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Ein Käfer macht Urlaub
geschrieben von Anna (13) aus VS-Schwenningen

Wir Käfer haben es nicht leicht im Leben, wirklich nicht. Die ganze Zeit müssen wir aufpassen, das wir nicht plattgetreten werden oder unter irgendeiner Getränkedose zermalmt werden. Vor allem in der Stadt ist das Überleben wirklich hart. Um von meinem bescheidenen Zuhause, einer Nische in einer Hauswand, zum nächsten Mülleimer zu kommen, muss ich über eine Hauptverkehrsstraße! Aber zum Mülleimer muss ich, denn ich brauche schließlich auch etwas zu essen! Für das Überqueren der Straße habe ich mir inzwischen auch eine ganz brauchbare Taktik ausgedacht: Ich klammere mich ganz einfach an den Schnürsenkel von irgendjemandem und der trägt mich ganz flott über die Straße.

Aber jetzt werdet ihr euch sicher fragen, was denn so ein kleiner Wicht von Käfer in der großen Stadt macht?! Nun, das ist ganz einfach! Mein Ururgroßvater, Mederich von Käferich, flüchtete damals mit Frau und Tochter vom Lande, als die Bauern anfingen, Gift zu spritzen. Sie konnten dort einfach nicht mehr leben. Und so siedelte sich meine Familie in dieser Mauernische an, die wir inzwischen ausgebaut haben und wirklich sehr hübsch ist.

Freilich hat sich die Lage in der Stadt bis heute etwas geändert. Früher mussten wir Käfer 'nur' auf eure Füße aufpassen, jetzt kommen auch noch Fahrräder, Rollschuhe und Tretroller dazu! Es ist also eigentlich kein Wunder, dass ich mich eines Tages entschloss, einmal dem Alltagsstress zu entfliehen und Ferien auf dem Lande zu machen.

Ich hatte einen Vetter, der auf einem Biobauernhof hauste. Und der lag gleich vor der Stadt. Also machte ich mich an einem schönen Sonntagmorgen auf den Weg. Ich lief ein Stück und setzte mich dann auf den Gepäckträger eines Fahrrades, das mich direkt hinaus aus der Stadt trug. Jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich gerade, warum ich denn nicht einfach fliege! Nun, das ist eine traurige Geschichte und soll auch nicht jetzt erzählt werden, aber eigentlich ist es ganz einfach! Ich kann gar nicht fliegen. Ein Kaugummi hat mir die Flügel verklebt. Aber in der Stadt bringt es sowieso nicht viel, zu fliegen.

Na ja, jedenfalls reiste ich dann noch ein wenig mit einem Traktor und schließlich war ich da. Der Bauernhof bestand aus drei großen Gebäuden und überall standen Bäume und Büsche. Ich war so fasziniert von dem Anblick des vielen Grüns, das ich den Mann mit der Schubkarre gar nicht bemerkte und nur knapp dem Tod entkam. Schnell trippelte ich zu einer alten Steinmauer, wo ich mich sicher fühlte. Aber in diesem Moment kam ein riesiger, zottiger Hund um die Ecke. Leider entdeckte er mich und er fand mich wohl ziemlich interessant, jedenfalls schnüffelte er so sehr an mir herum, dass er mich fast zerquetscht hätte und ich schließlich in eine nahe Nische flüchtete.

Und wen traf ich da? Meinen Vetter! Die Wiedersehensfreude war groß und nahm uns erst einmal in Anspruch. Ich begrüßte auch seine Familie. Dann zeigte mir mein Vetter den Bauernhof. Die Ferien verliefen leider aber etwas stressiger, als ich es mir vorgestellt hatte. In den nächsten zwei Tagen wurde ich allein zehnmal fast von einer Kuh zertrampelt. Außerdem überrollte mich zweimal fast der Traktor und siebenmal fast die Schubkarre. Der Hund und die Katzen setzten mir genauso schlimm zu wie der Staub auf dem Hof, der mir in Augen und Lunge kam. Auch das Essen vertrug ich nicht. Ich vermisste meine fettigen Pommes aus dem Mülleimer, und Eis schien es auch nicht zu geben.

Im ganzen war es also kein sehr gelungener Urlaub. Und deshalb beschloss ich am dritten Tag, meinen Urlaub hiermit zu beenden und wieder meine gemütliche Stadtwohnung aufzusuchen. Mir war klar geworden, dass ich in die Stadt gehörte und nicht hier her auf das Land, und Dank dieser Einsicht lebe ich heute zufrieden in meiner kleinen Mauernische an der Straße.

 
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