Als ich eines Nachts mal wieder nicht einschlafen konnte, stellte ich mich
ans Fenster und schaute hinaus in die sternenklare Nacht. Als eine Sternschnuppe
vom Himmel fiel, kam mir ein Super Einfall. Denn ich wollte später Raumfahrerin
werden und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich schon bald eine Gelegenheit
bieten würde in den Weltraum zu fahren. Ich habe leider die Angewohnheit, dass
ich immer sofort alle Ideen, die mir kommen überdenken muss. Also schaltete ich
mitten in der Nacht meinen Computer ein und suchte im Internet nach einem
günstigen Hersteller für Raketenbauteile. Am günstigsten war ein Baukasten von
einer chinesischen Firma. In Euro umgerechnet kostete dieses Sortiment 4.000.000
Euro und 33 Cent. Da ich gerade mal 10,67 Euro entbehren konnte, kam dieses
einmalige Angebot nicht in Frage.
Doch was nun? Ich nahm mir ein Blatt Papier und begann ein Raumschiff zu
zeichnen. Nach vielen, vielen Versuchen, hatte ich endlich die richtige Farbe,
Form und Größe für ein funktionstüchtiges Raumschiff und außerdem die Bauteile,
die leicht vom Schrottplatz zu beschaffen waren. Jetzt musste ich nur noch alle
Teile besorgen, dann konnte meine Fahrt ins All losgehen. Am nächsten Morgen
stand ich noch vor dem Klingeln meines Weckers auf, und machte mich auf den Weg
zum Schrottplatz. Ich hoffte, dass ich alles finden würde, denn ein
Raketentriebwerk zu bekommen war nicht besonders einfach. Ansonsten würde ich
einfach versuchen ein eigenes zu konstruieren.
Nun war ich schon auf dem Schrottplatz. Dort begann eine mühselige Arbeit.
Ich musste riesige Schrottberge nach einzelnen bestimmten Schrauben durchsuchen
und Schutzbleche zurechtbiegen. Nach ca. zwei Stunden hatte ich alles
beieinander. Nachdem ich mir einen klapprigen Bollerwagen gesucht hatte, fuhr
ich nach Hause und dachte über einen Platz nach, wo ich meine Rakete verstecken
konnte, bis sie fertig war. Ich holte eine Karte von unserem Dorf aus dem
Bücherregal. Mein Blick fiel auf den Wald. Dort war eine Lichtung, wo vor gut
drei Jahren noch ein Teich gewesen war. Doch der war irgendwann in einem heißen
Sommer ausgetrocknet und nun war dort eine kleine Kuhle, in der auch eine kleine
Rakete starten konnte. Jetzt brauchte ich nur noch ein bisschen Geduld, dann
konnte es losgehen.
Am ersten Bautag war es nicht besonders spannend. Ich zeichnete hauptsächlich
Baupläne und hämmerte Bleche gerade. Doch am zweiten Tag rief ich meine beste
Freundin Carlotta an und erzählte ihr von der Rakete. Sie war sofort Feuer und
Flamme und wartete bereits auf der Lichtung auf mich. Nun ging die Arbeit
richtig los. Wir hämmerten, schraubten, sägten und lackierten die ersten fünf
Tage außen, dann hämmerten, sägten und schraubten wir innen. Außerdem montierte
ich im Cockpit eine Anlage, wo sich alle nötigen Knöpfe und Anzeigen befinden
sollten. Nun fehlte noch die Inneneinrichtung. Carlotta schlug vor, auf dem
Schrottplatz nach Rückbänken von kaputten Autos zu suchen.
Das hielt ich für eine gute Idee. Also radelten wir gleich los. Für das Cockpit
brauchten wir eine Sitzbank und für hinten drei. Nach einer Stunde hatten wir
allein auf dem vorderen Teil des Schrottplatzes fünf Rückbänke gefunden, und
davon suchten wir uns die schönsten aus. Am darauffolgenden Sonntag montierten
wir die Rückbänke und nähten uns Gardinen aus altem Stoff. Außerdem bauten wir
noch einen kleinen Kühlschrank und Hängeschränke ein. Nun war unser Raumschiff
komplett.
