|
Die Sonne stand
hoch am Himmel und brannte sengend auf den Hain. Auf der Wiese
war nichts außer Blumen und hohem Gras und ein paar Bäumen. Die
Vögel, die in ihnen wohnten, waren schon längst verstummt. Und
ich saß da und wartete. Und das seit Stunden. Nicht, dass ich
ungeduldig wäre, nein, nur wer sitzt schon gerne mehrere Stunde
in der Hitze, die einem die Haut briet?
Nun ja, ich jedenfalls nicht.
Und ich wusste schon lange, dass er nicht kommen würde, aber ich
wartete trotzdem tapfer weiter. Doch als die Sonne am Himmel
unterging, als meine Haut anfing zu schmerzen, als ich meine
Faust ballte und als sich Falten der Enttäuschung auf meiner
Stirn ausbreiteten, ja, da stand ich auf und ging in den
düsteren Wald.
Oh ja, es war sehr reizvoll mich zu enttäuschen. Sehr amüsant
auch noch dazu.
Und als ich in den düsteren Wald trat, rollte eine Träne meine
Wange hinunter.
Ich rannte und rannte. Wie hatte ich das vergessen können?
Sie würde mir das nie verzeihen! Sie war bestimmt nicht mehr da,
doch ich gab die Hoffnung nicht auf. Sie musste da sein. Sie
musste einfach.
Doch ich wusste genauso gut, dass sie nicht mehr da war. Und
wirklich: Als ich auf dem Hain ankam, war er leer.
Das würde ich mir nie verzeihen.
Ich stapfte weiter durch den finsteren Wald, in dem ich mich
sonst geborgen fühlte. Ganz ehrlich, was hatte ich mir gedacht?
Das er sein Versprechen halten würde? Bah! Nein, einem Dieb
konnte man nicht trauen, aber ich hatte es getan. Ich war so
kindisch!
Er hatte es aber versprochen.
Na und?
Er hat versprochen, wenigstens mit dem König zu reden.
Glaubst du wirklich, er wäre gekommen, selbst wenn er mit dem
König geredet hätte?
Ja.
Ich vergrub den Kopf in den Händen und ließ mich auf dem Boden
gleiten. Nein, ich war doch zu dumm! Hätte er mit dem König
geredet, wäre ich vielleicht jetzt frei! Aber nein, er hatte es
nicht getan. Ein Dieb, der für den König arbeitete, dass war
schon etwas Neues. Besser, etwas Ungewöhnliches. Aber wie man
sah, gab es das!
Wütend fing ich an zu schluchzen. Wieder so ein Merkmal von mir,
das mir gestohlen bleiben konnte! Wie egal es mir war! Es sollte
mir egal sein. Das, das mich schon wieder jemand im Stich
gelassen hatte. Ich hatte keine Freunde, und ich würde auch nie
welche haben, das sollte ich mir endlich merken!
Ein lauter Ruf hallte durch den Wald, dann ein Rauschen und ich
wusste er da kam.
Es war der Tod. Na ja, erst einmal der Sensemann, der Gefährte
vom Tod. Eher der, der mich zum Tod bringen würde.
Aber das nur weil er mich vergessen hatte.
Und dann sah ich das, vordem ich am meisten Angst hatte, genau
vor mir.
Er trug einen langen, schwarzen Mantel, und sein Gesicht wurde
von einer Kapuze bedeckt. Die lange Klinge seiner Sense
reflektierte das wenige Licht, das durch das Geäst drang.
Ich rannte in den Wald. Ich hatte sie vergessen, ja. Aber
vielleicht konnte ich ihr ja doch noch helfen. Es war wenigsten
einen Versuch wert.
Und ich rannte weiter, bis das Geäst nach mir griff. Bestürzt
blieb ich stehen. Nein, es konnte ganz sicherlich nicht das
geschehen sein, was ich dachte. Denn dann hätte sich der Ast von
alleine bewegt.
Und doch, der Ast schlang sich um meinen Arm, und sein Griff
wurde immer fester.
