte.
Was will der hier? fragten wir uns, doch bald wandten wir uns wieder
wichtigeren Themen zu. Als wir bemerkten, dass der Himmel zusehends grauer
wurde, verzogen wir uns schnell in das nahe gelegene Fachwerkhaus, dass
Annemaries Eltern gehörte. Auf dem Weg zu Annemaries Zimmer kam uns ihre
Schwester, Anneliese, entgegen.
Yanara, Annemarie! Möhrchen ist
verschwunden! Möhrchen, dass war die orangerote Katze, die der Familie
gehörte. Mach dir keine Sorgen, Lieschen! Die taucht schon wieder
auf, sagte ich beruhigend, doch Anneliese entgegnete: Aber die kleine Molly von
Walthers ist doch auch nicht mehr aufgetaucht. Und die Katze von der alten
Frau Hopf ,was ist mit der??? Annemarie nickte unheilvoll. Na gut, suchen
wir, stimmte ich zu.
Das taten wir dann auch, aber ohne Erfolg. Möhrchen
war und blieb verschwunden. Als es in Strömen zu gießen begann, gaben wir
auf. Das Abendessen verlief ungewohnt still. Ich musste mich zwingen, nicht
die ganze Zeit nach einem orangeroten Fleck im Garten Ausschau zu halten.
Wir gingen sehr früh ins Bett, doch ich konnte nicht einschlafen.
Annemarie stieg aus ihrem Bett und tippte mich vorsichtig an.
Yanara? Schläfst du schon? Weißt du, ich habe überlegt. Ich glaube, jemand fängt die
Katzen, flüsterte sie. Diese Idee war mir auch schon gekommen.
Schau mal, es hat aufgehört zu regnen! Lass uns rausgehen. Hier drinnen kann ich keinen
klaren Gedanken fassen, meinte ich. Wir zogen uns Jeans und Pulli über und
setzten uns draußen vor die alte Kastanie.
Fakt ist: im ganzen Dorf verschwinden Katzen und kommen nicht wieder. Mit der Molly hat es
angefangen. Das war vor fast genau einem Monat. Das geht nicht mit rechten
Dingen zu! sagte Annemarie. Nein, stimmte ich ihr zu, aber wenn
du.... Ich brach mitten im Satz ab. Das helle Licht von Scheinwerfern
tauchte auf. So spät ein Auto? Es kam immer näher. Du! tippte ich
Annemarie aufgeregt an, das ist der blaue Transporter von heute
Nachmittag!
Plötzlich schoss mir ein Gedanke durch den Kopf!
Komm mit! rief ich. In Rekordzeit sprinteten wir zum Fahrradschuppen, zwängten
zwei Fahrräder (ich nahm das von Annemaries älterer Schwester Annegret) heraus
und nahmen die Verfolgung auf.
Den Transporter zu verfolgen war nicht
besonders schwer, denn er fuhr im Schneckentempo um kein Aufsehen zu
erregen. Genial, Yanara! Ich wette der Transporter hat etwas mit dem
Verschwinden zu tun, rief Annemarie. Mittlerweile hatten wir den Dorfrand
erreicht. Ohne zu blinken bog der Transporter rechts ab. Hier geht es zu
dem alten, verlassenen Hof. Ich wusste nicht, dass da jemand wohnt. Komm,
wir folgen ihm. Aber vorsichtig bitte, flüsterte Annemarie mir zu.
Wir schoben die Räder bis zum Tor und versteckten sie hinter einem monströsen
Busch. Dann huschten wir über den Hof. Nach kurzem Suchen hatten wir einen
großen Müllcontainer als unser Versteck ausgewählt. Der Fahrer des
Transporters war ins Innere des heruntergekommenen Stalles verschwunden.
Ich deutete aufgeregt auf den Transporter. Die Klappe stand einen Spalt
weit offen. Komm, wir sehen uns mal ein bisschen um! Ich wette, dass wir
was Interessantes finden werden, raunte ich. Wir schlichen zum Transporter und riskierten ein Blick.
Bingo! Annemarie stieß einen leisen Pfiff aus. Alles voller Käfige! Der ganze Transporter war voll
mit Katzen. Die aus dem Dorf waren auch dabei.
Ich hörte ein Knarren. Es war das Scheunentor. Der Schreck ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.
Der Fahrer kommt zurück! Schnell in den Transporter, da ist eine
Decke! Wir stiegen über die Käfige und deckten uns ganz zu. Mein Herz klopfte wie
wild. Mach, dass er uns nicht entdeckt. Bitte, bitte mach..., murmelte
Annemarie. Auch sie hatte schreckliche Angst.
Sekunden später hörte ich eine Stimme. Dann wurde die Klappe zugeworfen und der Motor angelassen.