An einem Dienstag in den Sommerferien ging es los. Mein Vater hatte uns noch
einen Schwerkraftventilator eingebaut, damit wir nicht durch die Gegend flogen,
wenn wir im Weltraum waren und eine kleine Spüle, damit wir unser benutztes
Essgeschirr selbst abwaschen konnten. Aber ich sagte ihm, dass wir uns
wahrscheinlich ein Hotelzimmer in der Milchstraße mieten würden und dort müssten
wir nicht abwaschen und teuer wäre es auch nicht. Papi meinte: „Meinetwegen“,
aber wir sollten später nicht rummeckern, wenn es doch kein Hotel da oben gäbe.
Dann stiegen Carlotta und ich ein, Papi zündete die Lunte und wir schossen durch
die Atmosphäre hinaus in den Weltraum.
Kaum waren wir auf der Erdumlaufbahn, verringerte sich die Geschwindigkeit
und ich hielt direkt auf den Mond zu. Nach gefühlten zwanzig Minuten landeten
wir auf dem Mond, zogen unsere Raumanzüge an und gingen nach draußen, um
Mondsteine zu sammeln. Doch da war schon einer. Er hatte einen langen weißen
Bart und trug ein Bündel Holz auf dem Rücken. „Der Mann im Mond!“, riefen
Carlotta und ich gleichzeitig aus. Fünf Minuten später saßen wir bei dem Mann im
Mond auf dem Sofa und tranken köstliche Milch aus Mondstein gefertigten Bechern.
Der Mann im Mond sagte er hieße Klaus und was wir hier auf seiner Mondhälfte
machten. Wir erzählten ihm alles. Von meiner Idee in der Nacht, von dem Bau des
Raumschiffes und von unserem Flug ins All. Klaus war begeistert und fragte, ob
er uns zur Milchstraße bringen könnte, denn er wäre dort ewig nicht mehr gewesen
und müsste mal etwas anderes sehen, als seine kleine Mondhütte. Wir stimmten ihm
sofort zu, denn wer fliegt schon mit dem Mann im Mond in die Milchstraße?
Carlotta schlug vor, gleich loszufliegen und sich ins Cockpit zu setzten. Ich
nahm ihren Vorschlag dankbar an und so saß ich während unserer Fahrt in die
Milchstraße auf der Rückbank, trank Mondmilch und plauderte mit Klaus über die
Weltraumrevolution und dem Leben auf der Erde. Er war begeistert als ich ihm ein
Bild von einer Kuh zeigte. Irgendwann rief Carlotta: „Alles aussteigen, wir sind
da.“
Ich kletterte nach Klaus aus dem Raumschiff und war begeistert. In der
Milchstraße tummelten sich Menschen. Wir standen an einer Tanksäule und tankten
Himbeersaft. Der Tankwart stellte sich mit dem Namen Elinohr vor. Er sagte dass
das Tanken und ein Parkplatz fünf Mondsteine kostete und ob wir überhaupt so
viel Geld hätten. Ihm gingen Augen und Ohren über, als ich ihm Fünf große
Mondsteine in die Hand legte. Stammeln bedankte er sich und wandte sich ab.
„Nun“, sagte Klaus, „wir müssen uns im Hotel einmieten. Direkt gegenüber ist
eines“. Wir gingen auf die große Tür des „Sternenpalastes“ zu. Misstrauisch
blickte uns die Dame in der Rezeption an, als wir eintraten. „Was wollt ihr?“,
fragte sie mürrisch. „Wir möchten gerne ein Zimmer mieten“, antwortete ich. „Ihr
seht nicht so aus, als ob ihr besonders viele Mondsteine hättet“, meinte die
Dame an der Rezeption. Ich zog wie bei Elinohr, dem Tankwart meinen Lederbeutel
hervor und kippte dessen gesamten Inhalt auf die Theke. Die Laune der
Rezeptionsdame besserte sich schlagartig. „Oh“, sagte sie mit honigsüßer Stimme,
„Wir haben noch einige Zimmer frei. In welches wollt ihr?“ „Wir hätten gerne ein
Zimmer mit Balkon“, erwiderte Carlotta. „In Ordnung. Dann bekommt ihr Nummer 12.
Hier ist der Schlüssel.“
Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, ließen wir es uns in dem Restaurant
Milchbar des Hotels gut gehen. Danach gingen wir schlafen. Am nächsten Morgen
frühstückten wir in der Milchbar und schlenderten dann in der Milchstraße umher.