„Bleib, wo du bist“, flötete eine Stimme, „Was macht denn ein
Mensch deines Alters ganz alleine im Finsteren Wald?“
Ich biss die Zähne zusammen. Eingebildete Elfen- mist! Das
konnte ja auch nur mir passieren! Aber irgendwie musste ich mich
da schließlich rausretten. Sie, also die, die ich vergessen
hatte, war schließlich auch eine Elfe. Aber eine andere. Eine
ganz andere. Sie war für mich der beste Kumpel, doch auch nicht
mehr. Aber das mit dem besten Kumpel sollte schon etwas heißen,
denn für einen Dieb, einen Verstoßenen, hatte ich schon ziemlich
viele Freunde. Alle, die auch Diebe waren.
„Ich bleib schon wo ich bin, keine Sorge. Ich versuch nur einer
Elfe das Leben zu retten“, presste ich zwischen den Zähnen
hervor.
Einen Moment blieb es still. Einen endlos langen Moment.
„Ach, so ist das! Das heißt, dass ich dich jetzt einfach gehen
lasse, oder?“
„Ich kann nichts dafür, dass Elfen Bäume befehlen können!“,
murmelte ich leise vor mich hin.
„Ich auch nicht“ Nur eine Elfe hätte das hören können. „Warum
wolltest du sie retten?“
Ich schluckte. Mein Gewissen biss zu. „Ich habe es versprochen.“
Ich hörte Schritte auf dem Waldboden. Die Elfe kam näher- ich
spürte wie sie hinter mir stand. „Und was ist dir ein
Versprechen wert?“
„Kommt drauf an, um wen es geht.“
„Ich hoffe, das ist hier genug wert“ Der Ast ließ mich los. Ich
rieb meinen Arm und drehte mich verwundert.
Doch ich versteinert sofort. Da war Helyja.
„Ja! Hör mich auf so anzustarren“
„Bist du- bist du tot?“, stammelte ich. Sie sah nämlich äußerst
wie eine Leiche aus: Blass, verblasstes Haar, es schimmerte nur
noch ganz schwach, früher war es einmal dunkel violett gewesen,
weiter wollte ich sie nicht anschauen, ihre schwarzen Augen mit
den dunklen Schimmer darunter reichten, und deshalb starrte ich
auf den Boden.
Auf ihrem Gesicht erschien ein Lächeln, das ich nicht sah.
„Fast“, sie klang überhaupt nicht wütend. „Hast du das Schreiben
vom König?“
„Ja, warum?“, verwundert starrte ich sie doch an.
„Gib!“ Schnell zog sie mir das Papier aus den Händen, das ich
ihr hinhielt, und überflog es. Dann umarmte mich stürmisch.
„Das ‚fast’ nehm ich zurück!“, flüsterte sie. „Ich bin befreit!
Danke! Du bist der beste Freund den man sich wünschen kann!“
Aha!, dachte ich mir, ich bin also der beste Freund, den man
sich wünschen kann!
Und ab da, war es niemals schwierig. Wir vertrauten uns
gegenseitig. Für immer.
Und wie man immer gerne sagt:
Ende gut, alles gut…
Hallo ihr! Ich bin Anja und bin
zwölf Jahre alt. Ich habe für die „Blinde Kuh“ schon „Avalon“
und „Vertrauen“ geschrieben und hoffe auch, dass diese
Geschichte, ins Internet gestellt wird. Ich hoffe auf jeden
Fall, es hat euch gefallen! Leider hänge ich an sehr
philosophischen Sachen, ihr werdet wahrscheinlich (falls ich
noch mehr schreibe, was ich auf jeden Fall hoffe!), nur noch
solche Sachen von mir lesen (aber auch nur wenn ihr meine
Geschichten weiterhin lest!).
Bis zum nächsten Treffen, in meiner Fantasy-Welt (und ich bin
ein begeisterter „Fantasy“-Lesefan!)
Eure Anja
P.S.: Ihr wisst doch schon wer Helyja ist, oder?
|