Puh! Ich atmete erleichtert auf. Noch mal gut gegangen. Hast du ne
Ahnung, wohin wir fahren? fragte ich. Nein, antwortete Annemarie, aber der Transporter hat da ganz oben ein kleines Fenster. Wenn wir keinen
Mucks machen, könnte ich einen Blick riskieren. Gesagt, getan.
Du, Yanara, flüsterte sie kurz darauf.
Wir fahren nach Frankfurt! Wenigstens konnte dies dann keine besonders lange Fahrt werden. Aus lauter
Angst vor dem Entdecktwerden, wagten wir es kaum uns zu bewegen. Das waren
wohl die ungemütlichsten 45 min die ich bis dahin erlebt hatte. Doch dann
bemerkten wir, dass wir langsamer wurden. Wir hatten wohl die City
erreicht. Kurz darauf tat es einen Ruck und wir standen. Die Fahrertür
wurde geräuschvoll aufgerissen, schwere schritte entfernten sich. Mühsam
befreiten wir uns aus unserem engen Versteck. Diesmal schaute ich aus dem
kleinen Fenster.
Ein Schild stand genau vor dem Transporter: Warhold
Medicals-Forschung ist der richtige Weg! Plötzlich wurde mir alles klar!
Annemarie... ich weiß jetzt was sie mit den Katzen machen:
Tierversuche! rief ich. Annemarie wurde vor Wut rot. Diese Schweine! Was machen wir
jetzt? Hast du einen Plan? Wir müssen das doch irgendwie verhindern.
Yanara, ich habe solche Angst, meinte sie. Auch ich hatte Angst, aber ich
versuchte zu überlegen und einen klaren Kopf zu behalten.
Pass auf! Du rennst die Straße entlang. Da hinten steht ein Telefonzelle. Ruf die
Polizei an. Ich bleibe hier, erklärte ich ihr. Na gut, stimmte die
zitternde Annemarie zu. Sie kletterte aus dem Transporter und verschwand in
der Dunkelheit. Plötzlich hörte ich Stimmen. Eine gehörte wohl dem Fahrer.
Du Idiot! Kannst du nicht besser aufpassen? Aber ich glaube im Transporter liegt noch eine Decke. Die Klappe wurde aufgerissen. Vor
Schreck wurde ich fast ohnmächtig.
Eine Hand kam mir immer näher und zog
die Decke weg. Ich, ich..., fing ich an zu stottern. Aha, aha! Wen haben
wir denn da??? rief er erstaunt. Was machst du denn hier? Es klang
alles andere als liebenwürdig. Nein, keine Erklärungen. Unser Chef könnte
so ein junges Mädchen wie dich für seine... na ja sagen wir mal Forschung
sehr gut gebrauchen. Als er sah, wie blass ich geworden war, fing er an zu
lachen.
Komm mit! Er packte mich grob an und zerrte mich aus dem
Transporter. Ich versuchte mir den Weg durch die ganzen Gänge, die er mit
mir durchquerte, irgendwie zu behalten. Er schubste mich in ein Zimmer ohne
Fenster und schloss zweimal ab. Wo blieb bloß Annemarie mit der Polizei?
Ich fing an, mir heftige Vorwürfe zu machen. Ich muss hier irgendwie
raus! dachte ich verzweifelt.
In dem Raum war nichts. Es war absolut
leer. Dann fiel mir etwas auf. Ich hörte leises Miauen. Ja, ich war mir
ganz sicher. Die Katzen waren in einem Raum links von mir
eingesperrt! Doch wie sollte ich mich bloß befreien? Die Polizei würde weder mich noch
die Katzen finden. Der leere Raum war schrecklich. Obwohl, ganz leer war er
gar nicht. An der sehr tiefen Decke hing ein Kasten, an dem mehrere
Neonröhren befestigt waren. Da die Decke so tief war konnte ich den Kasten
leicht von der Decke lösen. Zwischen all den Stromkabeln erkannte ich noch
etwas anderes: Schwarzen Nachthimmel. Ein Fenster, ich war gerettet!
Es ließ sich leicht öffnen. Vorsichtig, um nicht die Kabel zu berühren,
kletterte ich aufs Dach. In diesem Moment kamen grüne Polizeiautos die
Straße entlanggefahren. Beamte stiegen aus. Da war auch Annemarie. So
schnell wie es ging kletterte ich die Feuerleiter herunter und erklärte
einem Polizisten die Lage von meinem Versteck und des Katzenraumes. Dann
schloss ich Annemarie glücklich in die Arme.
Wir hatte nicht nur Möhrchen und die anderen Katzen wiedergefunden und mit einer Verbrecher- und
Tierquälerbande den Garaus gemacht, nein, wir waren auch noch mal heil
davongekommen.
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