Als wir gerade aus dem Museum kamen, sahen wir auf einem Plakat, dass ein Dieb
schon lange die Milchstraße unsicher machte und dass man auf keinen Fall allein
hinaus gehen sollte. Außerdem sollte sich jeder, der etwas gesehen hätte auf der
Polizeiwache melden. Auf den Dieb war eine hohe Belohnung ausgesetzt. Schnell
überprüfte ich, ob mein Lederbeutel noch da war. Erleichtert atmete ich auf. Der
kleine Lederbeutel befand sich nach wie vor in meiner Tasche. Vergnügt gingen
wir weiter. Aber als wir kurz vor dem Hotel waren, schrie eine Frau auf, eine
kleine Gestalt hätte ihre Handtasche gestohlen. Ich fuhr herum und sah nur noch
einige braune Haare in der Menge verschwinden. Klaus, Carlotta und ich kümmerten
uns nicht weiter darum, aber als Tags darauf eine weitere Handtasche gestohlen
wurde, gaben wir immer mehr auf unsere Sachen acht.
Ein Paar Tage später, als wir die beiden Vorfälle schon fast wieder vergessen
hatten und gerade aus der Eisdiele kamen, bemerkte ich eine Gestalt neben mir
und ehe ich es mir versah, verschwand sie genau so schnell, wie sie gekommen
war. Fast automatisch tastete ich nach meinem Geldbeutel und, oh Schreck, er war
weg. Mir war klar, dass die kleine Gestalt den Beutel gestohlen haben musste und
ich rannte sofort los. Klaus und Carlotta folgten mir ohne zu zögern. Nun begann
eine richtige Verbrecherjagd. Ich rannte der Gestalt nach durch die Milchstraße,
bis die Gestalt in eine Sackgasse bog. Doch das war für die Gestalt kein
Hindernis. Behände hüpfte sie über die Mauer und wir verloren sie aus den Augen.
„Mist“, rief Carlotta und trat einmal kräftig gegen die Mauer. Da schoben die
Steine sich zur Seite und gaben einen Weg frei. Man sah nur Schwärze. Aufgeregt
schoben wir uns durch den schmalen Durchgang. Die Steine machten das Loch nun
wieder zu. Es war stockfinster. Vorsichtig tasteten wir uns an den Wänden
entlang. Nach einiger Zeit sahen wir den Schein einer Lampe. Wir bogen um die
letzte Ecke und kamen zu einem Lagerplatz. Ein kleines Mädchen hob erschrocken
den Kopf. „Wir wollen dir nichts tun“, sagte Klaus und trat an das Mädchen
heran. Dieses wich beängstigt zurück. „Hab keine Angst“, versuchte es Klaus
nochmals, doch das Mädchen war schon in einem weiteren gang. Klaus sprach
weiterhin beruhigend auf das Kind ein und schließlich trat es vor und fragte mit
dünner Stimme: „Was wollt ihr von mir?“ Wir versuchten ihm zu erklären, dass wir
auf der Suche nach einem Dieb wären, doch sie brach in Tränen aus. „Ich
gestehe“, schluchzte sie und presste ihre Hände auf das Gesicht, „ich habe den
Leuten die Handtaschen und Geldbeutel gestohlen. Aber nur weil ich meine Eltern
und Geschwister verloren habe und nichts zu essen habe. Aber bitte, bitte
verratet mich nicht. Ich tue alles dafür. Wirklich alles.“ Schluchzend kauerte
sie sich zusammen.
Da kam mir plötzlich eine Idee. „Klaus“, sagte ich, „kannst du sie nicht bei
dir wohnen lassen? Sie könnte dir im Haushalt helfen und in der Milchstraße zur
Schule gehen. Und mal ganz neben bei, wünschst du dir nicht einen Mitbewohner?“
Hoffnung schöpfend, hob das Mädchen den Kopf. „Würdest du das tun?“, fragte sie
Klaus und sah ihn mit bittenden Augen an. „Aber natürlich“, antwortete Klaus und
so kam es, dass das Mädchen mit uns aus der Milchstraße abreiste und mit Klaus
auf den Mond zog. Dort wurde eine Busverbindung hergestellt, die sie jeden
Morgen in die Schule brachte.
Carlotta und ich besuchen Klaus und das Mädchen noch heute.
Ende