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Ihr Häuschen mit putzig rot-weißen Fensterläden lag an einem kleinen Kanal. Als erstes gingen Jochen und seine Mutter am nächsten Morgen zur Schule. Entlang einer Straße mit
Reihenhäusern, die sich wie ein Ei dem anderen glichen. In den kleinen, gepflegten Vorgärten wiegten sich rote und gelben Tulpen zusammen mit vielen sonnigen Narzissen.
Aha, Tulpen, dachte Jochen. Guck mal, Mami, da kann man ja überall
hineinsehen. Fast niemand hat Gardinen an den Fenstern! Ja, das ist hier
so. Die Leute finden es schön, so frei zu wohnen. Komisch, meinte Jochen. Nicht
komisch, Spatz, nur anders.
Und das war ein
Satz, den Jochens Mutter in der nächsten Zeit noch öfter sagen würde.
In der Schule empfing sie ein Rektor, der deutsch
sprach. Trotzdem verstand Jochen kaum, was dieser sagte, weil er ganz fasziniert den langen roten Bart
bewunderte, in dessen Mitte der Mund sich klein und rosa wie ein putziges Tier
bewegte. Die Schule bestand aus vielen kleinen Pavillons, durch deren große helle Fenster die Sonne lachte. Kinderzeichnungen, bunte
Poster und Landkarten schmückten die Wände. Das alles gefiel Jochen prima.
Aber als er vor seinen neuen Mitschülern stand und vierzig blaue Augen ihn neugierig anstarrten, rutschte ihm doch sein Herz in die Hose.
Dat is jullie nieuwe klasgenoot Jochen, stellte ihn der Lehrer den Kindern vor (Das ist euer Klassenkamerad Jochen).
Und zu Jochen: Wir werden in Zukunft nur holländisch reden. Dann lernst du es am schnellsten. Du kannst natürlich deutsch antworten, bis du unsere Sprache kannst.
Jochen nickte benommen.
Von der zweiten Stunde verstand er nichts, also blickte Jochen sich
interessiert um. Der Platz neben ihm war frei. Die anderen Kinder beschäftigten sich mit einem Buch, aus dem sie etwas
abschrieben und hin und wieder den Lehrer etwas fragten. Meester nannten sie ihn.
Jochen wollten auch so ein Buch haben. Er konnte zwar nicht darin lesen, aber die hübschen bunten Bilder, die
er darin sah, gefielen ihm. Er streckte seinen Arm in die Höhe. Herr
Meester?
Die Kinder fingen prustend an zu lachen. Herr Meester, Herr Meester wiederholten sie im Chor.
Je mehr die Kinder lachten, um so röter wurde Jochens Kopf. Wie eine Tomate. Was hatte er falsch gesagt? Auch der Lehrer lächelte und erklärte es ihm: Meester hieß so viel wie Meister oder in der Schule eben Lehrer. Und den Namen sagte man gar nicht. Er hieße übrigens Bakker. Komisch dacht Jochen oder viel mehr: anders. Aber das konnte er
doch nicht wissen. Warum lachten ihn dann die Kinder ihn aus?
In der Pause stürzten die Kinder an ihm vorbei ins Freie. Jochen ging langsam hinterher. Er wäre gerne in der in der Klasse geblieben. Aber der Meester sagte: Frische Luft ist gesund, und
schob ihn sanft hinaus. Auf dem Hof war ein Riesengeschrei. Einige
Jungen kämpften miteinander. Mädchen sprangen wild von einer ziemlich hohen Mauer hinunter, andere zogen sich an ihren langen blonden Haaren. Niemand griff ein. Gab es hier keine
Pausenaufsicht? Doch, da saß doch der Rektor persönlich auf einer Bank und schob gemütlich ein Butterbrot mit Käse mitten in seinem Bart. Anscheinend durfte man viel mehr als in
seiner früheren Schule zu Hause. Zu Hause? Er war doch jetzt hier zu Hause. Jochen seufzte. Er fühlte sich sehr alleine.
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