Emanuel
stand vor der Hütte am Waldrand. Sie sah sehr baufällig aus.
Es dämmerte bereits und er wollte sich auf den Weg nach Hause
machen. Emanuel war gerade einige Meter gegangen, da fing es an,
wie aus Eimern zu schütten. Im Wald würde er sich bei dieser
Tageszeit nur verirren und bis zu seinem Haus im Dorf war es
noch sehr weit, dennoch wollte er nicht in die Hütte gehen, um
abzuwarten, bis der Regen vorbei war, denn er hatte schon früh
gehört, dass es in dieser Hütte spuken würde. Dennoch blieb
ihm nichts anderes übrig, wenn er sich nicht eine Lungenentzündung
holen wollte. Er blieb, solange der Regen anhielt, in der Hütte.
Ängstlich machte er die Tür auf und trat ein.
Es
war schon fast Mitternacht und der Regen hatte noch nicht
ausgesetzt. Allerdings war auch noch kein Geist oder etwas ähnliches
erschienen, was die Situation für Emanuel erheblich leichter
machte. Er legte sich auf eine Decke, die er in der leeren
Vorratskammer der Hütte gefunden hatte.
Die
Kälte wurde immer unerträglicher und bald hatte Emanuel den
Verdacht, dass es in der Hütte kälter wäre als draußen. Auch
wenn der Regen jetzt abzog, würde er in der Hütte übernachten,
denn zu dieser nächtlichen Stunde würden Räuber in dieser
Gegend nicht selten sein. Er suchte nach weiteren Decken und
fand einige in einer Mülltonne. Er richtete sich ein warmes
Lager und legte sich hin.
Die
Schläge der Kirchturmuhr hörte er nur ganz schwach: viertel
vor Mitternacht. Er versuchte zu schlafen, aber die Kälte lies
ihm keine Ruhe. Er stand auf und suchte weiter nach Decken. Es
schlug gerade Mitternacht, als er ein Schluchzen hörte. Das
ist bestimmt nur Einbildung dachte er, nein eigentlich
hoffte er es, und schob die Tür des steinernen Ofens auf.
Ah!
Gut! Noch mehr Decken! dachte er. Ihm machte es nichts aus,
dass die Decken schon fast vollständig verbrannt waren. Er nahm
sie aus dem Ofen und fühlte inmitten des Knäuels etwas hartes.
Zugleich wurde das Schluchzen lauter. Er zog die Decken
auseinander und was er sah, erschütterte ihn bis ins
Knochenmark. Halb verkohlt und rabenschwarz lag dort die Leiche
eines Kindes.
Die
Schluchzer wurden immer lauter. Emanuel war dies nicht geheuer.
Er ging zurück zu seiner Ruhestätte doch dort standen zwei
Personen: ein Mann und eine junge Frau. Die Frau schluchzte und
der Mann stand wütend, aber tatenlos daneben. Die Frau begann
zu schimpfen: Du, du! Weshalb hast du das getan? Du Ekel! Du
Miststück! Die Beleidigungen gingen dem Mann wohl zu weit. Er
brüllte los: Wie kannst du es wagen, mich zu beschimpfen! Mich,
der ich aus Liebe zu dir alles tun würde! Kannst du denn nicht
verstehen? Ich habe es für uns getan! Die Kleine wäre uns nur
im Weg gewesen!
Die
Frau schrie den Mann weiter an. Doch dieses auf einer anderen
Sprache. Es klang wie Französisch. Der Mann jedoch, von Wut
ergriffen, packte ein Messer und erstach die Frau, die er
anscheinend so geliebt hatte. Diese sank tot zu Boden, der
sofort von Blut getränkt wurde. Der Mörder kniete sich nieder
und weinte: "Nein...Angelina..stirb nicht!...Was habe ich
nur getan?" Er stürmte zu einem kleinen Schränkchen und
nahm eine Pistole heraus. Er hielt sie sich weinend an den Kopf
und drückte ab.
Emanuel
rannte aus dem Häuschen. Schließlich kam er im Dorf an. Er
suchte die Polizeistation auf und meldete die Morde. Als ein
Polizeiwagen an der Hütte ankam, war diese leer. Kein Blut,
keine Leichen, nichts, was auf ein solches Familiendrama
hindeuten könnte.
War
alles nur ein Traum, oder waren diese Morde wirklich irgendwann
in dieser Hütte am Waldrand geschehen?